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Onufrigowen (Onufryjewo) – erste Siedlung der Altgläubigen in Masuren

Die Altgläubigen haben sich ein sehr schönes Fleckchen Erde ausgesucht. Onufrigowen (Onufryjewo) liegt im heutigen Mausurischen Naturpark und ist von vier Seen umgeben, dem Bełdany-, dem Wesołek-, dem Wejsunek- und dem Warnołty-See. Gründer und Namensgeber des Dorfes war Onufry Jakowlew, ein Altgläubiger und Vater von acht Kindern. Er bewirtschaftete Land und war gleichzeitig Ortsvorsteher. Es gab ein Frauen- und ein Männerkloster und eine Schule. Onufrigowen war das erste Dorf in Masuren, das von Altgläubigen gegründet worden ist.

Die ehemalige Schule der Altgläubigen in Onufryjewo
Das Gebäude der alten Schule stammt aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Fotos: Frank Hilbert

In Masuren gibt es mehrere Ortschaften, in denen Altgläubige lebten. Am bekanntesten ist Eckertsdorf (Wojnowo), wo es noch eine Kirche und ein Kloster der Altgläubigen mit beeindruckenden Ikonostasen gibt. Sowohl die Kirche als auch das Kloster stehen für Besucher offen. Auch eine ganze Reihe von Holzhäusern, in denen die Altgläubigen lebten, haben in Wojnowo die Zeit überdauert und können von außen besichtigt werden.
In Onufryjewo erinnert dagegen nur wenig an die Altgläubigen. Zum Beispiel existieren noch ein Hof aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Reste des Altgläubigenfriedhofs und einige wenige Wohnhäuser. Das für ein so kleines Dorf beeindruckend große Schulgebäude entstand erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wird nicht mehr als solches genutzt. Die beiden Klöster und die Kirche gibt es nicht mehr. Erhalten geblieben ist außerdem noch eine Metallmühle.

Kaum bekannt ist dagegen, dass Onufryjewo das erste Dorf in Masuren war, das von Altgläubigen gegründet worden ist. Das war zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahr 1830.
Nach Masuren kamten die Altgläubigen über Umwege. Sie sind eine Glaubensgemeinschaft der russisch-orthodoxen Kirche, die Reformen ablehnte, die der Moskauer Patriarch Nikon im 17. Jahrhundert eingeführt hatte. Wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Reformen wurden sie im zaristischen Russland verfolgt und flohen unter anderem nach Polen, wo sie ihrem Glauben weiterhin frei nachgehen konnten. Als nach der Teilung Polens 1792 Teile des Landes unter russische Herrschaft gelangten, mussten sie erneut ihre Koffer packen und zogen in das zu Preußen gehörende Masuren weiter, wo sie sich ansiedeln und Land erwerben durften. Onufry Jakowlew zum Beispiel kam aus dem polnischen Pogorzelec nördlich von Warschau (Warszawa).

Altes Holzhaus mit gepflegtem Garten in Onufryjewo in Masuren
Ein altes Holzhaus, das noch aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen könnte.

Mit der Zeit zogen auch Protestanten und nach dem Zweiten Weltkrieg katholische Polen nach Onufryjewo. An die Protestanten erinnert am Rande des Dorfes ein Friedhof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche. Die Größe des Dorfes war überschaubar und ist es immer noch. 1920 lebten hier nur 100 Wahlberechtigte, die alle für den Verbleib Masurens im Deutschen Reich stimmten. Die Siegermächte des Ersten Weltkrieges hatten die Abstimmung im südlichen Ostpreußen (Masuren und Teile des Ermlandes) angeordnet, in der sich die Menschen entscheiden sollten, ob sie zukünftig in Polen oder im Deutschen Reich leben möchten. Heute zählt das Dorf rund 100 Einwohner.

Die Nationalsozialisten, die zwischen 1933 und 1945 an der Macht waren und denen die vielen slawisch und pruzzisch klingenden Ortsnamen in Masuren ein Dorn im Auge waren, änderten den Dorfnamen von Onufrigowen in Rehfelde um. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört Masuren zu Polen und heißt Onufryjewo. Dabei handelt sich um die polnische Form von Onufrigowen. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Friedhof der Altgläubigen (Cmentarz staroobrzędowców), Einige der Gräber werden noch gepflegt. Geodaten: 53.693459, 21.598642
  • Dorfschule aus dem frühen 20. Jahrhundert, Onufryjewo 8, Geodaten: 53.69209954891548, 21.600933811525405
  • Gestüt mit polnischen Koniks im zehn Kilometer entfernen Popielno
  • Die vier Seen Bełdany, Wesołek, Wejsunek und Warnołty sind mit dem Auto oder dem Fahrrad zu erreichen.

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