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Migehnen (Mingajny) im Ermland, Polen

An der Landstraße 513, in der Nähe von Wormditt (Orneta) im Ermland, liegt das Dorf Migehnen (Mingajny). Es ist nicht sehr groß, kann sich aber mit der größten Dorfkirche in der Erzdiözese Ermland rühmen.

Kirche des heiligen Laurentius in Migehnen (Mingajny) im Ermland
Die Kirche des heiligen Laurentius in Migehnen ist die größte Dorfkirche in der Erzdiözese Ermland. Fotos: Frank Hilbert

Betrachtet man die  Kirche des heiligen Laurentius (kościół pw. św. Wawrzyńca) in Migehnen (Mingajny) etwas genauer, fallen einem Widersprüche und Ungereimtheiten an ihrem Äußeren auf. Vor allem ihre Proportionen stimmen nicht. Der Turm ist im Vergleich zum Querschiff zu klein, und die beinahe verspielt wirkenden Giebel des Querschiffes passen nicht zum Rest des Gotteshauses mit seiner schnörkellosen Fassade. Riesige Löcher im Mauerwerk wurden mit Ziegelsteinen ausgebessert, die heller sind und sich deshalb deutlich von den anderen abheben.
Errichtet wurde die Kirche zwischen 1350 und 1375 im gotischen Stil anstelle einer Holzkirche, die hier schon seit 1311 stand und abgebrannt war. Es war auch das Jahr, in dem das Dorf von den Brüdern Heinrich und Theodorik von Neiße mit Erlaubnis des Bischofs Eberhard von Neiße gegründet worden ist.
In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche immer wieder umgebaut und erweitert, wobei die umfangreichsten Veränderungen zwischen 1899 und 1904 an ihr vorgenommen wurden. So erhielt sie ein Querschiff und ein Presbyterium im damals üblichen neogotischen Stil. Das Kirchenschiff wurde erhöht und verlängert. Dagegen blieb der Turm unverändert, erhielt aber einen weithin sichtbaren Knickhelm, bei dem die Dachkanten zunächst im flachen Winkeln ansteigen, um dann abzuknicken und im steilen Winkel spitz nach oben zulaufen. 
Bei der Umgestaltung ihres Inneren orientierten sich die Architekten und Künstler ebenfalls an der Architektur der mittelalterlichen Gotik. So wurde die Holzdecke durch Stern- und Netzgewölbe ersetzt, die die Statik der Kirchenbaus veränderten. Damit das Gewicht der Gewölbe die Außenmauern nicht auseinanderdrückt, wurden im Kircheninneren zwei Zuganker gespannt. Mit der Holzdecke verschwand auch die erst 1817 restaurierte Deckenmalerei "auf mattblauem Grunde in großen Medaillons die Bilder des hl. Nikolaus, des hl. Laurentius und der Auferstehung des Herrn"[1].
In den neuen, neogotischen Altar wurde ein Triptychon eines Altars von 1520 mit Skulpturen von Maria mit Kind, der heiligen Katharina und der heiligen Barbara integriert. Jeder der beiden Seitenflügel ist in zwei Felder mit je drei Figuren aufgeteilt, bei denen es sich um die 12 Apostel handelt.

Unverändert erhalten geblieben sind dagegen zwei Seitenaltäre aus der Zeit der Renaissance und des Barock, die dem heiligen Josef und dem heiligen Nikolaus gewidmet sind, und ein Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert. Zum Kircheninventar gehören außerdem ein Rokoko-Thuribulum (Weihrauchfass) aus der Werkstatt des Goldschmiedes Antoni Krieger, und eine goldene Monstranz aus dem Jahr 1674.

Gräber von Pfarrern vor der Kirche des heiligen Laurentius in Migehnen (Migajny)
Zwei Gräber von deutschen Pfarrern aus der Vorkriegszeit an der Südseite der Kirche des heiligen Laurentius.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1945, wurde die Kirche bei Kämpfen zwischen Deutschen und Soldaten der aus Osten heranrückenden Roten Armee stark beschädigt. Die zugemauerten Löcher in der Fassade zeugen von den Kampfhandlungen. Ihr Wiederaufbau konnte 1959 abgeschlossen werden. Allerdings verzichtete man darauf, den Turm in seiner ursprünglichen Größe wieder aufzubauen. Auch den charakteristischen Knickhelm ließ man weg. (fh)

Die Geschichte des Dorfes Migehnen und der Kirche des heiligen Laurentius

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