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Mauerwald in Masuren - Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres (OKH)

Im Mauerwald in Masuren stehen 30 unzerstörte Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945), in dem sich das Oberkommando des Heeres (OKH) einquartiert hatte. Von hier aus plante und führte das OKH zusammen mit dem nahe gelegenen Führerhauptquartier "Wolfsschanze" den Krieg gegen den einstigen Verbündeteten Sowjetunion.

Schutzbunker im Mauerwald in MasurenPolen Fotos
Ein spezieller Putz sorgte dafür, dass sich schnell Moose an den Außenwänden der Bunker ansiedelten. Die Decken wurden mit Gräsern und Bäumen bepflanzt. So waren die Betonbunker aus der Luft nur schwer auszumachen. Fotos: Frank Hilbert

"Papa, dieser Turm wurde im vorigen Jahr gebaut. Ich habe im Internet gelesen, dass in Polen die meisten neuen Türme nach einem Jahr einstürzen“, ruft ein dreizehnjähriger Junge seinem Vater zu, während er lachend die Treppen herunterspringt. Papa verdreht die Augen, während er sich anschickt, die Plattform des 38 m hohen Turmes ebenfalls zu verlassen. Der Wind hat gerade aufgefrischt. Er rüttelt und zerrt an der Stahlkonstruktion und lässt sie hin und her schwanken. Ich lasse mich nicht vom Geplapper des neunmalklugen Teenagers verunsichern und genieße den Rundumblick. Der Turm steht inmitten eines dichten Waldes unweit des Mauersees (Jezioro Mamry), auf dem bunte Segel in der Sonne leuchten. Er ist mit 104 Quadratkilometern der zweitgrößte See Masurens. Dass der Aussichtsturm umstürzt, ist nicht zu befürchten. Er ist fest verankert auf der Decke eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg.
Der Wald trägt den Namen "Mauerwald". Vom Turm aus sind sie nicht zu erkennen. Aber die hohen, dicht zusammenstehenden Bäume verbergen Bunker und andere militärische Bauten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die die Wehrmacht errichten ließ. Wie der Wald hieß die Anlage ebenfalls "Mauerwald". Sie diente zwischen 1941 und 1944 als Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres (OKH) und als Quartier des Heereshauptversorgungsdienstes. Das Besondere an ihr ist, dass sie im Gegensatz zum nur 20 Kilometer entfernten Führerhauptquartier "Wolfsschanze" nicht gesprengt wurde. So können Besucher noch etliche unzerstörte Bunker besichtigen. Mit seinen 250 Objekten, darunter 30 Bunkern, war das Quartier des OKH auch deutlich größer als die "Wolfsschanze".

Schaltzentrale für den Krieg gegen die Sowjetunion

Die Bauarbeiten für die Anlage hatten 1940 begonnen. Verantwortlich für den Bau war die Organisation Todt (OT). Im Mai 1941 zogen die ersten Offiziere und Soldaten ein. Vom Mauerwald aus sollte das Oberkommando des Heeres den Krieg gegen die Sowjetunion führen, der am 22. Juni 1941 unter dem Tarnnamen "Barbarossa" mit dem Überraschungsangriff der Deutschen begann. Der Chef des Generalstabs des OKH, Franz Halder, traf am 23. Juni im Mauerwald ein, der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall Walter von Brauchitsch einen Tag später.

Schießstand in einem Bunker im Mauerwald in Masuren
Schießstand in einem großen Schutzbunker.

Unterteilt war das OKH Mauerwald in die Zonen "Quelle", "Fritz" und "Anna". "Fritz" beherbergte die operativen Dienststellen des Generalstabes und "Anna" die Fernmelde- und Kommunikationszentrale. Die Zone "Quelle" nutzte der Generalquartiermeister mit seinen untergeordneten Dienststellen.

Versteck für Dokumente über Hitler-Attentat

Offiziere aus dem OKH "Mauerwald" waren in das mißglückte Bombenattentat auf den deutschen Reichskanzler und Diktator Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in der "Wolfsschanze" beteiligt. Einer von ihnen hieß Joachim Kuhn. Der Major war ein Untergebener und Freund von Oberstleutnant Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der die Bombe während einer Lagebesprechung neben Hitler platzierte und zündete. Kuhn hatte den Sprengstoff organisiert. Seit 1943 war der Major außerdem mit Stauffenbergs Cousine Marie Gabriele Schenk Gräfin von Stauffenberg verlobt, die jedoch nicht in die Attentagspläne eingeweiht war. Noch vor dem 20. juli versteckte Kuhn Metall- und Glasbehälter im Mauerwald, die den Umsturzplan enthielten, den Stauffenberg und seine Mitverschwörer Oberstleutnant Nikolaus Graf Üxküll-Gyllenband, Oberst Henning von Tresckow, Dr. Rudolf Fahrner und der Marineoberstabsrichter Dr. Berthold Graf Stauffenberg 1943 ausgearbeitet hatten. In sowjetischer Kriegsgefangenschaft berichtete Kuhn auführlich über die Vorbereitungen des Attentates und gab das Versteck preis. Offiziere der sowjetischen Spionageabwehr fanden den Umsturzplan im Februar 1945 und brachten ihn nach Moskau. Er befindet sich heute im Moskauer Zentralarchiv des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation.

Bunkermuseum Mauerwald

2003 pachtete Bartłomiej Plebańczyk 50 Hektar des einstigen Kriegsquartiers des OKH und richtete ein Museum ein. Es besteht aus mehreren Ausstellungen, die in den Bunkern der Fernmelde- und Kommunikationszentrale und im Bunker des Stabes zu sehen und etwa 10 Minuten Fußweg voneinander entfernt sind. An der Kasse vor den Fernmeldebunkern befindet sich ein kostenloser Parkplatz. Die Ausstellungen informieren über das Kriegsquartier des OKH, den unvollendeten Masurischen Kanal und über den Kriegsverlauf an der Ostfront. Auf dem Bunker des Stabes steht der bereits erwähnte 38 m hohe Aussichtsturm.
Vom Parkplatz an der Kasse sind es 25 Gehminuten bis zu den Bunkern in der Zone "Quelle". Wem der Weg zu lang ist, kann mit dem Auto dorthin fahren. Auch hier gibt es einen Parkplatz. Als wir den Mauerwald besuchten, konnte man sich bei einer Parkplatzwächterin Taschenlampen für einen geringen Obulus ausleihen. Die Bunker des Heereshauptversorgungsdienstes sind für Besucher zugänglich, jedoch innen nicht beleuchtet. (fh)

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Landkarte Polen mit Mauerwald (Mamerki)

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Sehenswürdigkeit

Museum des II. Weltkrieges in den Bunkern des OKH
11-600 Mamerki
Internet: mamerki.com

Karte

Mauerwald - Bunkermuseum OKH, , 11-600
Mauerwald - Bunkermuseum OKH, , 11-600 Mamerki (Google Maps)