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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Lyck (Ełk) in Masuren, Polen

Lyck (Ełk) gehört neben Nikolaiken, Sensburg und Angerburg zu den größeren Touristenorten in Masuren. Den Reiz der Stadt macht ihre Lage am Lycksee aus, der bei Wassersportlern sehr beliebt ist.

Frühere evangelische Pfarrkirche in Lyck (Ełk) Polen Fotos
Die frühere evangelische Pfarrkirche. Fotos: Frank Hilbert

Lyck ist liegt im Herzen der Lycker Seenplatte und ist ein Zentrum des Wassersports. Es gibt nicht so viele touristische Einrichtungen wie anderswo und auch der Lycksee zählt nicht zu den größten in Masuren. Dafür trampeln sich hier in den Sommermonaten die Urlauber nicht gegenseitig auf die Füße, und auch die Anzahl der Sportboote auf dem Wasser hält sich in Grenzen.
Architektonisch hat Lyck nicht viel zu bieten, denn die Stadt wurde im 20. Jahrhundert gleich zweimal zerstört: im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Dafür säumen die Uferpromenade moderne Hotels und Pensionen, deren Architektur sich im Einklang mit der übrigen Stadtarchitektur und mit der Natur befindet. Erhalten geblieben sind die Herz-Jesu-Kirche (früher evangelische Pfarrkirche), die St.-Adalbert-Kirche, ein im neogotischen Stil errichtetes Gymnasium, das hinter der Herz-Jesu-Kirche steht, und einige Bürgerhäuser.
Die Ordensburg, die auf einer Insel im Lycksee steht, ist eine Ruine. Zuerst wurde sie im 18. Jahrhundert, nachdem sie ihre strategische Bedeutung verloren hatte, teilweise abgerissen und dann zu einem Gefängnis umfunktioniert, das erst 1976 geschlossen wurde. Trotz ihres desolaten Zustandes lohnt sich ein Spatziergang auf die Burginsel schon allein wegen des Blicks auf das Stadtpanorama, das man von hier aus genießen kann.

Schmalspurbahn in Lyck

Neben den Wassersportmöglichkeiten ist die Schmalspurbahn eine weitere Attraktion. Errichtet wurde sie zwischen 1913 und 1918 und verkehrte von Lyck aus in das etwa 30 Kilometer entfernte Thurowen (Turowo) und auf einer Nebenstrecke in Richtung Süden bis nach Sawadden (Zawady-Tworki). Heute fährt sie nur noch auf einem Teilabschnitt bis Sypittken (Sypitky). 2001 hat die Kleinbahn den regulären Personenverkehr eingestellt. Aus dem Bahnhof wurde ein Museum, in dem Eisenbahnfreunde zahlreiche Attraktionen finden. Das Kleinspurbahn-Museum, das Teil des Historischen Museums der Stadt ist, hat in seiner Sammlung historische Schmalspur- und Normalspur-Lokomotiven, die von Innen und von Außen besichtigt werden können. Zu den schönsten Ausstellungsstücken gehört eine polnische Lokomotive, die 1951 in der Lokomotiven-Fabrik "Feliks Dzierżyński" in Chrzanów in Kleinpolen gebaut wurde, und eine polnische Schmalspur-Dampflok mit Schlepptender der Baureihe PX-48 1752.
Neben dem Schmalspurbahn-Museum laden noch drei weitere Museen zum Besuch ein: das Historische Museum, das Wassertropfenmuseum im Wasserturm und das Seemuseum im Ökologischen Bildungszentrum.

Geschichte von Lyck

Lyck lag im Mittelalter im südlichen Teil des Ordensstaates, der an Polen und Litauen grenzte. Immer wieder kam es zu militärischen Auseinsandersetzungen zwischen den Ordensrittern auf der einen und Polen und Litauen auf der anderen Seite, die Menschen davon abhielten, sich hier anzusiedeln. In Masuren lebten deshalb lange Zeit nur sehr wenige Menschen. Es kam hinzu, dass der Boden von geringer Qualität war und die Bauern im Vergleich zu anderen Regionen im Ordensstaat geringere Erträge erzielten. Erst 1398 ließ Ulrich von Jungningen, Komtur von Balga und späterer Hochmeister, auf einer Insel im Lycksee eine Festung aus Holz errichten, die zehn Jahre später durch eine aus Stein ersetzt wurde. Etwa zur selben Zeit entwickelte sich gegenüber der Burg  eine Fischersiedlung, die die  vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm sehr spät, nämlich 1669, das Stadtrecht erhielt.
Die Besiedlung der Gegend begann im größeren Stil erst nach der Unterzeichnung des Zweiten Thorner Friedens im Jahr 1466. Die Siedler kamen überwiegend aus Masowien und sprachen Polnisch. Zu einem kulturellen Aufschwung kam es in Lyck nach der Sekularisierung des Ordensstaates 1525 und nachdem Herzog Albrecht im Zuge der Reformation vom katholischen zum evangelischen Glauben übergetreten war. Mit ihm konvertierte auch sein Volk. Im südlichen Herzogtum waren es die polnischsprachigen Masuren, für die nun nicht nur polnischsprachige Pastoren gesucht wurden, sondern auch Bibeln in polnischer Sprache gedruckt werden mussten. Die erste Druckerei in Lyck, in der evangelische Schriften in polnischer Sprache erschienen, war die von Johann Maletius, den Albrecht 1536 aus Krakau in die Stadt geholt hatte. Sein Sohn eröffnete 1546 eine Schule, in der junge Masuren auf das Studium in Königsberg vorbereitet wurden. Verbunden mit der kulturellen Blütezeit war auch ein wirtschaftlicher Aufschwung, der je durch die Pestpandemie zwischen 1709 und 1711 unterbrochen wurde.

Im Zweiten Schwedisch-Polnischen Krieg, der von 1656 bis 1660 andauerte, schloss Preußen ein Bündnis mit Schweden. Das zog den Zorn des polnischen Königs Johann II. Kasimir auf das Herzogtum Preußen, welches zu dieser Zeit noch ein polnischen Lehen war. So kam es, dass 1656 ein polnisch-litauisches Heer, in dem auch Tataren kämpften, die besonders brutal gegen die Zivilbevölkerung vorgingen, im Herzogtum einfiel und Städte und Dörfer plünderte, zerstörte und Menschen verschleppte und ermordete. Die Lycker konnten sich zwar in ihre Burg im Lycksee in Sicherheit bringen, aber nicht verhindern, dass ihre Stadt niedergebrannt wurde. Wie verheerend dieser Krieg war, zeigt die Bevölkerungsentwicklung. Im Verlauf des Krieges verlor jeder zweite Bewohner im Kreis Lyck sein Leben. Für den preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm dagegen nahm der Krieg einen günstigen Verlauf. Im Vertrag von Wehlau schloss er 1657 mit Polen einen Separatfrieden. Im Gegenzug verzichtete der polnische König auf die Lehenshoheit über das Herzogtum Preußen. Damit erhielt ein Landesherr in Preußen zum ersten Mal seit der Sekularisierung des Ordensstaates 1525 die volle Souverenität über das Herzogtum.

Restaurant und Bootsverleih am Lycker See in Masuren
Bootsverleih und Restaurant am Lycksee.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Lyck zu einem für die Region wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Es gab Bahnverbindungen nach Allenstein, Olezko und zum Grenzbahnhof Prostken. Zu den Infrastrukturmaßnahmen in der Stadt gehörten der Bau eines Wasserturms, einer Gasanstalt, der Kanalisation und eines Krankenhauses. Lyck wurde außerdem Sitz des Finanzamtes, des Landratsamtes, eines Landgerichts, und es gab ein Gymnasium. Die Eröffnung des Lehrerseminars lag schon länger zurück. Immerhin bescherte die moderne Eisenbahn der Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis zum Ersten Weltkrieg (1914–1918) anhielt.

Lyck – Kampfgebiet im Ersten Weltkrieg

Die Provinz Ostpreußen, zu der Lyck inzwischen gehörte, war neben Mühlhausen im Elsaß das einzige Gebiet im Deutschen Reich, in das während dieses verheerenden Krieges, an dessen Ende das deutsche Kaiserreich kollabierte und die Republik ausgerufen wurde,  feindliche Truppen einmarschierten. Im Sommer 1914 besetzten zwei russische Armeen große Teile der Provinz. Zu schweren Kämpfen kam es erneut in der Winterschlacht an den Masurischen Seen im Februar 1915, die auch die Winterschlacht bei Lyck und Augustów genannt wird. Hunderttausende Menschen flohen vor den Kämpfen, zahlreiche Dörfer und Städte wurden zerstört. Lyck besetzten feindliche Soldaten gleich mehrmals und verschleppten Einwohner. Der Landrat, der Bürgermeister und der Superindentent mussten den Weg in die Verbannung nach Sibirien antreten. Bis auf den Landrat, der 1916 gegen einen russischen General ausgetauscht wurde, konnten die übrigen erst 1917 in ihre Heimat zurückkehren. Die Lycker Innenstadt war nach den Kämpfen ein einziger Trümmerhaufen. Für die Beseitigung der Kriegsschäden in Ostpreußen wurde die Ostpreußenhilfe ins Leben gerufen. Städte, Kreise und Regierungsbezirke im übrigen Deutschen Reich übernahmen Partnerschaften. Der Regierungsbezirk Oppeln in Schlesien schloss eine mit Lyck.

Am Ende des Ersten Weltkrieges erlangte Polen seine Unabhängigkeit wieder zurück. Damit grenzte Ostpreußen nicht mehr an Russland, sondern an Polen. Der Kriegsverlierer Deutschland musste 1920 in Grenzgebieten mit mehrsprachiger Bevölkerung Volksabstimmungen über die staatliche Zugehörigkeit akzeptieren, unter anderem in Masuren, wo immer noch viele Menschen Polnisch sprachen. Im Landkreis Lyck gaben 1910 bei einer Volksbefragung von 55.579 Menschen 25.755 Polnisch als ihre Muttersprache an. Trotz des hohen Anteils der polnischsprachigen Bevölkerung stimmten am 11. Juli 1920 in Lyck 36.529 Wählerinnen und Wähler für Deutschland und nur 44 für Polen. Das ist interessant, weil die polnischsprachige Bevölkerung in Masuren seit der Reichseinigung 1871 unter starken Assimilierungsdruck stand. So wurde zum Beispiel unter dem Preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck Polnisch an Schulen und in Gottesdiensten verboten. Zur Überwachung der Volksabstimmung waren in Lyck italienische Soldaten stationiert.
In den 1920er Jahren litt Masuren besonders stark unter den wirtschaftlichen Krisen, die durch den polnischen Korridor, der Ostpreußen vom übrigen Deutschen Reich trennte, noch verschärft wurden. Die finanziellen Hilfen der Berliner Regierung kamen nur bei den landwirtschaftlichen Großbetrieben an. Die Kleinbauern, von denen es viele in Masuren gab, mussten ohne Subventionen auskommen. Deutschnationale Kräfte schlugen aus den gewonnen Schlachten im Ersten Weltkrieg politisches Kapital, indem sie Ostpreußen zum "Bollwerk gegen das Slawentum" mit der Folge stilisierten, dass es einen deutlichen Rechtsruck gab und die Nationalsozialisten bei der Wahl zum Reichstag im März 1933 in Lyck 80,38 Prozent der Stimmen für sich vereinnahmen konnten.
Das nationalsozialistische Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg, den es 1939 mit dem Überfall auf Polen angezettelt hatte, 1945 verloren. Die Lycker Bevölkerung floh vor der heranrückenden Front oder wurde nach 1945 vertrieben, und das südliche Ostpreußen mit Masuren stellten die Siegermächte unter polnische Verwaltung. In die Stadt zogen Polen ein.

Der wohl bekannteste Sohn der Stadt Lyck ist Siegfried Lenz, der hier am 17. März 1926 geboren wurde und seit 2011 Ehrenbürger seiner Geburtsstadt ist. In seinen beiden Büchern "Heimatmuseum" und "So zärtlich war Suleyken" setzte er seiner Heimat ein literarisches Denkmal. Manche Orte in Masuren wirken noch so verschlafen wie in Lenz Erzählungen, als wäre die Zeit in ihnen vor einhundert Jahren stehengeblieben. Lyck, oder Ełk, wie die Stadt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges heißt, gehört nicht dazu. Auch im sozialistischen Polen war die Stadt ein beliebter Urlaubsort. Nach der Jahrtausendwende hat sich in der Stadt viel verändert. Moderne Hotels und Pensionen sind am Ufer des Lycksees entstanden, Restaurants und Cafés buhlen um die Gunst der Feriengäste. Trotzdem hat der Massentourismus in Lyck noch nicht Einzug gehalten. (fh)

Sehenswürdigkeiten in Lyck (Ełk)

  • Herz-Jesu-Kirche  (Kościół Rzymskokatolicki Pw. Najświętszego Serca Jezusowego), frühere evangelische Pfarrkirche, erbaut zwischen 1920 und 1925
    Adresse: Armii Krajowej 2
  • St.-Adalbert-Kirche (Katedra pw. św. Wojciecha), zwischen 1893 und 1895 für die katholischen Einwohner der Stadt errichtet, neogotisch, 1992 in den Rang einer Kathedrale erhoben
    Adresse: Tadeusza Kościuszki 16
  • Ordensburg, aus dem Mittelalter, im 19. Jahrhundert zu einem Gefängnis umgebaut, derzeit eine Ruine
    Adresse: ul. Zamkowa
  • Schmalspurbahn, zwischen 1913 und 1918 gebaut, bietet touristische Fahrten an
    Adresse: Wąski Tor 1
  • Schmalspurbahn-Museum (Muzeum Historyczne w Ełku - Ełcka Kolej Wąskotorowa), restaurierte Lokomotiven und Waggons der Kleinbahn können besichtigt werden
    Adresse: Wąski Tor 1
  • Historisches Museum (Muzeum Historyczne w Ełku), beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt und Masurens
    Adresse: Wąski Tor 1
  • Wassertropfenmuseum (Wieża ciśnień w Ełku), untergebracht im 1895 erbauten Wasserturm der Stadt, verschiedene Ausstellungsstücke zum Thema Wasser
    Adresse: ul. Listopada 11
  • Seemuseum im Ökologischen Bildungszentrum (Centrum Edukacji Ekologicznej), Informiert über die Seefauna und -flora in den masurischen Seen
    Adresse: ul. Parkowa 12

Hotels

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Internet: turystyka.elk.pl


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