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Schmalspurbahn und Eisenbahnmuseum in Lyck (Ełk)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Lyck (Ełk) zu einem für die Region wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Es gab Bahnverbindungen nach Allenstein (Olsztyn), Marggrabowa (Olecko) und zum Grenzbahnhof Prostken (Prostki). Zwischen 1913 und 1918 entstand eine Schmalspurbahn zwischen Lyck und Turowen (Turowo), die auf der Liste der technischen Denkmäler steht. Ihr Bahnhof ist ein Museum, das in den Sommermonaten touristische Fahrten mit der Schmalspurbahn anbietet.

Schlepptender und Lokomotive im Schmalspurbahnhof in Lyck (Ełk)
Polnische Dampflok OL 49-11, die 1951 in der Lokomotiven-Fabrik "Feliks Dzierżyński" in Chrzanów gebaut wurde.

Im Jahr 1900 konnte man von Lyck (Ełk) aus mit der Bahn viele Städte im Deutschen Reich und dem benachbarten zaristischen Russland erreichen: Königsberg (Kaliningrad), Danzig (Gdańsk), Brest und Berlin. Nur Nahverkehrsverbindungen gab es nicht. So gründeten die Provinz Ostpreußen zusammen mit dem Bahnbauunternehmen Lenz & Co. die Lycker Kleinbahn AG mit dem Ziel, eine Kleinbahnlinie mit 1.000 mm Spurbreite zu bauen, die Lyck mit dem Grenzort Thurowen (Turowo) verbinden sollte. Die Bauarbeiten begannen 1910. Drei Jahre später konnte der erste Abschnitt zwischen Lyck und Borszymmen (Borzymy) in Betrieb genommen werden. Dann brach der Erste Weltkrieg (1914–1918) aus und Lyck wurde zum Kriegsschauplatz. Nicht nur große Teile der Stadt wurden zerstört, sondern auch der Fuhrpark der Schmalspurbahn. Erst nachdem die russischen Truppen 1915 aus der Provinz Ostpreußen zurückgedrängt worden waren, konnte die Lycker Kleinbahn AG die Kriegszerstörungen beseitigen und mit dem Bau des noch verbliebenen Streckenabschnittes, einschließlich einer Nebenstrecke zum Grenzort Sawadden (Zawady–Tworki), beginnen und 5. Oktober 1918 vollenden. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges veränderte sich auch die politische Landkarte in Mitteleuropa. Polen, das sich Deutschland, Österreich und das Zarenreich untereinander aufgeteilt hatten, erlangte seine Unabhängigkeit zurück.[1]  Die Folge war, dass die Bahntrasse der Kleinbahn nun nicht mehr entlang der russischen, sondern entlang der Grenze zu Polen verlief. Für die 36 Kilometer lange Strecke zwischen Lyck und Thurowen benötigte die Eisenbahn zwei Stunden. 1952 wurde die Kleinbahn auf 750 mm umgespurt. 

Streckenverlauf der Lycker Schmalspurbahn

  • Lyck (Ełk)
  • Klein Lasken (Laski Małe)
    Von hier ging eine Nebenstrecke nach Sawadden (Zawady-Tworki) ab.
  • Sypittken (zwischen 1938 und 1945 Vierbrücken, poln. Sypitky)
  • Borszymmen (zwischen 1938 und 1945 Borschimmen, poln. Borzymy)
  • Kallinowen (zwischen 1938 und 1945 Dreimühlen, poln. Kalinowo)
  • Thurowen (zwischen 1938 und 1945 Auersberg, poln. Turowo)

2001 stellte die Lycker Kleinbahn den regulären Personenverkehr ein, nachdem schon 1998 die Strecke zwischen Kallinowen und Thurowen wegen einer maroden Eisenbahnbrücke stillgelegt werden musste.
Inzwischen ist der Bahnhof der Kleinspurbahn ein Teil des Historischen Museums der Stadt Lyck. Zu den zahlreichen Ausstellungsstücken gehören neben historischen Triebwagen und Waggons der Schmalspurbahn auch historische Eisenbahn-Exponate mit Normalspurbreite.
In der Sommersaison bietet das Museum touristische Fahrten mit der Schmalburbahn nach Sypittken an. Immer noch geht es mit der Kleinspurbahn gemächlich zu. Und so benötigt sie für die kurze Strecke nach Sypittken eine dreiviertel Stunde. Gezogen werden die historischen geschlossenen und halboffenen Waggons allerdings inzwischen von einer Diesellok. Die Schmalspur-Dampflok der Baureihe PX-48, die diese Arbeit einmal verrichtet hat, kann nur noch im Museum besichtigt werden.

Eisenbahnfreunde finden in der Nähe der Schmalspurbahn weitere Relikte aus der Zeit der Dampflokomotiven. Südlich des Museums, in der ul. Sportowa, stehen noch ein verfallener Ringlokschuppen und eine völlig verrostete polnische Dampflok OL 49-80. Allerdings ist das Gelände zugewuchert. Der Bahnhof der Normalspurbahn, der auf der gegenüberliegenden Seite der Bahntrasse liegt, ist restauriert und immer noch in Betrieb. 

Historische Dampflok im Bahnhof von Lyck (Ełk) in Masuren
Ein historischer Dampfloktender (rechts) und eine Diesellok auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums.

Der Eisenbahnknotenpunkt Lyck

Baruch Hirsch Strausberg, der sich später Bethel Henry Strousberg nannte, war ein umtriebiger Großunternehmer, der in Neidenburg (Nidzica) geboren wurde. Nach dem Tod seines Vaters ging er nach England, wo er bei seinem Onkel eine kaufmännische Ausbildung absolvierte. In England begann er sich für die Eisenbahn zu begeistern, und er erkannte das wirtschaftliche Potential des neuen Transportmittels. Zurück in Deutschland gründete er die Ostpreußische Südbahn-Aktiengesellschaft, die — überwiegend mit englischem Kapital ausgestattet — eine 240 Kilometer lange Bahnstrecke von Königsberg über Bartenstein (Bartoszyce), Rastenburg (Kętrzyn), Lötzen (Giżycko) und Lyck bis nach Prostken (Prostki) an der russischen Grenze baute und 1871 vollendete. Lyck wurde bereits 1867 an das Bahnnetz angeschlossen. Durch den Bau wurde eine durchgehende Bahnverbindung zwischen Königsberg und dem Schwarzen Meer geschaffen, auf der Flachs, Hanf und Kohle nach Ostpreußen und Fisch und Maschinen in Richtung Russland transportiert wurden.
1879 nahm ein weitere Bahnstrecke nach Goldap, das nördlich von Lyck liegt, ihren Betrieb auf. Zu dieser Zeit konnte man von Lyck aus mit der Eisenbahn bereits nach Königsberg, Berlin, Danzig und über Brest an das Schwarze Meer fahren. Damit hatte sich Lyck zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt in Ostpreußen entwickelt, der Arbeitsplätze schuf und der Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte. Das Nahverkehrsnetz der Lycker Schmalspurbahn, die zwischen 1913 und 1918 entstand, ergänzte das Angebot der Fernstrecken. (fh)

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Sehenswürdigkeit

Kleinbahn-Museum
Wąski Tor 1
19-300 Ełk
E-Mail: sekretariat@mhe-elk.pl
Internet: www.muzeum.elk.pl

Geodaten: 53.826524,22.363249
Wegbeschreibung auf Google Maps

Anmerkungen

  1. Formell begann die Zeit der Zweiten Polnischen Republik am 11. November 1918 auf dem Gebiet Kongresspolens.

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