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Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Krossen (Krosno), Ermland

Krosno ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Ermland-Masuren. Seit dreihundert Jahren pilgern Gläubige zur barocken Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, um hier vor einer wundertätigen Marienfigur zu beten.

Wallfahrtskirche in Krossen (Krosno)Polen Fotos
Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Im Vordergrund kaum zu erkennen fließt das Flüsschen Drewenz (Drwęca), das für den Bau der Kirche extra umgeleitet worden ist. Fotos: Frank Hilbert

„Biegen Sie kurz vor dem Ortsschild von Orneta, gleich hinter den Getreidespeichern, rechts rein, dann kommen Sie direkt auf die Kirche zu. Sie könnten zwar jetzt in den Feldweg abbiegen und durch die Siedlung fahren, aber die Leute dort gaffen ganz komisch“, sagt die resolute junge Frau mit pfiffigem Haarschnitt, die wir nach dem Weg zum Sanktuarium von Krossen fragen. „Sollte die Kirche abgeschlossen sein, fragen Sie im Pfarrhaus nach dem Schlüssel. Der Pfarrer ist übrigens total klasse“, fügt sie hinzu und versucht, ihre lebhafte, kalbsgroße Bulldogge zu bändigen.

Wir folgen den Anweisungen, und bereits nach wenigen Minuten erstreckt sich vor uns unerwartet einsam auf weiter Flur, direkt an dem Flüsschen Drewenz (Drwęca), die der heiligen Muttergottes geweihte Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“. Mit ihren symmetrisch angelegten Türmen an der reich verzierten barocken Fassade, dem vorspringenden Chor und dem sie umschließenden Kreuzgang sieht der beeindruckende Sakralbau wie die kleine Schwester der berühmteren Heiligen Linde (Święta Lipka) aus. Der Legende nach haben vor über 500 Jahren spielende Kinder am Ufer der Drewenz eine steinerne Marienfigur gefunden, der schon bald zahlreiche Wunder nachgesagt wurden. 1593 erwarb Jacob Bartsch, der damalige Bürgermeister von Braunsberg (Braniewo), das Gut Krossen und ließ an der Fundstelle eine Kapelle bauen. Die Wundergnaden machten den beschaulichen Ort vor den Toren Wormditts (Orneta) berühmt, und schon bald war die Kapelle für den zunehmenden Pilgerstrom zu klein. Daher entschied der neue Eigentümer von Krossen, der Wormditter Erzpriester Kaspar Simonis, eine Wallfahrtskirche zu bauen. 1715 wurde mit dem Segen und der finanziellen Unterstützung des ermländischen Bischofs Andrzej Teodor Potocki der Grundstein für den Bau der neuen Kirche gelegt. Der Bauentwurf entstand in Warschau (Warszawa). Den Bau nach dem Vorbild eines in der Barockzeit typischen Kirchweihkomplexes leitete der Wormditter Baumeister Johann Christoph Reimers. Damit die wundertätige Marienfigur genau an der Fundstelle angebracht werden konnte, leitete man den Fluss um. Am 8. September 1720 fand die feierliche Weihe der 37 Meter langen und 18 Meter breiten, einschiffigen Kirche statt.

Barocke Kanzel in der Wallfahrtskirche in Crossen (Krosno)
Die barocke Kanzel fertigte Christoph Peucker an.

Die Innenausstattung der Kirche und die Ornamentik der Außenfassade stammten aus einer späteren Zeit. Der Hochaltar, einige Seitenaltäre und die Kanzel sind vermutlich das Werk des Bildhauers und Kunstschreiners Christoph Peucker, dem auch der Hochaltar von Heilige Linde zugeschrieben wird. Die Orgel wurde um das Jahr 1730 von Jan Wulf aus Wormditt erbaut. Die Rokokofassade mit den Szenen der Heimsuchung der Heiligen Jungfrau Maria, wurden 1754 von dem Bildhauer Christoph Perwanger aus Tolkemit geschaffen.
Nördlich der Kirche wurde 1726 ein kleines Konvikt für Geistliche erbaut, die sich um die Kirche kümmerten und die Pilger betreuten. Zwischen 1820 und 1945 diente es als Wohnhaus für emeritierte Priester.

Die Originalfigur der Muttergottes, die sich ursprünglich im Hauptaltar befand, ist leider seit den letzten Tagen der Kriegshandlungen im Jahr 1945 verschollen. Diese wurde durch eine Replik ersetzt, die der Bildhauer Ignacy Kuczma aus Posen (Poznań) angefertigt hat. Seit den frühen 1990er Jahren wird die stark verfallene Kirche mit polnischen und deutschen privaten Mitteln saniert. Es ist eine langwierige und aufwendige Aufgabe. Noch bröckelt überall der Putz, Nässe und Schwamm sind ins Mauerwerk eingedrungen. Im Sommer 2017 wurde der Hochaltar zu Sanierungszwecken entfernt, die Orgel und einige Seitenaltäre erstrahlen aber bereits in neuem Glanz. Der Charme des Verfalls und die einsame Lage in fast unberührter Natur machen die Kirche zu einer attraktiven Location für Filmemacher. Sie diente bereits als historische Kulisse für mehrere über die Landesgrenzen hinaus bekannt gewordenen Filme wie „Papusza“, „Agnus Dei – die Unschuldigen“ oder „Rosa“.

So schön die Einkehr und Ruhe sind, die der Besucher in den beschaulichen Mauern findet: Durch den Mangel an Bekanntheitsgrad und den geringen Zustrom von Touristen fehlen Spendengelder für die Sanierung. (fh)

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