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Kleinort (Piersławek) - auf den Spuren von Ernst Wiechert

Der Fußmarsch von Jakobsdorf nach Kleinort (poln. Piersławek) zum Geburtshaus des mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichneten Schriftstellers Ernst Wiechert ist zumindest an diesem Tag keine gute Idee gewesen. Seit dem frühen Morgen gießt es in Strömen. Selbst die Jahrhunderte alten grünen Riesen der Johannisburger Heide bieten keinen ausreichenden Schutz vor den Wassermassen. Die sandigen Wirtschaftswege verwandeln sich in kniehohe, matschige Sümpfe. Nach drei Stunden Marsch, begleitet von Überlegungen, doch noch umzukehren, erreichen wir klatschnass das kleine Forsthaus.

Museum Ernst Wiechert außenPolen Fotos
Das Forsthaus in Kleinort (Piresławek) in Masuren, in dem Ernst Wiechert auf die Welt gekommen ist. Heute befindet sich in einem Seitengebäude ein kleines Museum. Foto: Frank Hilbert

Das Gelände mit den Wirtschaftsgebäuden und der dazugehörige Parkplatz machen einen so ordentlichen und sauberen Eindruck, dass wir glauben, versehentlich in einer der zahlreichen masurischen Pensionen gelandet zu sein. Auf dem Vorhof begrüßt uns in freudiger Erregung und mit wedelndem Schwänzchen ein Schäferhundwelpe, der die Kinder die Strapazen der langen Wanderung sofort vergessen lässt. Das renovierte Forsthaus selbst ist für Besucher nicht zugänglich, aber am Tor der gegenüber liegenden Scheune erscheint eine junge Frau und bittet uns herein. Hier befindet sich eine kleine Gedenkstube, die dem Leben und Schaffen Ernst Wiecherts gewidmet ist. Zur Ausstellung gehören zahlreiche Gegenstände aus dem Privatbesitz sowie alte Ausgaben der Werke des masurischen Schriftstellers.

Die junge Museumsangestellte erzählt uns aus dem Leben von Ernst Wiechert, der eigentlich genauso wie sein Vater Förster werden wollte. Der Vater erkannte jedoch früh die Begabung seines Sohnes und schickte ihn auf ein Gymnasium und anschließend zum Studieren nach Königsberg. Wiechert wurde Lehrer, widmete sich aber zugleich zunehmend seiner weiteren großen Leidenschaft: dem Schreiben. In seinen Romanen besingt er immer wieder die Schönheit seiner ostpreußischen Heimat. Tragische Schicksalsschlage, die ihm nicht erspart geblieben sind (früher Tod seines Bruders, Selbstmord der Mutter, Schreckenserlebnisse des Ersten Weltkriegs, Tod seines Sohnes, Selbstmord der ersten Ehefrau Meta, Kampf gegen Depressionen), legten einen melancholischen Schleier über seine Werke. Während der Nazi-Diktatur machte Wiechert nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegen den Nationalsozialismus, was eine Verhaftung und Deportation ins KZ Buchenwald zur Folge hatte. Er verblieb dort zwar nur zwei Monate (Angeblich hatte sich Reichsminister Hermann Göring, ein großer Freund Wiecherts Literatur, für dessen Freilassung eingesetzt.), wurde aber anschließend unter Bewachung und Demütigung nach Berlin geholt. Bis zum Kriegsende im Jahr 1945 stand Wiechert und Aufsicht der Gestapo. Im Jahr 1948 siedelt er in die Schweiz über, wo er zwei Jahre später verstarb. Er wurde auf dem Friedhof in Sträfe am Zürichsee begraben.

Schreibtisch von Ernst Wiechert
Schreibtisch von Ernst Wiechert.

Mit einem Gepäck voller neuer Eindrücke verlassen wir das kleine Museum. Inzwischen hat der Regen nachgelassen, zarte Sonnenstrahlen durchbrechen den grauen Himmel. Es kommst uns vor, als winkte uns Ernst Wiechert zum Abschied von einer Wolke zu. (fh)

Werke von Ernst Wiechert:

  • Die Flucht, Roman, (Pseudonym: Ernst Barany Bjell), 1916
  • Der Wald, Roman, 1922
  • Der Totenwolf, Roman, 1924
  • Die blauen Schwingen, Roman, 1925
  • Der Knecht Gottes Andreas Nyland, Roman, 1926
  • Der silberne Wagen, Erzählungen, 1928
  • Die kleine Passion. Geschichte eines Kindes, 1929
  • Die Flöte des Pan, 7 Erzählungen mit "Der Hauptmann von Kapernaum", 1930
  • Jedermann, Roman, 1931
  • Die Magd des Jürgen Doskocil, 1932
  • Das Spiel vom deutschen Bettelmann, Hörspiel, 1933
  • Die Majorin, Roman, 1934
  • Der Todeskandidat, Erzählungen, 1934
  • Der tote Marschall, Hörspiel 1934
  • Ein deutsches Weihnachtsspiel Hörspiel 1934,
  • Der verlorene Sohn, Schauspiel, 1935
  • Die goldene Stadt, Schauspiel, 1935
  • Hirtennovelle, Erzählung, 1935
  • Wälder und Menschen, Jugenderinnerungen, 1936
  • Das heilige Jahr, Novellen-Sammlung, 1936,
  • Eine Mauer um uns baue, Denkaufsatz 1937
  • Von den treuen Begleitern, Gedichtinterpretationen, 1938
  • Atli, der Bestmann, Erzählungen, 1938
  • Das einfache Leben, Roman, 1939,
  • Die Jeromin-Kinder, Roman, 1945
  • Die Totenmesse, Erzählung, 1945
  • Der brennende Dornbusch, Erzählung, 1945
  • Demetrius, Erzählung, 1945
  • Rede an die deutsche Jugend 1945, Rede, 11.Nov.1945
  • Der Totenwald, Bericht aus dem KZ-Lager Buchenwald, 1939 geschrieben, 1946 veröffentlicht
  • Märchen 1946
  • Der weiße Büffel oder Von der großen Gerechtigkeit, 1937 geschrieben, 1946 erschienen
  • Der armen Kinder Weihnachten, Schauspiel, 1946
  • Okay oder die Unsterblichen, Schauspiel, 1946
  • Die Gebärde, Erzählungen, 1947
  • Der Richter, Erzählung, 1948
  • Jahre und Zeiten, Erinnerungen, 1949
  • Die Mutter, Erzählung, 1948
  • Missa sine Nomine, Roman 1950
  • Der Exote, Roman, 1951
  • Die letzten Lieder, Gedichte, 1951
  • Es geht ein Pflüger übers Land, Erzählungen ausgewählt von Lilje Wiechert, 1951
  • Häftling Nr. 7188, Tagebuchnotizen und Briefe, 1966

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