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Hohenstein (Olsztynek) in Masuren

Hohenstein (Olsztynek) ist eine Stadt am Fluss Ameling (Jemiołówka) in Masuren, die der Deutsche Orden im 14. Jahrhundert gegründet hat. In der Vergangenheit betrieben ihre Bürger im Haupterwerb Landwirtschaft. Klein ist die frühere Ackerbügerstadt immer noch, aber nicht unbedeutend für den Tourismus. Sie besitzt eine der beliebtesten Attraktionen in der Region: das Museum für volkstümliche Baukunst (Muzeum Budownictwa Ludowego). Es gehört zu den größten in Polen und liegt in einer landschaftlich reizvollen Gegend.

Frühere evangelische Kirche in Hohenstein (OLsztynek)Polen Fotos
In der ehemaligen evangelischen Kirche in Olsztynek befindet sich ein Museum, das zum Freilichtmuseum der Volksbauweise gehört. Fotos: Frank Hilbert

Museum für volkstümliche Baukunst (Muzeum Budownictwa Ludowego)

Königsberg (heute Kaliningrad) war die Hauptstadt Ostpreußens und liegt ungefähr 160 Kilometer nördlich von Hohenstein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschlossen die Königsberger, ein Fleilichtmuseum für volkstümliche Baukunst zu eröffnen. Es entstand zwischen 1911 und 1913 auf einem Grundstück neben dem Zoologischen Garten und umfasste 26 Nachbauten von Häusern aus verschiedenen Regionen Ostpreußens aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Eröffnet wurde es 1913 unter dem Namen Ostpreußisches Heimatmuseum.
Zwischen 1938 und 1942 zog das Freilichtmuseum nach Hohenstein um. Seitdem hat es seine Sammlung systematisch um weitere Gebäude erweitert. 76 sind es inzwischen, die auf dem etwa 350 ha großen Gelände stehen. Es sind entweder Gebäude, die an anderer Stelle ab- und hier wieder aufgebaut wurden, oder originalgetreue Nachbauten: Sakralbauten (darunter eine hölzerne Kirche), Wohnhäuser mit Wirtschaftsgebäuden, aber auch Wind- und Wassermühlen, eine Ölmühle, eine Schmiede, eine Töpferei, Räuchereien und Speicher. Sie stammen aus dem Samland, dem Weichselland oder Ermland und Masuren und gewähren den Besuchern einen Einblick in die traditionelle Lebensweise der Menschen in der damaligen Zeit. Heute trägt das Freilichtmuseum den Namen "Museum für volkstümliche Baukunst".

Zum Museum gehören auch zwei Gebäude in der Hohensteiner Altstadt: Die ehemalige evangelische Kirche und das "Dom Mrongowiusza" (Mrongowiusz-Haus), ein mittelalterlicher Wehrturm, den die evangelische Kirche 1648 übernommen und zu einer Schule umgebaut hat. Im Parterre befand sich die Schule und im ersten Stock die Wohnung des Lehrers, der gleichzeitig Pastor in der evangelischen Kirche gleich nebenan war. Zwischen 1761 und 1767 bekleidete diese Stelle Bartłomiej Mrongowiusz. Am 19. Juli 1764 wurde er Vater eines Sohnes, dem er den Namen Christoph Cölestin gab. Christoph Cölestin Mrongovius (poln. Krzysztof Celestyn Mrongowiusz) wurde ebenfalls Pastor und zudem ein engagierter Verfechter der masurischen Kultur. Ihm zu Ehren wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die masurische Stadt Sensburg in Mrągowo umbenannt. Mrongowiusz ist auch die Ausstellung im ehemaligen Wehrturm gewidmet. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten hier Privatleute, die in den 1970er Jahren ausgewandert sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es Masuren waren, die als Spätaussiedler nach Deutschland übersiedelten.
Die evangelische Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und gilt neben der Burg als das älteste Gebäude der Stadt. Sie beherbergt ebenfalls eine Ausstellung.

Komtur Günther von Hohenstein

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann der Deutsche Orden seine Macht im dünn besiedelten Masuren mit der Errichtung von befestigten Stützpunkten, sogenannten "Häusern", zu zementieren. Ein solches "Haus" entstand 1350 an der Stelle, an der heute Hohenstein liegt. Auftraggeber war der Komtur von Osterode, Günther von Hohenstein, nach dem später die Stadt benannt wurde, die sich um den befestigten Stützpunkt herum entwickelt hatte. Schriftlich erwähnt wird Hohenstein erstmals 1359. Das "Haus" baute der Orden zu einer Burg aus.
In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt und mit ihr die Burg mehrmals zerstört. Ende des 18. Jahrhunderts befand sich die Burg in einem so jämmerlichen Zustand, dass sie teilweise abgerissen werden musste. Auf ihren mittelalterlichen Grundmauern errichteten die Hohensteiner in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Gymnasium im neogotischen Stil, dessen bekanntester Schüler der Bakteriologe und Serologe Emil von Behring (1854-1917) war. Er arbeitete an der Berliner Charité und entwickelte ein aus Blutserum hergestelltes Medikament gegen Diphterie und Wundstarrkramp (Tetanus). Für seine Verdienste auf dem Gebiet der Medizin erhielt er 1901 als erster Wissenschaftler  den "Nobelpreis für Physiologie oder Medizin".

Die Ordensburg von Hohenstein (Olsztynek)
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand auf den Fundamenten der Ordensburg ein Gymnasium.

Das "Tannenberg-Denkmal"

Ganz in der Nähe von Hohenstein tobte am 15. Juli 1410 die Schlacht bei Tannenberg, in der das Heer des Deutschen Ordens unter Führung von Hochmeister Ulrich von Jungningen auf eine gemeinsame polnisch-litauische Streitmacht stieß und den Kampf verlor. Als im 19. Jahrhundert das Nationalbewusstsein der Völker in Europa erwachte, entwickelte sich die Niederlage von 1410 auf deutscher Seite zu einer Schmach, die es galt wettzumachen. Die Gelegenheit bot sich während des Ersten Weltkrieges (1914-1918), als das kaiserliche Heer im August des ersten Kriegsjahres unter der Führung von General Paul von Hindenburg und Generalmajor Erich Ludendorff die in Ostpreußen eingedrungenen russischen Truppen zurückdrängen konnte. Ludendorff kam auf die Idee, die Schlacht in Anspielung auf 1410 in "Schlacht bei Tannenberg" umzubenennen. Es entwickelte sich der Tannenberg-Mythos, und die damalige Provinz Ostpreußen, in der Masuren lag, wurde zum Bollwerk gegen die Slawen stilisiert.
Vor diesem Hintergrund entstand zwischen 1924 und 1927 am Rande von Hohenstein das "Tannenberg-Nationaldenkmal", in dem die Nationalsozialisten 1934 Hindenburg beisetzten. Mit der Eröffnung des Denkmals setzte ein Massenansturm ein, der sich in den 1930er Jahren noch verstärkte. NS-Massenorganisationen wie die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel (BDM) organisierten Gruppenfahrten hierher. Um den Ansturm zu bewältigen, gründeten die Hohensteiner die Verkehrsgesellschaft Tannenberg m.b.H., die eine Jugendherberge mit 226 Betten und das Gasthaus "Tannenbergkrug" unterhielt.
Vermutlich hing auch die Verlegung des Feilichtmuseums von Königsberg nach Hohenstein mit dem Massenansturm zusammen. Die Nationalsozialisten wollten den Besuchern des Tannenberg-Denkmals mit dem Freilichtmuseum eine weitere Attraktion bieten.
Kurz bevor sowjetische Truppen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) Hohenstein erreichten, brachten die Deutschen den Leichnam Hindenburgs nach Westen und sprengten das Denkmal. Die Trümmer trugen polnische Soldaten in den 1950er Jahren ab. Heute kennzeichnet eine riesige mit Gebüsch überwucherte Mulde die Stelle, an der das Denkmal stand. Zwei Informationstafeln informieren über die Geschichte.

Der Erste Weltkrieg ging auch an Hohenstein nicht spurlos vorbei. Im August 1914 kam es in der Stadt zu Strapenkämpfen zwischen Russen und Deutschen, in deren Verlauf das Rathaus und fast 190 Gebäude zerstört wurden. Mit Unterstützung von Leipzig konnte die Stadt nach dem Ersten Weltkrieg wieder aufgebaut werden. Solche "Kriegspartnerschaften" mit Städten in Masuren waren nicht ungewöhnlich. So half Wien zum Beispiel beim Wiederaufbau von Ortelsburg (Szczytno), und Berlin-Charlottenburg übernahm eine Partnerschaft für Soldau (Działdowo).
Auch am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Hohenstein durch Kriegshandlungen teilweise zerstört. Zu erkennen ist das auf dem Markt, wo die Baulücken durch neue Häuser geschlossen worden sind.

Historisches Museum im Rathaus

Wer sich für die Geschichte des Tannenberg-Denkmals interessiert, dem sei ein Besuch des kleinen Museums im Rathaus von Hohenstein (Olsztynek) empfohlen. Die mit multimedialen Elementen interessant gestaltete Ausstellung informiert auch über das Kriegsgefangenenlager Stalag I b Hohenstein, in dem Deutsche zwischen 1939 und 1945 etwa 55.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Frankreich, Italien, Belgien und Polen umgebracht haben. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Museum für volkstümliche Baukunst (Muzeum Budownictwa Ludowego), Leśna 23
  • Ordensburg, heute eine Schule, Zamkowa 6
  • ehemalige evangelische Kirche, Rynek 4
  • Rathaus mit historischem Museum, ul. Ratusz 1
  • Tannenberg-Denkmal, ul. Tannenberg

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Karte

Landkarte von Polen mit Hohenstein (Olsztynek)

Wetter

Hohenstein (Olsztynek), Polen17.09.2019 – 14:43 Uhr
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Sehenswürdigkeit

Museum für volkstümliche Baukunst (Muzeum Budownictwa Ludowego)
Leśna 23
11-015 Olsztynek
Tel.: +48 89 5192164
E-Mail: mbl@muzeumolsztynek.com.pl
Internet: muzeumolsztynek.com.pl
Geodaten: 53.590327, 20.289464

Öffnungszeiten:

1. Mai - 30. September
Mo geschlossen
Di - So 09.00 - 17.00 Uhr

Touristeninformation

Informacja Turystyczna
Ratusz 1
11-015 Olsztynek
Tel.: +48 89 5195477
Internet: olsztynek.pl


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