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Museum für volkstümliche Baukunst (Muzeum Budownictwa Ludowego) in Hohenstein, Polen

Das Museum für volkstümliche Baukunst (Muzeum Budownictwa Ludowego) in Hohenstein (Olsztynek) gehört zu den größten in Polen. Besichtigt werden können 76 historische Gebäude aus der Zeit vor 1900.

Bauernhaus aus Bordehnen (Burdajny) im Freilichtmuseum der volkstümlichen Baukunst in HohensteinPolen Fotos
Das Bauernhaus stammt aus Bordehnen (Burdajny) in der Nähe von Elbing. Auffallend ist die Vorlaube, die von fünf verzierten Säulen aus Holz getragen wird. Fotos: Frank Hilbert

Von Königsstein nach Hohenstein

Königsberg (heute Kaliningrad) war die Hauptstadt Ostpreußens und liegt ungefähr 160 Kilometer nördlich von Hohenstein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Königsberger Wissenschaftler auf die Idee, ein Fleilichtmuseum für volkstümliche Baukunst zu eröffnen. Richard Dethlefes, Provinzialkonservator von Ostpreußen, und Adalbert Bezzenberger, Direktor des Prussia-Museums, gehörten zu der Gruppe. Es entstand zwischen 1911 und 1913 auf einem Grundstück neben dem Zoologischen Garten und umfasste 26 Nachbauten von Häusern aus verschiedenen Regionen Ostpreußens aus dem 19. Jahrhundert. Eröffnet wurde es 1913 unter dem Namen Ostpreußisches Heimatmuseum. Zu seinem ersten Direktor wurde Richard Dethlefes ernannt.
Zwischen 1938 und 1943 zog das Freilichtmuseum nach Hohenstein um. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen reichte die Größe des Grundstücks in Königsberg für die Errichtung weiterer Gebäude nicht mehr aus, zum anderen wollten die Nationalsozialisten den Besuchern des Tannenberg-Denkmals in Hohenstein, wo der einstige Reichskanzler und Feldmarschall Paul von Hindenburg seine letzte Ruhestätte gefunden hatte, eine weitere Attraktion bieten. Die Arbeiten begannen am 29. März 1939. Auch mithilfe von französischen Kriegsgefangenen aus dem nahegelegenen Stalag I b Hohenstein konnten bis 1943 noch 17 Gebäude auf dem neuen Museumsgelände errichtet werden.

Einblick in die traditionelle Lebensweise

Zwar wurde das Freilichtmuseum 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, nicht durch Kriegshandlungen in Mitleidenschaft gezogen. Aber es kümmerte sich niemand um das Gelände. Es war verwaist. Hohenstein war im Zuge des Potsdamer Abkommens unter polnische Verwaltung gestellt worden. Polen zogen in die von den deutschen Einwohnern verlassene Stadt. Sie nutzten Gebäude auf dem Museumsgelände und ließen ihr Vieh auf dem Rasenflächen weiden. Eine litauische Fischerhütte und ein litauischer Bauernhof wurden zerstört. Um weitere Zerstörungen zu verhindern, stellte der Denkmalkonservator der Wojewodschaft einen Wärter ein, der das Gelände bewachte. Die Zukunft blieb jedoch ungeklärt. Erst 1957 erhielt das Museum eine Perspektive, als Franciszek Klonowski, ein Ethnograph, einen Entwicklungsplan ausarbeitete und den Druckauftrag für den ersten Museumsführer erteilte, der 1958 erschien.
Seitdem hat das Museum seine Sammlung systematisch um weitere Gebäude erweitert. Das erste Haus, das nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hohenstein kam, war ein masurisches Bauernhaus aus dem Dorf Gansen (Gązwa) im Landkreis Sensburg (Mrągowo). Es stammt aus der Zeit um 1800. Inzwischen sind es 76 historische Gebäude, die auf dem etwa 35 ha großen Gelände stehen. Es sind entweder Gebäude, die an anderer Stelle ab- und hier wieder aufgebaut wurden, oder originalgetreue Nachbauten: Sakralbauten (darunter eine hölzerne Kirche), Wohnhäuser mit Wirtschaftsgebäuden, aber auch Wind- und Wassermühlen, eine Ölmühle, eine Schmiede, eine Töpferei, Räuchereien und Speicher. Sie stammen aus dem Samland, dem Weichselland oder Ermland und Masuren und gewähren den Besuchern einen Einblick in die traditionelle Lebensweise der Menschen in der damaligen Zeit. Heute trägt das Freilichtmuseum den Namen "Museum für volkstümliche Baukunst".

Stockrosen vor einem hölzernen Bauernhaus im Freilichtmuseum Hohenstein
Stockrosen vor einem Bauernhaus, das ursprünglich in Gansen (Gązwa) stand und um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert errichtet worden ist. Erbaut wurde es aus Kiefernholz in Blockbohlenbauweise. Das Satteldach ist mit Reet gedeckt.

Mrongovius - Verfechter der masurischen Kultur

Zum Museum gehören auch zwei Gebäude in der Hohensteiner Altstadt: Die ehemalige evangelische Kirche und das "Dom Mrongowiusza" (Mrongowiusz-Haus), ein mittelalterlicher Wehrturm, den die evangelische Kirche 1648 übernommen und zu einer Schule umgebaut hat. Im Parterre befand sich die Schule und im ersten Stock die Wohnung des Lehrers, der gleichzeitig Pastor in der evangelischen Kirche gleich nebenan war. Zwischen 1761 und 1767 bekleidete diese Stelle Bartłomiej Mrongowiusz. Am 19. Juli 1764 wurde er Vater eines Sohnes, dem er den Namen Christoph Cölestin gab. Christoph Cölestin Mrongovius (poln. Krzysztof Celestyn Mrongowiusz) wurde ebenfalls Pastor und zudem ein engagierter Verfechter der masurischen Kultur. Ihm zu Ehren wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die masurische Stadt Sensburg in Mrągowo umbenannt. Mrongowiusz ist auch die Ausstellung im ehemaligen Wehrturm gewidmet. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten hier Privatleute, die in den 1970er Jahren ausgewandert sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es Masuren waren, die als Spätaussiedler nach Deutschland übersiedelten.
Die evangelische Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und gilt neben der Burg als das älteste Gebäude der Stadt. Sie beherbergt ebenfalls eine Ausstellung.

Informationen für Besucher

Das Museum für volkstümliche Baukunst befindet sich im Nordosten von Hohenstein, rund eineinhalb Kilometer vom Markplatz entfernt. Zu Fuß ist es in einer viertel Stunde zu erreichen. Mit dem Auto sind es vier Minuten. Es gibt einen Parkplatz.

Das Museum liegt in einer landschaftlich reizvollen Gegend. Besucher sollten mindestens einen halben Tag für die Besichtigung einplanen. Viele Familien reisen mit Picknickkörben an. Es gibt aber auch ein Restaurant mit regionaler Küche, das im Nachbau eines Gasthauses aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert untergebracht ist. Das Original stand in Barten (Barciany) im Landkreis Rastenburg (Kętrzyn). (fh)

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Sehenswürdigkeit

Museum für volkstümliche Baukunst (Muzeum Budownictwa Ludowego)
Leśna 23
11-015 Olsztynek
Tel.: +48 89 5192164
E-Mail: mbl@muzeumolsztynek.com.pl
Internet: muzeumolsztynek.com.pl
Geodaten: 53.590327, 20.289464

Öffnungszeiten:

1. Mai - 30. September
Mo geschlossen
Di - So 09.00 - 17.00 Uhr


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