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Groß Medunischken (Mieduniszki Wielkie), Masuren

Groß Medunischken (Mieduniszki Wielkie) liegt am Flüsschen Angerapp im nördlichen Masuren, nicht weit von der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg). In dem kleinen Dorf steht die Ruine eines neobarocken Gutshauses der Familie von Altenstadt.

Der Haupteingang des neobarocken Gutshauses in Groß MedunischkenPolen Fotos
Die Reste der Treppe, die zum Haupteingang des neobarocken Schlosses hinaufführten. Foto: Frank Hilbert

Hier, nur wenige hundert Meter von der russischen Grenze entfernt, scheint die Zeit im 19. Jahrhundert stehengeblieben zu sein. Das Kopfsteinpflaster der Chaussee, die nach Groß Medunischken (Mieduniszki Wielkie) führt, wölbt sich in der Fahrbahnmitte zu einem Buckel und ist an vielen Stellen abgesackt. Gras spriest zwischen den Pflastersteinen, so selten fahren Autos auf ihr entlang. Alte Bäume säumen sie und spenden mit ihren ausladenden Kronen Schatten. Links und rechts erstrecken sich wogende Kornfelder, deren Pracht im Kontrast zu der von der Sommerhitze ausgedorrten Erde steht. Laufend piept mein Samrtphone, weil es sich in russische Mobilfunknetze ein- und wieder ausloggt. Als wir den Ortseingang von Groß Meduschniken erreichen, überquert die Straße das Flüsschen Angerapp (Węgorapa), das gemächlich durch die masurische Landschaft in Richtung Russland fließt. Unzählige Seerosenblätter schwimmen unterhalb der Brücke und leuchten in einem frischen Grün in der Sonne. Der Name Groß Medunischken täuscht. Auf beiden Seiten der Dorfstraße stehen nur eine Hand voll Wohnhäuser.

Groß Medunischken liegt in Masuren, in der frühreren Provinz Ostpreußen und gehörte zum Bezirk Angerapp. Besonders sehenswert ist das 2003 abgebrannte Gutshaus, das bis 1945 der Familie Schmidt von Altenstadt gehörte, zwar nicht. Aber es lohnt sich, einen Blick auf die Geschichte des Gutes zu werfen, die bis in das 15. und 16. Jahrhundert zurückreicht. Damals wurde es von den Grafen von Schlieben verwaltet. Später war es ein Teil des Gutskomplexes Beynuhnen, einem Ort, der inzwischen auf der russischen Seite liegt und Uljanowskoje heißt.
Das Gutshaus in Groß Medunischken wurde 1780 aus Backstein errichtet. 1793 kaufte es der Kriegsrat Friedrich Wilhelm von Fahrenheid (1747–1834), der es jedoch von Klein Beynuhnen aus verwaltete, wo die Adelsfamilie im 19. Jahrhundert Vollblutpferde züchtete und sich ein prachtvolles neoklassizistisches Schloss für ihre umfangreiche Kunstsammlung errichten ließ. Bekannt geworden sind die Fahrenheids durch ihre Familiengruft, die Masurische Pyramide, die nur fünf Kilometer von Groß Medunischken entfernt in Angerapp (Rapa, Kleinangerapp) steht. Gebaut haben sie ihre Familiengruft nach dem Vorbild ägyptischer Pyramiden. Das spezielle Raumklima in ihrem Inneren führte zur einer natürlichen Leichenkonservierung (Mumifikation).
In den Besitz der Altenstadts gelangte das Gut durch Änderungen in der Erbfolge. Zunächst hinterließ Friedrich Heinrich Johann von Fahrenheid im Jahr 1849 Groß Medunischken seiner Tochter Friederike Charlotte, einer verheirateten von Bujack. 1904 vererbte es wiederum Charlottes Enkel, Philipp von Bujack, seiner Tochter Anna, die mit Generalmajor Eduard Schmidt von Altenstadt (1836–1925) vermählt war.

Seerosen auf dem Fluss Angerapp am Rande des Dorfes Groß Medunischken
Seerosen auf dem Fluss Angerapp.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts verlief sehr turbulent in Groß Medunischken. Im Dezember 1914 brannte das Gutshaus ab, wurde anschließend im neobarocken Stil wieder errichtet und 1922 als Folge eines Kaminbrandes erneut ein Opfer der Flammen. Anschließend bauten die Altenstadts das Schloss originalgetreu wieder auf. Als sich während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) die Ostfront gefährlich näherte, verließ die Familie ihr Gut im Oktober 1944 und flüchtete nach Westen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in der Provinz Ostpreußen, zu der Masuren gehörte, hunderte Orte umbenannt, weil ihre litauischen, pruzzischen oder masurischen Namen zu fremdländisch klangen. Auch Medunischken klang den Nationalsozialisen nicht "arisch" genug, und sie gaben dem Ort den Namen Großmedien.

Seit 1945 gehört Groß Meduschniken zu Polen und heißt Mieduniszki Wielkie. In das Gutshaus zog eine polnische Jugendorganisation ein, bevor es 1973 ein Staatsgut übernahm und Büros und Wohnungen darin einrichtete. Nach der politischen Wende in Polen, in deren Verlauf die Kommunisten ihre Macht verloren, stand es jahrelang leer und verfiel zusehends. Erst 2001 fand sich ein Investor, der es kaufte, um es in eine Pension umzugestalten. Bevor er jedoch seine Pläne umsetzen konnte, brannte es 2004 ab. Nur den rechten Flügel schützt noch ein Dach. Über dem mittleren Teil und dem linken Flügel ist der Dachstuhl eingestürzt und hat die Zwischendecken und Treppen mit in die Tiefe gerissen. Der kleine Park vor dem Schloss ist im Laufe der Jahre völlig zugewuchert, sodass man zum Schloss nur auf schmalen Trampelpfaden gelangt. Auch die Wirtschaftgebäude, die zum Gut gehörten, werden nicht mehr genutzt und verfallen. (fh)

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Landkarte von Polen mit Groß Meduschniken (Mieduniszki Wielkie)

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Groß Medunischken (Mieduniszki Wielkie), Polen17.02.2020 – 13:19 Uhr
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