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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Goldap (Gołdap)

Goldap (Gołdap) ist ein Kurort im Nordosten von Polen. Durch seine Lage am Goldaper See und am Rande der landschaftlich sehr reizvollen Rominter Heide ist Goldap wie geschaffen für Erholungssuchende.

Der Marktplatz von Goldap mit einer Sonnenuhr und BäumenPolen Fotos
Der Marktplatz von Goldap.

Der Marktplatz ist großzügig angelegt, mit einem kleinen See und Wasserspielen, über den sich eine Brücke spannt, Bäumen und Bänken, die zum Verweilen einladen. Ringsherum stehen schmucke Häuser, von denen nur wenige älter als einhundert Jahre sind, zum Beispiel das Magistratsgebäude in der Nordostecke gehört dazu.
Überhaupt hinterlässt die Stadt bei seinen Besuchern einen sehr gepflegten Eindruck. Sie liegt am Rande der Rominter Heide und wurde nach dem Fluss Goldap benannt, der den gleichnamigen See im Nordosten der Stadt durchfließt. Hier stehen ein Sanatorium, eine Trinkhalle und seit 2014 ein Gradierwerk. Behandelt werden verschiedene Bewegungskrankheiten. Wegen seiner besonderen Eignung für medizinische Therapien wurde Goldap im Jahr 2000 der Status eines Kurortes zuerkannt. Damit ist Goldap der einzige Kurort in Masuren.
Die einzigartige und abwechslungsreiche Landschaft der nahegelegenen Rominter Heide bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten für Wanderer und Radfahrer. Auf dem Goldaper See kann man Segeln oder angeln oder auf einem Ausflugsdampfer die Seele baumeln lassen. An mehreren Badestellen können die Erholungssuchenden im Sommer das kühle Nass genießen und sonnenbaden.

Goldap wurde 1565 auf dem damaligen Gebiet des Herzogtums Preußen, das 1525 aus dem Restgebiet des Deutschordensstaates hervorgegangen und dessen Hauptstadt Königsberg war, gegründet und erhielt am 15. Mai 1570 von Herzog Albrecht Friedrich die Handfeste nach Kulmer Recht. Zunächst trug das Stadtwappen ein "S" für den polnischen König Sigismund, der zu dieser Zeit Lehnsherr des Herzogtums Preußen war. Erst nachdem 1657 die Lehnshoheit aufgehoben worden war, wurde das "S" durch ein "F" ersetzt, das für den preußischen Herrscher Friedrich stand. Inzwischen ziert wieder das "S" die Brust des Adlers im Goldaper Wappen.
Das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt bildeten Handwerker und Bierbrauer. Später kam der Handel hinzu. Auf dem drei Hektar großen Marktplatz wurden regelmäßig die größten Vieh- und Pferdemärkte in Ostpreußen, wie seit dem 18. Jahrhundert der östliche Teil Preußens genannt wurde, abgehalten. An Bedeutung gewann die Stadt, als sie der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) 1718 zur Garnisonsstadt machte, in die 1741 das Regiment der „Schwarzen Husaren“ einzog. Diesen Namen erhielten Sie wegen ihrer Bekleidung, einer mit weißen Bändern geschnürten Jacke, dem Dolman, den sie trugen. Offiziell bildeten sie das altpreußische Husaren-Regiment No. 5. Zwischen 1763 unf 1768 war Friedrich Lossow, mit dem der Philosoph Emanuel Kant befreundet war, der Garnisonschef. Um sich mit seinem Freund zu treffen, besuchte Kant die Stadt. Es war die weiteste Reise, die der Philosoph jemals unternommen hat. 1997 enthüllten die Goldaper ein schlichtes Denkmal zu Ehren des Philosophen in ihrer Stadt ein.

Einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Goldap, als die Stadt 1879 durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie zwischen Insterburg und Lyck an die Bahn angeschlossen wurde. 1807 folgte die Bahnlinie zwischen Goldap und Stallupönen, die nördlich der Rominter Heide verlief, die wiederum durch die 1927 durch die südlich der Rominter Heide verlaufende sogenannte "Kaiserbahn" Goldap-Szittkehmen ergänzt wurde. Damit war die Eisenbahn in der sonst strukturschwachen Region ein bedeutender Arbeitgeber. Für die Menschen in der Umgebung brachte sie zudem viele Erleichterungen. Sie konnten mit der Bahn zur Arbeit oder in die Schule pendeln, und Bauern bot sie die Möglichkeit, ihre Waren bequem zu den Wochenmarkt zu transportieren. Neben der Eisenbahn gab es im Jahr 1900 in Goldap noch eine Mühle, zwei Brauereien, zwei Brennereien, zwei Ziegeleien, zwei Druckereien und drei Sägewerke, die das Holz aus der umliegenden waldreichen Rominter Heide verarbeiteten. Ebenfalls 1900 wurde ein Gasanstalt gebaut und fünf Jahre später Wasserleitungen verlegt und ein Wasserturm errichtet, der heute zwar nicht mehr in Betrieb ist, dafür aber als Aussichtsturm dient und im oberen Teil, dort, wo sich früher der Wasserbehälter befand, ein Café mit Rundumblick beherbergt.

Badestelle und Anleger am Goldaper See
Badestelle und Anleger am Goldaper See neben der Trinkhalle des Kurviertels.

Das Herzogtum Preußen und später Ostpreußen grenzten an Rußland, Litauen und Polen. Es kam immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn, in die auch Goldap hineingezogen wurde. 1657 zum Beispiel fielen die Tataren ein, brannten die Stadt nieder und verschleppten zahlreiche Bürger. Den Bürgermeister sollen die Tataren auf dem Marktplatz bei lebendigen Leibe am Spieß gebraten haben.
1914 brach der Erste Weltkrieg aus und russische Truppen besetzten große Teile der Provinz und Goldap. Bei den Kämpfen wurde über 200 Häuser zerstört. Schon zuvor haben deutsche Pioniere die Eisenbahnbrücken in der Umgebung gesprengt, um den Vormarsch der Russen zu erschweren. Für die ostpreußische Provinz war das Jahr 1914 ein Inferno, hunderttausende Menschen waren auf der Flucht, viele Städte lagen – wie Goldap – in Schutz und Asche. Nach dem Krieg starteten die Deutschen das "Wiederaufbauprogramm Ostpreußen". Um die Kosten zu senken, entwarfen Architekten Standardhäuser, die sich an die traditionelle Architektur Ostpreußens orientierten. In Goldap zum Beispiel wurden etliche "Kleinbürgerhäuschen" von Franz Hoyer gebaut. Die Patenschaft für den Wiederaufbau, mit der auch eine finanzielle Unterstützung verbunden war, übernahm Braunschweig. 
Noch folgenreicher war der Zweite Weltkrieg. Als sich die Rote Armee im Herbst 1944 von Osten her der Stadt näherte, wurden die Einwohner evakuiert. Schon am Tag darauf, am 22. Oktober, marschierten sowjetische Soldaten in die Stadt ein. Jedoch gelang es der Wehrmacht, Goldap am 15. November zurückzuerobern. Nur wenige Tage nach Beginn der Winteroffensive am 12. Januar besetzten sowjetische Soldaten erneut Goldap. Der Krieg endete am 8. Mai 1945 mit der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Als Ergebnis gelangte der Norden Ostpreußen an die damalige Sowjetunion (heute Russland). Der südliche mit Goldap und dem südlichen Teil der Rominter Heide wurde unter polnische Verwaltung gestellt. Nur wenige Kilometer von Goldap entfernt verläuft seitdem die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. 90 Prozent der Stadt waren zerstört, und die wenigen noch in der Stadt lebenden Deutschen wurden vertrieben.

Ihre Geschichte reichte wiederum bis in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Königreich Preußen wütete zwischen 1708 und 1714 eine Pestepidemie, der tausende Menschen zum Opfer fielen. In Goldap starben allein im Jahr 1710 rund 700 Einwohner. Um die Epidemie einzudämmen, wurde das Königreich abgeriegelt und Königsberg isoliert. Nach dem Ende der "Großen Pest", wie die Pestepidemie auch genannt wird, holte Preußen Siedler aus Pommern, Brandenburg, der Pfalz, dem Herzogtum Nassau, der Schweiz, Salzburg und Litauen in das entvölkerte Land.

Ihren Nachfahren folgten 1945 Polen. Sie bauten die zerstörte Stadt wieder auf, aber nicht originalgetreu wie zum Beispiel die Innenstädte von Danzig (Gdańsk) oder Breslau (Wrocław). Zu den wenigen Ausnahmen gehörte die ehemalige evangelische Alte Kirche gleich neben dem Marktplatz. Der 1944 zerstörte Kirchenbau stammte aus dem Jahr 1627 und bestand aus Ziegel- und Feldsteinen. In seinem massiven Turm mit Staffelgiebel hingen zwei Glocken, die in den Jahren 1635 und 1705 gegossen worden waren. Im Nachkriegspolen begann ihr Wiederaufbau in den frühen 1980er Jahren und konnte 1984 mit der Weihung als römisch-katholische Kirche abgeschlossen werden. Wer sich für die Geschichte interessiert, dem sei das Museum für Regionalgeschichte empfohlen (Izba Regionalne Muzeum Ziemi Gołdapskiej im. M. Ratasiewicza). (fh)

Sehenswürdigkeiten in Goldap

  • Alte Kirche (heute Marienkirche), ehemals evangelische Kirche aus dem Jahr 1627 wurde 1944 zerstört und zu Beginn der 1980er Jahre wiederaufgebaut, seit 1980 katholisch, Adresse: Żeromskiego 2, Geodaten: 54.30967239652935, 22.303371508212262
  • Wasserturm, 1905 errichtet, Aussichtsplattform und Café, Adresse: ul. Paderewskiego 35, Geodaten: 54.30828688888091,22.313075740428143
  • Gradierwerk, 2014 errichtet, Teil der Kuranlagen am Goldaper See, Adresse: promenada Zdrojowa 20, Geodaten: 54.32704471155594, 22.333009917826825
  • Trinkhalle am Goldaper See, Adresse: promenada Zdrojowa 20, Geodaten: 54.3278543082012,22.33262367972868
  • Museum für Regionalgeschichte (Izba Regionalne Muzeum Ziemi Gołdapskiej im. M. Ratasiewicza), Adresse: ul. Partyzantów 31, Geodaten: 54.3058081,22.2971314
  • Emanuel-Kant-Denkmal, ein schlichtes aus drei Granitblöcken bestehendes Denkmal, das 1997 enthüllt wurde, Adresse: ul. Lipowa (nur wenige Meter von der Alten Kirche entfernt), Geodaten: 54.309702, 22.304880
  • Lager Robinson, Reste des militärischen Komplexes des deutschen Oberkommandos der Luftwaffe (OKL) während des Zweiten Weltkriegs mit einem Gedenkstein für den Generaloberst der Luftwaffe Hans Jeschonnek, der sich am 18. August 1943 im OKL das Leben genommen hat, nachdem die Allierten in den beiden Tagen zuvor die Heeresversuchsanstalt Peenemünde und die Erprobungsstelle der Luftwaffe „Peenemünde-West“ erfolgreich bombardiert hatten (Operation Hydra). Geodaten: 54.337941, 22.324271

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Touristeninformation (Centrum Informacji Turystycznej w Gołdapi)
plac Zwycięstwa 16
19-500 Gołdap
Tel.: +48 87 6152090
Internet: uzdrowiskogoldap.pl/


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