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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Schloss in Eichmedien (Nakomiady) in Masuren, Polen

In Eichmedien (Nakomiady) steht ein barockes Schloss aus dem 17. Jahrhundert. Nach der politischen Wende in Polen 1989 verfiel es. Ein Warschauer rettete es vor dem endgültigen Verfall, indem er es aufwendig restaurierte.

Schloss in Eichmedien (Nakomiady) in MasurenPolen Fotos
Die dem Park zugewandte Seite des Schlosses. Fotos: Frank Hilbert

Der Gemüsegarten gleicht einem französischer Garten. Die Beete sind symmetrisch angelegt und durch niedrige, sorgfältig gestutzte Hecken voneinander getrennt. Kleine Täfelchen aus Porzellan mit kobaltfarbener Aufschrift verraten, welche Gemüsesorten hier wachsen. Eine Frau in einer grünen Latzhose jätet Unkraut und harkt die Wege. Als ich den Gemüsegarten lobe, erstrahlt ein Lächeln in ihrem Gesicht. Sie ist sichtlich stolz auf das Ergebnis ihrer Arbeit, das in der nahe gelegenen Schloss- und Hotelküche verarbeitet wird.

Eichmedien - ein Geschenk von Kurfürst Friedrich Wilhelm

Die Geschichte von Eichmedien reicht bis in das Mittelalter zurück und ist eng mit der des Deutschen Ordens verknüpft. Komtur Konrad Kyburg gründete Eichmedien zwischen 1392 und 1396 als Zinsdorf. Zusammen mit dem Dorf Budzisken bildete es das Vorwerk Eichmedien, das nach der Sekularisierung des Ordensstaates 1525 in eine Staatsdomäne umgewandelt wurde.
Zu Beginn des 17. Jahrhundert brauchte Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg und Herzog von Preußen, dringend Geld für den Aufbau eines stehendes Heeres. Eine lukrative Einnahmequelle war die Verpachtung von Domänen an Adlige. So ging die Domäne Eichmedien 1642 für 2000 Mark jährlich an Johann von Hoverbeck, der dem Kurfürsten zu dieser Zeit als Diplomat diente. Als solcher vertrat er die preußischen Interessen in Warschau und war später, im Jahr 1657, an der Ausarbeitung des Vertrages von Wehlau beteiligt, in dem der polnische König auf die Lehnshoheit über das Herzogtum Preußen verzichtete. Für Wilhelm war es ein diplomatischer Sieg, der ihm die volle Souveränität über das Herzogtum Preußen brachte. Dankbar gegenüber Hoverbeck zeigte er sich, indem er ihm für dessen Verdienste 1657 Eichmedien und obendrauf das Dorf Barranowen schenkte.
Nach der Schenkung begannen die Hoverbecks sofort mit der Errichtung eines neuen Schlosses, das sie zwischen 1704 und 1706 noch einmal nach Plänen des Warschauer Architekten Józef Piola im Stil des niederländischen Barock umbauen ließen. So erhielt es sein heutiges Aussehen, das durch eine strenge Symmetrie gekennzeichnet ist und an einen klassizistischen Bau erinnert. Es hat einen rechteckigen Grundriss, trägt ein wuchtiges Walmdach und steht auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Vorgängerbaus.
1789 verkaufte die Familie Hoverbeck das Schloss an Friedrich Redecker. Der neue Eigentümer konzentrierte sich auf die Viehzucht und probierten neue Feldfrüchte aus. Eichmedien gehörte zu den ersten landwirtschaftlichen Betrieben in Masuren, die Raps und Zuckerrüben anbauten, die die Redeckers an die Zuckerfabrik im nahen Rastenburg verkauften. Durch die Wirtschaftskrisen nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) geriet der Betrieb jedoch in eine wirtschaftliche Schieflage und musste 1930 zwangsweise verkauft werden. Der neue Eigentümer hieß Paul Gerhard Goertz.
Die Familie Redecker blieb jedoch in Eichmedien als Verwalter ihres früheren Besitzes. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) verließen sie Masuren. Seit 1945 gehört Eichmedien zu Polen und heißt Nakomiady.

Schlosspark in Eichmedien (Nakomiady)
Der sorgfältig gepflegte Schlosspark mit seinen alten Bäumen.

Im sozialistischen Polen gehörte das Schloss einem landwirtschaftlichen Staatsbetrieb, der nach der politischen Wende 1989 geschlossen wurde. Etliche ungenutzte Stallgebäude für die Massentierhaltung, in deren Dächern große Löcher klaffen, sind immer noch stumme Zeugen dieser Zeit. Als der Staatsbetrieb noch arbeitete, beherbergte das Schloss Büros, eine Küche und Wohnungen für Angestellte. In den 1990er Jahren stand es leer und verfiel zusehends.
Den ersten Rettungsversuch startete die Familie Redecker, die das Gut 1930 verkaufen musste. Sie nahm Kontakt zur Gemeinde Nakomiady auf, um ein Konzept für die Sanierung und Nutzung des Schlosses zu erarbeiten. Alle Pläne scheiterten.
Die Rettung kam schließlich in Person eines Warschauers, der das Schloss 1998 kaufte und in zehnjähriger Arbeit aufwendig restaurierte. Zusammen mit seiner Frau betreibt er heute ein Hotel für Gäste mit gehobenen Ansprüchen. Entsprechend stilvoll sind die Zimmer eingerichtet. Ausgesuchte Antiquitäten, teure Tapeten und kunstvoll gestaltete Kachelöfen gehören zur Ausstattung. Der verwahrloste Schlosspark wurde unter Einbeziehung des alten Baumbestandes saniert und ist wieder ein Ort der Ruhe und Entspannung. Hier befindet sich auch die Grabstätte der Familie Redecker, eine kleine im neogotischen Stil errichtete Gruft aus der Zeit um 1900.

Die kleinen Porzellantäfelchen, die in den Beeten im Gemüsegarten stecken, und die Kachelöfen in den Hotelzimmern sind aus eigener Produktion. In einem Wirtschaftsgebäude am Eingang zum Schlossgelände befindet sich eine Keramikmanufaktur, die Nakomiady-Schloss-Manufaktur. Gäste dürfen einen Blick hineinwerfen und den Frauen bei der Arbeit über die Schultern gucken. Produziert werden hier Vasen, Kacheln, Porzellanlampen und aufwendig gestaltete Kachelöfen. (fh)

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