Polish Online
Polen: Übersetzungsdienst & Reiseinfos
Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

Hauptnavigation

Eckersberg (Okartowo) in Masuren

Eckersberg (Ortakowo) ist ein Dorf in Masuren, das zwischen dem Spirdingsee (Jezioro Sniardwy) und dem Tirklosee (Jezioro Tyrklo) liegt. Es gibt einen Campingplatz und eine Badestelle. Die Dorfkirche, ein weiß verputzter Kubus mit einem Glockenturm aus Holz, überrascht innen mit einer reichen Wandornamentik.

Hölzerner Glockenturm der Marienkirche in Eckersberg (Okartowo)Polen Fotos
Der hölzerner Glockenturm der Marienkirche. Fotos: Frank Hilbert

Siedlungspolitik des Deutschen Ordens

Eckersberg ist ein Beispiel für die zögerliche Siedlungspolitik des Deutschen Ordens in Masuren, für die es mehrere Gründe gab. Masuren war mit einem dichten Wald bedeckt, den die Bauern für die Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen erst hätten roden müssen. Der Boden war zudem karg und versprach nur geringe Ernteerträge. Hinzu kam die Grenzlage zu Polen und Litauen. Immer wieder kam es zu Scharmützeln auf beiden Seiten der Grenze. Es waren schlechte Voraussetzungen, um Siedler in die Region zu locken. Erfolg hatte der Orden erst im 15. Jahrhundert mit dem vermehrten Zustrom von Bauern und Handwerkern aus Masowien, die Polnisch sprachen.
Die zögerliche Siedlungspolitik bedeutete jedoch nicht, dass der Deutsche Orden im 14. Jahrhundert in Masuren untätig war und die Region sich selbst überließ. In Eckersberg ließ er zum Beispiel in der Mitte des 14. Jahrhunderts eine Burg als Sitz eines Pflegers errichten, die strategisch günstig auf einer Landzunge zwischen dem Spirdingsee und dem Tirkloseedie lag und Teil einer Burgenkette war. Die Befestigungen sollten auf der einen Seite litauische Angriffe abwehren und gleichzeitig als Basis für Feldzüge des Ordens ins Nachbarland dienen. 1361 zerstörte der litauische Fürst Kynstut (oder Kinstitute) jedoch die Burg. Die Ordensritter bauten sie zwar wieder auf. Aber die Litauer zerstörten sie 1378 erneut. Daraufhin zog sich der Orden zurück und engagierte sich erst wieder Ende des 15. Jahrhundert in Eckersberg. 1492 überließ Komtur Rudolf von Diepolskirchen einem Nikolaus Garnmeister das Land zu den Bedingungen des Kulmer Rechts. Es war die Dorfgründung.

Reformation in Masuren

Masuren blieb nach dem Thorner Frieden 1466 ein Teil des Ordensstaates, der 1525 säkularisiert wurde. Die Reformation hielt Einzug und die Masuren konvertierten zum evangelischen Glauben. Zentraler Bestandteil der evangelischen Liturgie ist die Predigt in der Muttersprache. In Masuren war es Polnisch, das sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem wichtigen Bindeglied zum evangelischen Glauben entwickelte. Dieses Bindeglied wurde ab den 1870er Jahren nach und nach zerstört. Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck verbot polnische Predigten und polnischsprachigen Unterricht an den Schulen, der in Masuren auf dem Land bis dahin Standard war. Einstellungsvoraussetzung für Lehrer und Pfarrer war bis zum Verbot, dass sie Polnisch konnten. Denn noch 1870 hatten bei einer Befragung rund 75 Prozent der Masuren Polnisch als Muttersprache angegeben.
Trotz der Schikanen waren und blieben die Masuren treue Untertanen. Sie fühlten sich als Preußen und nicht als Polen. Das zeigte sich auch bei der Abstimmung zum Verbleib Masurens im Deutschen Reich 1920. In Eckersberg gab es Niemanden, der für den Anschluss an Polen stimmte. Die Kirche blieb bis 1945 protestantisch.

Malereien in der Marienkirche in Eckersberg (Okartowo)
Das Kirchengestühl, die Emporen und das Orgelprospekt der Marienkirche sind aufwendig bemalt.

Reich verzierte Marienkirche

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914-1918) fielen zaristische Truppen in Ostpreußen ein. Es kam zu schweren Kämpfen, bei denen viele Ortschaften zerstört wurden. In Eckersberg hat die aus dem Jahr 1799 stammende Kirche durch Kriegseinflüsse stark gelitten. Zwischen 1922 und 1924 wurde sie wieder aufgebaut. Die Fassade ist einfach verputzt und weiß gestrichen. Der Glockenturm ist aus Holz. Innen ist die Kirche sehr sehenswert. Angelegt ist sie als dreischiffige Kirche. Die Seitenemporen, das Kirchengestühl und das Orgelprospekt sind aus Holz und sehr aufwendig mit stilisierten Pflanzenmotiven und religiösen Motiven bemalt, die von einem Königsberger Künstler stammen. Verarbeitet hat er die für Masuren typischen Faben blau und weiß, und ein rötlicher Ton fand Verwendung. Vergleichsweise schlicht gehalten sind der barocke Altar und die Orgel. Erhalten geblieben und besichtigt werden kann der aus deutscher Zeit stammende evangelische Friedhof.

Mitten in der Masurischen Seenplatte

Wenn Sie nach Eckersberg fahren, packen Sie unbedingt Badesachen ein. Das Dorf liegt zwischen dem Spirdingsee (Jezioro Sniardwy) und dem Tirklosee (Jezioro Tyrklo). Es gibt neben einem kleinen Campingplatz eine Badestelle, die man in nur fünf Minuten zu Fuß erreicht, wenn man von der Dorfkirche losgeht. Ein Spatziergang durch das Dorf lohnt sich ebenfalls. Es ist teilweise in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Häuser aus der Zeit, als hier noch Masuren lebten, sind erhalten geblieben.
Einen Kilometer nördlich befand sich am Ufer des Tirklosees ein von Menschen aufgeschütteter Hügel. Vermutlich handelte es sich um die Reste einer Befestigungsanlage der Pruzzen oder Jadwinga. Es könnte auch eine Grabstätte gewesen sein. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Hügel beim Bau von deutschen Verteidigungsanlagen zerstört.
Verschwunden sind auch die Reste der Ordensburg aus dem 14. Jahrhundert. An ihrer Stelle steht die Marienkirche. Im Pfarrgarten sollen noch bis 1945 Reste des Kellers und des Danskers zu finden gewesen sein. (fh)

Hotels

Booking.com

Karte

Landkarte von Polen mit Eckersberg (Okartowo)

Wetter

Lyck (Ełk), Polen23.03.2019 – 19:22 Uhr
Überwiegend bewölkt
LyckWetter Polen9.72 °CLuftfeuchte: 78%
Luftdruck: 1004 hPa
Windgeschwindigkeit: 5.47 m/s
(CC BY-SA 2.0: OpenWeatherMap)