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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Dubeningken (Dubeninki) in Masuren

Dubeninki ist ein Dorf am südlichen Rand der Rominter Heide. An Sehenswürdigkeiten gibt es hier eine Brücke der 1944 stillgelegten Eisenbahnstrecke zwischen Goldap (Gołdap) und Szittkehmen (Żytkiejmy), eine neogotische Kirche und einen Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918).

Die Neogotische Kirche Kościół św. Andrzeja Boboli in Dubeningken
Die neogotische Kirche in Dubeningken wurde 1904 geweiht. Bis 1945 war sie evangelisch, seitdem katholisch. Fotos: Frank Hilbert

Dubeningken wurde erst 1615 gegründet, in einer Region, die im Mittelalter zum Ordensstaat gehörte und nahe der Grenze zu Polen-Litauen lag. Man nannte sie auch die "Große Wildnis". Sie war dicht bewaldet und wurde immer wieder zum Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Dem Deutschen Orden gelang es nicht, Siedler zu finden, die sich in dieser unsicheren Gegend niederlassen wollten.
Natur gibt es hier immer noch im Überfluss. Nördlich von Dubeningken beginnt die Rominter Heide mit ihren ausgedehnten Wäldern und Heidelandschaften, die sich zu einem beliebten Ziel für Erholungssuchende entwickelt hat. Im Süden grenzt das Dorf an die Masurische Seenplatte. Der Jezioro Czarne (Schwarzer See), der Jezioro Przerośl (Loyer See) und der Jezioro Boczne befinden sich ganz in der Nähe. Trotz der Schönheit der Natur hat der Massentourismus hier noch nicht Einzug gehalten. Übernachtungsmöglichkeiten in und um Dubiningken herum findet man allerdings auch nur wenige. 

Die Rominter Heide machte der deutsche Kaiser Wilhelm II. am Ende des 19. Jahrhunderts zu seinem bevorzugten Jagdrevier ("Hofjagdrevier") und ließ sich hier sein luxuriöses Jagdschloss Rominten mit einer norwegischen Stabholzkirche, der Hubertuskapelle, errichten. Sie gehörte zur Kirchengemeinde Dubeningken und wurde vom Dubeningkener Pfarrer betreut. Dort, wo der Kaiser besonders prächtige Hirsche erlegte, wurden Gedenksteine aufgestellt. Einer steht sechs Kilometer nördlich des Ortes. Seine Inschrift informiert darüber, dass Seine Majestät Wilhelm II. im Jahr 1900 an dieser Stelle einen 24-Ender erlegt habe.
Seit 1945 liegt der nördliche Teil der Rominter Heide, wo sich heute die Ruinen des kaiserlichen Anwesens befinden, in Russland; der südliche gehört zu Polen. Die Staatsgrenze zwischen beiden Ländern verläuft nördlich von Dubeningken, in einer Entfernung von etwa sieben Kilometern.

Kaiser Wilhelm II. war es auch, der sich 1908 für den Bau einer einspurigen Bahnverbindung zwischen Goldap und Szittkehmen aussprach und den Leiter des Reichsbahnamtes, Paul von Breitenbach, ersuchte, "zur Ausführung dieses Projektes die geeigneten Schritte zu tun". Für das kleine Dubeningken ein Glücksfall, denn dadurch wurde es zu einer Bahnstation. Doch bis zur Inbetriebnahme der Strecke war es ein langer Weg. Wegen der hügeligen Landschaft waren viele Brücken notwendig, deren Bau viel Zeit kostete. 
Zu allem Überfluss brach 1914 der Erste Weltkrieg (1914 – 1918) aus. Die Bauarbeiten kamen zum Erliegen und konnten erst in den 1920er Jahren beendet werden. 1927 gab die Bahn den letzten von drei Streckenabschnitten für den Verkehr frei.
Lange verkehrten die Züge nicht zwischen Goldap und Szittkehmen. 1944, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, als sich die Ostfront immer weiter näherte, musste die Strecke stillgelegt werden. Nach dem Krieg demontierten sowjetische Soldaten die Bahngleise als Reparationsleistung. Bis heute wurde die Bahnstrecke nicht wieder reaktiviert.
Ein Überbleibsel sind zwei Eisenbahnbrücken mit je fünf unsymmetrisch angeordneten Bögen, die östlich von Dubeningken stehen. Sie sind 90 Meter lang und haben eine Bogenhöhe von 14 Metern. Die erste der beiden Brücken entstand 1912 und hat noch gemauerte Gewölbe. Eine zweite Brücke wurde nach 1916 im Auftrag des Militärs gebaut, das während des Ersten Weltkriegs eine zweispurige Strecke zwischen Westpreußen und Litauen plante, in die es die Strecke Goldap – Szittkehmen einbezog. Sie ist ein schmuckloser Betonbau ohne gemauerte Gewölbe, deren Enden nicht bis zum Damm reichen und in der Luft hängen. Bis heute, denn die Päne für den zweispurigen Streckenverlauf wurden nach dem Krieg wieder aufgegeben.
Erhalten geblieben ist auch das Bahnhofsgebäude in Dubeningken, das privat genutzt wird, genauso wie zwei identische Doppelwohnhäuser für Bahnbedienstete. Sie stehen in der ul. Kajka 8. Der Pflasterweg dorthin aus den 1920er Jahren ist ebenfalls noch vorhanden.

Grabkreuz auf dem Soldatenfriedhof bei Dubeningken (Dubeninki) in Masuren
Die Aufschrift auf dem Betonkreuz informiert darüber, dass hier zehn deutsche Soldaten des Grenadier-Regiments Nr. 3 liegen, die am 11. September 1914 gefallen sind. Zu dieser Zeit tobte die Schlacht an den Masurischen Seen, in der die russische Njemen-Armee vernichtend geschlagen wurde.

Ostpreußen war während des Ersten Weltkrieges Kampfgebiet. Damals grenzte die Provinz an Russland. Im August 1914 überschritten die russische Njmen-Armee im Nordosten und die Narew-Armee im Süden die Grenze und besetzten kurzzeitig fast zwei Drittel der Provinz. In der "Schlacht bei Tannenberg" (26. – 30. August) und der Schlacht an den Masurischen Seen (06. – 14. September) konnten die beiden russischen Armeen vernichtend geschlagen werden, sodass sie sich nach Russland zurückziehen mussten. Zwei Monate später, im November 1914, kam es zu einem zweiten russischen Vorstoß, in dessen Verlauf der östliche Teil Ostpreußens erneut besetzt wurde.
Auch in Dubeningken kam es zu Kämpfen, bei denen die erst 1904 an Stelle eines Vorgängerbaus errichtete neogotische Kirche beschädigt wurde. Ihre besonderen Merkmale sind ein versetzter Glockenturm und die Gestaltung des südlichen Seitenschiffes in Form von vier Giebelhäusern. Die Wandgemälde in ihrem Inneren stammten von den Brüdern Rudolf und Otto Linnemann aus Frankfurt am Main. Anscheinend wurden auch die Malereien im Krieg beschädigt und mussten erneuert werden. Die Arbeiten übernahm 1927 Professor Richard Pfeiffer von der Kunstakademie Königsberg. 
Die bei den Kampfhandlungen 1914 gefallenen deutschen und russischen Soldaten fanden auf einem kleinen Heldenfriedhof westlich des Ortes ihre letzte Ruhestätte. Insgesamt sind hier 167 Soldaten beerdigt, davon 114 Russen, deren Namen unbekannt sind. Ein Gedenkstein für die deutschen Gefallenen trägt die Inschrift:

Dubeninki 1914 – 1918. Diese Tapferen fielen in den Kämpfen um die Grenze von Ostpreussen Wirbalen – Gajewo 1914

Der Friedhof liegt auf einem Hügel an der heutigen der Wojewodschaftsstraße 651, zu dem eine steile Steintreppe hinaufführt und der von einer Steinmauer umgeben ist. Er besteht aus drei Teilen: einem mittleren in Form eines Rechtecks, wo sich die Gräber der deutschen Soldaten befinden, und zwei halbrunden Teilen links und rechts davon. Hier liegen die sterblichen Überreste der russischen Soldaten. Ein orthodoxes Kreuz und eine Steintafel mit der Inschrift "Russengräber 1914 – 1918. Sie erfüllten ihre Pflicht." ehrt die gefallenen feindlichen Soldaten.
Seit 1983 steht der Friedhof unter Denkmalschutz. In den Jahren 1992 bis 1994 wurde er aufwendig restauriert.

Für ihre gefallenen Söhne errichteten die Dubeninkener neben ihrer Kirche ein Denkmal aus Feldsteinen, auf dem sie die Namen der Gefallenen einmeißeln ließen. Ursprünglich krönte das Denkmal ein Eisernes Kreuz, das nach 1945 durch eine Marienstatue ersetzt wurde. Die deutsche Inschrift mit den Namen der Gefallenen ist noch vorhanden.

Die Nationalsozialisten, die von 1933 bis 1945 in Deutschland an der Macht waren, gaben in Ostpreußen hunderten Dörfern und Städten neue Namen, weil ihnen die litauisch, pruzzisch und polnisch klingenden Ortsbezeichnungen nicht Deutsch genug klangen. Dubeningken machte in dieser Beziehung keine Ausnahme. Zwischen 1938 und 1945 hieß das Dorf Dubeningen.
Seit 1945 gehört Dubeningken zu Polen und trägt den Namen Dubeninki. Die deutsche Bevölkerung, die protestantisch war, floh gegen Kriegsende oder wurde später vertrieben. Die neue polnische Bevölkerung war katholisch. Die evangelische Kirche gelangte in den Besitz der katholischen Kirche und heißt seitdem Kościół św. Andrzeja Boboli (Kirche des hl. Andreas Bobola). (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Neogotische Kirche Kościół św. Andrzeja Boboli (Kirche des hl. Andreas Bobola), erbaut zwischen 1903 und 1904, ul. Dębowa 10
  • Soldatenfriedhof mit Gräbern russischer und deutscher Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, westlich von Dubeningken an der Wojewodschaftsstraße (DW) 651, Geodaten: 54.286077, 22.551927
  • Bahnstation mit zwei Wohnhäusern für Bahnmitarbeiter, ul. Kajka 8
  • zwei Eisenbahnbrücken, erbaut 1912 und zwischen 1916 und 1918, östlich von Dubeningken, Geodaten: 54.295967, 22.582876
  • Überreste des evangelischen Friedhofs, östlich von Dubeningken an der Wojewodschaftsstraße (DW) 651, Geodaten: 54.288012, 22.571735
  • Gedenkstein in der Rominter Heide, der an den Abschuss eines 24-Enders durch den deutschen Kaiser Wilhelm II. erinnert, Geodaten: 54.339500, 22.557500 (Vorsicht! Grenzgebiet zu Russland.)
  • Gedenkstein in der Rominter Heide mit der Inschrift: "Weidmannsheil! Von dieser Kanzel erlegten Seine Majestät der Kaiser und König Wilhelm II. seinen 2000. Rothirsch, einen kapitalen Hirsch von ungerade 14 Enden am 28. September 2012.", Geodaten: 54.323800, 22.524254 (Vorischt! Grenzgebiet zu Russland.)
  • Gedenkstein in der Rominter Heide mit folgender Inschrift: „Von hier erlegten Seine Majestät der Keiser Wilhelm II. am 1 . Oktober 1904 auf der Abendprürsche einen kapitalen Hirsch von 28 Enden und stifteten zur Erinnerung daran am 3. November 1904 die St. Hubertus-Stiftung für die Forstbeamten der Rominter Heide." Geodaten: 54.324267, 22.535214 (Vorsicht! Grenzgebiet zu Russland.)

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