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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Bischofstein (Bisztynek) im Ermland, Polen

Die Kleinstadt Bischofstein (Bisztynek) mit ihren 2.500 Einwohnern liegt im Ermland, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. Heilsberg (Lidzbark Warmiński) ist auch nur einen Steinwurf entfernt. An Sehenswürdigkeiten gibt ein altes Stadttor, die Kirche St. Matthias und einen Findling, den "Griffstein".

Stadttor in Bischofstein (Bisztynek)
Im Mittelalter führten drei Tore in die Stadt. Nur das Heilsberger Tor ist erhalten geblieben. Foto: Frank Hilbert

An der Stadt wäre ich beinahe vorbeigefahren, wenn ich aus dem Auto heraus nicht dieses wuchtige, okkerfarbene Stadttor erblickt hätte. Mein Auto parke ich in der Nähe des Marktes, der menschenleer ist. Kein Wunder, denn die Sonne brennt an diesem Julitag unerbittlich von oben herab und alle - ob Menschen oder Tiere - haben sich schattige Plätzchen gesucht. Der Marktplatz ist großzügig angelegt. Prächtige Bäume wachsen auf ihm, eine Bank steht neben einer gepflegten Rasenfläche, ein Blumenmeer leuchtet rot in der Sonne. Auch zwischen den ein- und zweistöckigen Häusern drumherum grünt und blüht es. Die Baulücken sind die Narben des letzten Krieges, die immer noch nicht verheilt sind.

Bischofstein entwickelte sich aus dem Dorf Strowangen, einer Gründung des ermländischen Vogtes Bruno von Luter in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Der Name lässt darauf schließen, dass zu dieser Zeit hier immer noch überwiegend Pruzzen lebten. Bischof Heinrich III. Sorbom ließ das Dorf ausbauen und verlieh ihm 1385 das Stadtrecht. Der Name der Stadt geht auf den Gründer und einen Findling aus der Eiszeit zurück, den "Griffstein", der nordöstlich des Stadtzentrums liegt. Er ist acht Meter lang und sieben Meter breit.

Die älteste Kirche der Stadt steht nicht direkt am Markt, sondern liegt einige Meter weit entfernt von ihm. Im Jahr 1400 hat Bischof Heinrich sie dem Heiligen Matthias geweiht haben, dessen Namen sie noch heute trägt. Ihr Turm ist unverkennbar barock, wie auch ihre Fassade und der Altar. Als wir die Kirche besichtigen, ist er gerade einegerüstet und das überdimensionale Altarbild haben Bauarbeiter, vielleicht auch Restauratoren, aus seinem Rahmen genommen und an das Gerüst gelehnt. Der gemütlich aussehende Pfarrer, der uns die Kirchentür aufgeschlossen hat, beobachtet uns interessiert. Auf ein Gespräch mit uns lässt er sich leider nicht ein. Als wir die Kirche verlassen, schließt er die Kirche sorgfältig wieder ab und verschwindet im Pfarrhaus. Die historischen Straßenzüge um die Kirche herum sind noch erhalten. Kleine, höchstens einstöckige Häuser mit verwinkelten Hinterhöfen prägen sie. Die Häuser am Stadttor haben dagegen eher einen städtischen Charakter.

 

Kiche des Heiligen Michael in Bischofsstein (Bisztynek)
Die Kirche des Heiligen Michael.

Zum Schutz vor Feinden ließ Bischof Heinrich III. Sorbom eine Stadtmauer mit drei Stadttoren errichten, von denen das im Westen noch erhalten ist. Das Heilsberger Tor heißt auf Polnisch Brama Lidzbarska. Bischofstein überstand mehrmals im Verlaufe seiner Geschichte Stadtbrände oder wurde mutwillig zerstört. So geschah es während des dreizehnjährigen Krieges. Bischof Paul Stange von Legendorf (1458 - 1467) wollte mit der Zerstörung der Stadt verhindern, dass sie in die Hände der aufständischen Städte geriet, die sich gegen den Deutschen Orden erhoben hatten. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Zweiten Thorner Friedens im Jahr 1466. Fortan gehörte das Ermland, in dem Bischofstein liegt, nicht mehr zum Ordensstaat, sondern zum Königlichen Preußen, das sich dem polnischen König unterstellt hatte. Die Zugehörigkeit änderte sich erst wieder mit der ersten Teilung Polens 1792, als sich Preußen das Ermland einverleibte und Teil der Provinz Ostpreußen wurde.

Zu den Besonderheiten des Bistums Ermland gehörte, dass es innerhalb des Ordensstaates als Fürstbistum eine gewisse Eigenständigkeit genoss, die es auch nach 1466 beibehielt. Aus dieser Position der Stärke heraus blieb das Ermland nach der Reformation 1525 katholisch und mit ihm Bischofstein. Das Ermland entwickelte sich sogar zu einem Zentrum der Gegenreformation. Die katholische Kirche ließ prächtige barocke Kirchen und Klöster als Gegenstück zu den schlichten protestantischen Gotteshäusern errichten. So geschah es auch in Bischofstein, wo die Kirche des Heiligen Michael nach einem Brand im Barockstil wieder aufgebaut wurde.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verwüstete Kämpfe große Teile der Stadt. Die deutsche Bevölkerung floh oder wurde später vertrieben. Gemäß den Vereinbarungen des Potsdamer Abkommens wurde Bischofstein unter polnische Verwaltung gestellt und erhielt den Namen Bisztynek. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Heilsberger Tor (Brama Lidzbarska), ul. Konopnickiej 9, Geodaten: 54.085572, 20.900526
  • Kirche des Heiligen Michael (Parafia rzymskokatolicka św. Macieja Apostoła i Najdroższej Krwi Pana Jezusa), ul. Kościelna 24, Geodaten: 54.083838, 20.901103
  • Griffstein, ul. Sportowa 2, Geodaten: 54.088053, 20.910618
  • Denkmal für Henryk Sienkiewic, ul. Tadeusza Kościuszki 2B, Geodaten: 54.087146, 20.906207

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