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Angerburg (Węgorzewo) in Masuren, Polen

Angerburg (Węgorzewo) ist ein Touristenzentrum im Nordosten der Region Masuren. Vor allem bei Seglern hat sich Angerburg einen Namen gemacht. An Sehenswürdigkeiten gibt es eine Ordensburg und ein Freilichtmuseum.

Segelboote in der Marina in Angerburg (Węgorzewo) in Masuren Polen Fotos
Segelboote in der Marina von Angerburg. Fotos: Frank Hilbert

Segler, Surfer und Wasserskiläufer sind in den Sommermonaten in großer Zahl auf dem Mauersee  (Jezioro Mamry) unterwegs. Angst vor Kollisionen mit anderen Segelbooten oder einem der Ausflugsdampfer, die hier kreuzen, müssen sie dabei nicht haben, denn dafür ist der Mauersee einfach zu groß. Mit einer Fläche von 104 km2 ist er der zweitgrößte See in Masuren. Ganz in der Nähe liegt Angerburg. Die Stadt mit rund 13.000 Einwohnern ist durch den Fluss Angerapp mit dem Mauersee verbunden. Viele Wassersportler nutzten sie wegen ihrer modernen Marina als Ausgangsbasis für ihre Aktivitäten. Und das schon seit rund 100 Jahren. Damals entwickelte sich Angerburg zu einem Zentrum des Segel- und Eissegelsports.

Geschichte von Angerburg

Herzog Konrad von Masowien bat 1225 den Deutschen Orden um Hilfe bei der Christianisierung der Pruzzen. Der Orden sagte seine Hilfe zu, ließ sich aber von Kaiser Friedrich II. in der Goldenen Bulle von Rimini garantieren, dass ihm das eroberte Land auch gehöre. In den folgenden 100 Jahren vergrößerte der Orden seinen Machtbereich ausgehend von Thorn bis an die Memel. 
Eine Bedrohung stellte das Großfürstentum Litauen an seiner Ostgrenze dar. Das Grenzgebiet gehört heute zu Masuren und war damals nur sehr dünn besiedelt. Um es gegen litauische Einfälle abzusichern, errichtete der Orden im 14. Jahrhundert eine Burgenkette, die von Angerburg im Norden über Lötzen und Johannesburg bis nach Eckersberg im Süden reichte.
Die Angerburg entstand 1335 und war zunächst sehr primitiv. Sie bestand aus einem Blockhaus, einem hölzernen Wachturm und einer ebenfalls in holzbauweise errichteten Palisade auf einem Erdwall. Uneinnehmbar war sie nicht. 1365 überfielen Litauer unter der Führung ihres Großfürsten Kinstute die Festung und zerstörten sie. Knapp 30 Jahre später errichtete der Orden ganz in der Nähe, auf einer Insel in der Angerapp, dort, wo sie auch heute noch steht, eine neue Burg aus Stein. Um sie herum entwickelte sich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts eine Siedlung, der Herzog Albrecht 1571 das Stadtrecht verlieh. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Burg aber erst viele Jahre später, als sie nach einem Brand 1835 als Gerichtsgebäude und Gefängnis wiederaufgebaut wurde.

An Bedeutung gewann Angerburg, als 1718 eine Garnison in ihr stationiert wurde. Ihr erster Oberbefehlshaber, Hans Heinrich Katte, führte etliche Modernisierungsmaßnahmen in der Stadt durch. Er ließ Wasserleitungen verlegen, einen Hafen bauen, Stroh- durch Ziegeldächer ersetzen und einen Seitenarm der Angerapp zuschütten. Katte war kein unbeschriebenes Blatt. Sein Sohn, Hans Hermann von Katte, erlangte 1730 traurige Berühmtheit, als er vor den Augen seines Freundes, dem jungen Friedrich II. und späteren Preußenkönig Friedrich II. der Große, in der Festung Küstrin enthauptet wurde. Katte hatte zuvor Friedrich bei einer, am Ende missglückten, Flucht vor dessem despotischen Vater König Friedrich Wilhelm I. geholfen. Dafür verurteilte ihn der König zum Tode durch das Schwert.

Segelboote in der Marina in Angerburg (Węgorzewo) in Masuren
Die Marina in Angerburg.

Der Ausbildungsgrad der Lehrer, die in Masuren übrigens sowohl der deutschen als auch der polnischen Sprache mächtig sein mussten, befand sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf einem niedrigen Niveau. Es kam sogar vor, dass Lehrer nicht richtig lesen und schreiben konnten. Schließlich setzte sich bei den Schulbehörden die Erkenntnis durch, dass für die Ausbildung der Lehrer mehr getan werden müsse. So kam es 1800 in Lyck und 1829 in Angerburg zur Eröffnung der ersten Lehrerseminare in Masuren. Wenige Jahre danach folgte eine Taubstummenschule.
Später erlangte Angerburg durch eine karitative Einrichtung einen Bekanntheitsgrad, der über die Reichsgrenzen hinaus reichte. Anna Gräfin Lehndorff gründete 1880 die Wohltätigkeitsanstalten Bethesda, ein Siechenheim für Arme, Blinde und Krüppel. Zur Einrichtung gehörten nach ihrem Ausbau 35 Gebäuden, in denen 1.000 Menschen versorgt werden konnten, eine Klinik und eine Schule.
Aber auch (selbstverschuldete) Rückschläge musste die Stadt verkraften. 1810 wurde Angerburg Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Ostpreußen. Nachdem der Kreistag sich gegen die Anbindung der Stadt an das Eisenbahnnetz und gegen den Ausbau des Straßennetzes ausgesprochen hatte, wurde die Garnison abgezogen und 1878 das Landgericht und die Staatsanwaltschaft nach Lyck verlegt. Einen Bahnanschluss bekamt die Stadt erst 1898.

Scheinbar spurlos ging zunächst der Zweite Weltkrieg (1939-1945) an der Provinz Ostpreußen vorbei. Die ersten unheilverkündenden Wolken erschienen im Sommer 1944 am Himmel in Form von alliierten Bombern, die das Zentrum von Königsberg, der Hauptstadt der Provinz Ostpreußen, zerstörten. Spätestens, als sich im Herbst die Rote Armee der ostpreußischen Grenze und Reichsgrenze näherte, muss den Menschen klar geworden sein, dass der Krieg verloren war.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges lagen 80 Prozent der Stadt in Schutt und Asche, obwohl das deutsche Militär sie der Roten Armee kampflos überlassen hatte. Zerstört wurde sie erst durch Brände, die sowjetische Soldaten nach ihrem Einmarsch in die Stadt legten.
Die Einwohner hatten Angerburg schon vorher verlassen. Zum Zeitpunkt ihrer Flucht war Ostpreußen schon durch die Rote Armee eingeschlossen. Wohl oder übel mussten die Angerburger über das Frische Haff oder in den Ostseehafen Pillau fliehen und hoffen, dass sie mit Schiffen über die Ostsee nach Westen evakuiert werden.

Seit Kriegsende gehört Angerburg zu Polen und heißt Węgorzewo. Der Name leitet sich von dem pruzzischen Wort für Aale angurgis (polnisch Węgorz) ab, die es im Fluss Angerapp in großen Mengen gegeben haben soll. Nach dem Krieg kamen auch ukrainischstämmige Lemken und Bojken, die vermutlich aus dem Südosten Polens vertrieben worden waren, nach Angerburg. Sie sind griechisch-katholisch und nutzen seit 1983 die frühere Heilig-Kreuz-Kirche für ihre Gottesdienste.
Die neuen Einwohner haben nach dem Krieg nur wenige historische Gebäude wiederaufgebaut, darunter das Schloss, die frühere evangelische Pfarrkirche St. Peter und Paul und das Rathaus.

In den 1960er Jahren begannen einige Enthusiasten damit, ermländische und masurische Alltags- und Kulturgegenstände zu sammeln. Der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden sie 1991 mit der Eröffnung des Volkskulturmuseums (Muzeum Kultury Ludowej), das in einem typischen Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert untergebracht ist. Zu sehen sind Haushaltsgeräte, Webstühle und Kleidung. Es gibt auch eine umfangreiche Sammlung von Ostereiern und Stoffblumen. 1994 wurde das Museum durch ein Freilichtmuseum mit Holzhütten aus Krzyżewo (Bezirk Ełk) und Woźnice (Bezirk Mrągowo), einer Holzfeuerwache aus Ołownik und einer Fachwerkschmiede aus Zabrost Wielki (Bezirk Węgorzewo) erweitert. Auch ein polnisches Feuerwehrauto vom Typ Star 21 aus den 1950er Jahren kann bewundert werden. (fh)

Sehenswürdigkeiten in Angerburg

  • Ordensburg aus dem 14. Jahrhundert: Ihre heutige Gestalt erhielt sie aber erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert, als sie nach einem Großbrand wiederaufgebaut wurde. Von innen kann die Burg nicht besichtigt werden.
  • Volkskulturmuseum (Muzeum Kultury Ludowej):  Das Museum beherbergt eine große Anzahl von Alltags- und Kulturgegenständen aus der Region Ermland und Masuren. Dazu gehört ein Freilichtmuseum mit verschiedenen Holzhüttn und einer Holzfeuerwache.
    Das Museum befindet sich am Ufer der Angerapp gegenüber vom Schloss und ist nur wenige Meter von der Marina entfernt. Adresse: ul. Portowa 1
  • Eisenbahnmuseum: 1898 wurde Angerburg an das Schienennetz angeschlossen. Inzwischen fahren aber keine Züge mehr nach Angerburg. Im Bahnhof befindet sich ein kleines Museum.
    Adresse: ul. Stefana Jaracza 4
  • Ehrenfriedhof Jägerhöhe: Auf der Jägerhöhe liegen 344 deutsche und 234 russische Soldaten, die während der Kämpfe 1914 und 1915 in der Umgebung von Angerburg gefallen sind. Angerburg selber blieb während des Ersten Weltkrieges verschont. Allerdings mussten die Einwohner ihre Stadt vorübergehend verlassen.
    Geodaten: 54.19135296567278, 21.757836338510774
  • Pfarrkirche St. Peter und Paul (römisch-katholisch): Errichtet wurde sie zwischen 1605 und 1611. Damit ist sie die letzte im gotischen Stil erbaute Kirche in Ostpreußen. Ihr Altar entstand allerdings 1652 in einer Königsberger Werkstatt und ist barock. 
  • Heilig-Kreuz-Kirche (griechisch-katholisch): Bauzeit 1930 und 1933,  zunächst evangelisch, nach 1945 polnische Militärkirche, ab 1983 verpachtet und 1998 verkauft an die griechisch-katholische Kirche
  • Rathaus aus dem 19. Jahrhundert
  • Mauersee (Jezioro Mamry): Mit einer Fläche von 104 km2  ist er der zweitgrößter See in der Wojewodschaft Ermland-Masuren.
  • Kanopkeberg: mit dem Ehrenfriedhof

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