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Ermland und Masuren - Geschichte

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"Namen, die keiner mehr nennt ..." - ein kurzer historischer Exkurs

Die Ureinwohner der Region waren die Pruzzen, ein indoeuropäisches Volk, das mit den baltischen Völkern verwandt war. Sie verehrten verschiedene Naturgötter. Der Versuch, die Pruzzen zu christianisieren, scheiterte kläglich, wie die Geschichte des Märtyrers Adalbert, dessen Tod aus ihrer Hand aktenkundig ist, beweist. Wenige Jahre nach Adalberts Tod ereilte einen weiteren deutschen Missionar, Brun von Querfurt, das gleiche Schicksal.

1230 rief der polnische Herzog Konrad von Masowien zum Schutz gegen die pruzzischen Überfälle auf seine polnischen Kolonien den Deutschen Kreuzritterorden zur Hilfe. Der Ritterorden ging mit den heidnischen Pruzzen nicht gerade zimperlich um und rottete fast das gesamte Volk aus. Nach der abgeschlossenen "Missionierung mit dem Schwert" förderte die Befriedung des Gebiets die Ansiedlung deutscher Bauern, Handwerkern und Kaufleute.

Die erstarkte Position des Deutschen Ordens führte zu zahlreichen blutigen Konflikten mit den polnischen Königen. Nach mehreren gegen die Polen verlorenen Schlachten ging der Ordenstaat unter. An seine Stelle trat (1525) ein zunächst vom polnischen König lehensabhängiges säkularisiertes Herzogtum Preußen. 1618 wurde es in Personalunion mit Brandenburg vereinigt und im Frieden von Oliva (1660) aus der polnischen Lehenshoheit gelöst. Im Jahre 1701 wurde der Kurfürst Friedrich III zum ersten "König in Preußen" gekrönt. Tausende Kolonisten aus der Schweiz, aus Nassau und Salzburg wurden ins Land geholt. Königsberg wurde mit seiner Universität (hier wirkte u. a. Immanuel Kant) zu einem der Mittelpunkte des deutschen Geisteslebens.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Gebiet von Soldau an Polen, das Memelgebiet wurde an die Alliierten abgetreten. Weitere Abtretungen verhinderte eine im Jahre 1920 durchgeführte Volksabstimmung. Von Deutschland aus war Ostpreußen nur über einen polnischen Korridor zu erreichen.

Bis 1944 von unmittelbaren Kriegsgeschehnissen kaum berührt, rollte die Front gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit ganzer Wucht über Land und Menschen. Die zumeist zivile deutsche Bevölkerung wurde mit einer ungeheuren Grausamkeit konfrontiert; Zerstörungen, Plünderungen, Mord und Vergewaltigungen durch die russischen Sieger waren an der Tagesordnung. Lange Trecks rollten mit dem bisschen Besitz im tiefsten Winter von Ostpreußen nach Deutschland. Tausende starben auf dieser Flucht über Land oder auf der zum Teil zugefrorenen Ostsee.

Auf der Potsdame Konferenz (1945) wurde - vorbehaltlich der Regelung durch einen Friedensvertrag - der nördliche Teil unter die sowjetische, der südliche Teil Ostpreußens unter die polnische Verwaltung gestellt. In den ehemaligen deutschen Gebieten wurden Polen angesiedelt, die ihrerseits aus den ehemaligen Ostgebieten Polens (aus dem heutigen Litauen und aus der Westukraine) vertrieben wurden. Die deutschen Ortsnamen wurden in polnische umbenannt. 1950 hat die DDR durch die Unterzeichnung des "Görlitzer Abkommens" die deutsch-polnische Staatsgrenze an Oder und Lausitzer Neiße offiziell anerkannt, die Bundesrepublik verweigerte jedoch die Anerkennung. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands, nach Jahren schwerer Annäherungsarbeit, wurde in einem abgeschlossenen deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990 das Ende der Nachkriegszeit im deutsch-polnischen Verhältnis völkerrechtlich endgültig besiegelt. (fh)