Kauf einer Bahnfahrkarte – Die zwei Musketiere

Kieler Hauptbahnhof
Ein Regionalzug fährt in den Kieler Hauptbahnhof ein.

„Unsereins fährt zu dieser Zeit halt nicht weg“, stellt mit kundenfreundlicher Abwehrhaltung der Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Fahrkartenschalter des Kieler Hauptbahnhofs fest. Tja, ich bin echt ein böses Mädchen, dass ich ausgerechnet kurz vor Weihnachten mit der Bahn verreisen möchte und den armen Mann, dessen akkurat gestutztes D`Artagnan-Bärtchen nervös zu zucken beginnt, vor eine schier unlösbare logistische Herausforderung stelle. Mein Reiseziel: Lublin, Polen. Europa – müsste man meinen. Bei der Deutschen Bahn sieht man es aber offenbar anders. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, auf den Fahrplan der Polnischen Bahn (PKP) zuzugreifen, werde ich mit bunten Geschichten über bestechliche russische Bahnbeamte unterhalten. „Wissen Sie, in Polen gab es gerade einen Fahrplanwechsel“. Mir ist zwar der Zusammenhang zwischen dem Fahrplanwechsel der Polnischen Bahn mit der Korruption in Russland nicht ganz klar, der Erstere bereitete mir aber in der Tat Sorgen: Was tun, wenn knapp eine Woche vor dem geplanten Reisetermin keine Zugverbindungen verfügbar sind?

Neuer Fahrplan der polnischen Eisenbahn online

Just heute hat die PKP aber den neuen Fahrplan auf ihrer Webseite veröffentlicht. D`Artagnans Augenbrauen hüpfen hinter der Designerbrille auf: „Ha, ich bin drin!“ Heute ist wohl doch mein Glückstag. „Mit einem Nachtzug möchten Sie fahren? Es gibt einen mit Schlafwagen, der fährt aber nicht bis Lublin durch, Sie müssten in Warschau umsteigen.“ Ich weise den Mann darauf hin, dass ich im polnischen Fahrplan im Internet einen Direktzug gefunden habe. Seltsamerweise hat er aber dieselben Abfahrts- und Ankunftszeiten wie der Nachtzug, den D`Artagnon mir schmackhaft machen möchte. Vielleicht ist es ein und derselbe Zug, nur werden einzelne Waggons in Warschau abgekoppelt.

Fahrkarte
Fahrkarte für eine Bahnfahrt von Kiel nach Lublin in Polen.

Fahrkarte mit Umweg über Lodz

Mir behagt es nicht, mitten im tiefsten polnischen Winter und fast noch mitten in der Nacht umsteigen zu müssen, wo ich doch im warmen Bettchen bis zum endgültigen Reiseziel gemütlich schlummern könnte. „Hm. Da bin ich echt überfragt“, stellt ratlos der Bahnangestellte fest. Gemeinsam hypnotisieren wir den Computerbildschirm. In der Tat zeigt die Datenbank der Deutschen Bahn nur die eine Reiseverbindung mit Umstieg in Warschau an. D`Artagnan kratzt sich ratlos hinterm Ohr. Ich resigniere, lasse mir eine Fahrkarte für die Strecke Kiel – Lublin mit Umstieg in Warschau ausstellen, und bekomme eine über… Lodz. (Ein Umweg, als ob man von Hamburg nach Berlin über Leipzig fahren wollte.) Ich sage nichts, schließlich möchte ich nach der langen Odyssee keine weiteren Geschichten mehr über Mütterchen Russland hören… (fh)

Demnächst in der Fortsetzung: Gleis 9¾ und gestohlene Oberleitung.

Weiterführende Links:

Ostseebad Międzyzdroje (Misdroy) – Star-Promenade und Budenzauber

Promenade der Stars
In Bronze gegossene Abdrücke von Händen von bekannten polnischen Schauspielern auf der „Promenade der Stars“. Foto: Frank Hilbert

Für heute war eigentlich ein Besuch im Wisentreservat in Międzyzdroje (Misdroy) auf der Insel Wolin (Wollin) geplant. Leider war es am Ostermontag geschlossen. Schade eigentlich, denn der 19 Hektar große, in einem Wald gelegene Naturpark, in dem nicht nur Wisente, sondern auch andere Wildtiere wie Rehe, Wildschweine und Seeadler leben, soll eine echte Attraktion sein.

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Swinemünde – Ostdeutsche sprechen auch Deutsch

Hafen Swinemünde
Ein auf der Werft in Stettin gebautes Containerschiff fährt auf dem Weg in die Ostsee durch Swinemünde. Foto: Frank Hilbert

Zweistündige Hafenrundfahrt am Ostersonnabend mit dem Fahrgastschiff Chateaubriand über den Mieliński- und Piastowski-Kanal in Swinoujście (Swinemünde). Trotz Überbuchung (Zwei Reisegruppen aus Deutschland haben sich angemeldet.) werden wir selbstverständlich mitgenommen und erhalten zwei Schokoladenplätze direkt am Diensttisch des stets vergnügten, deutschsprachigen Reiseleiters. Begeistert zeigt und erkläutert er uns auf der Fahrt die Sehenswürdigkeiten. Während mein Mann am Oberdeck seine Superduper-Kamera bis an deren Leistungsgrenzen strapaziert – Motive gibt es mehr als genung: Kormorane, Fischreiher, allerlei Entenvögel, aber auch Werften und natürlich jede Menge kleinere und größere Schiffchen -, plaudere ich ein wenig mit unserem Reisebegleiter.

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Polen, da fahr`ich hin – 10 gute Gründe

Cover des Buches Polen, da fahr' ich hin
Cover des Buches Polen, da fahr‘ ich hin

Polen, da fahr` ich hin
10 gute Gründe

Von Thekla Lange, Weronika Priesmeyer-Tkocz, Eckart D. Startenschulte
Hrsg. vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk, erschienen 2008 beim NDW-Verlag

Zunächst war ich ein wenig skeptisch, als ich den Band „Polen, da fahr` ich hin. 10 gute Gründe“ zum ersten Mal in den Händen hielt. Ich hatte mich schon auf die nicht gerade aufregende Lektüre eines dieser traditionellen Reiseführer eingestellt – mit einer eher eintönigen Einleitung über Wetter, Land und Leute, mit alphabetisch aneinander gereihten Sehenswürdigkeiten eingebettet in einen Wust kunsthistorischer Informationsfetzen. Wie üblich in solchen Fällen bereitete mir vorab besonders eine Frage arges Kopfzerbrechen: Wie schreibe ich eine möglichst objektive und den Bemühungen des Autors gerechte Kritik, ohne dass die Buchbesprechung (womöglich noch aufgrund meiner Voreingenommenheit) in einem Verriss mündet?

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Polen – Fotografieren verboten

Schild Fotografieren verboten
Fotografieren verboten in der Dreifaltigkeitskirche in Lublin. Foto: Hilbert

In polnischen Museen ist das Fotografieren oft nur gegen die Entrichtung eines Obolus erlaubt, der auf die Eintrittskarte aufgeschlagen wird. In anderen Museen – und auch in einigen Kirchen – sind Aufnahmen mit dem Fotoapparat oder der Videokamera dagegen nicht gestattet. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Museen das Verbot jedoch aufgehoben, zum Beispiel das Rechtstädtische Rathaus in Danzig.

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Urlaub Tag 14 / 5. August: Umbauarbeiten in Lubliner Burg abgeschlossen

Burg in Lublin
Dreifaltigkeitskirche in der Burg in Lublin. Foto: Frank Hilbert

Die Umbaumaßnahmen in der Lubliner Burg sind abgeschlossen. Der weiße Anstrich der Burg wurde durch ein helles Beige ersetzt und die Arkaden im Innenhof, die sich südlich vom Eingang befinden, sind mit großen Glasscheiben geschlossen worden und beherbergen jetzt die Museumskasse. Besucher, die die Dreifaltigkeitskirche besichtigen möchten, müssen jetzt auch nicht mehr unbedingt das Burgmuseum durchqueren. Ein Zugang vom Hof aus wurde für Besucher geöffnet. Besucher können die Kirche aber auch weiterhin durch das Burgmuseum erreichen.

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Urlaub Tag 11 / 2. August: Orthodoxe Kirchen am Bug und Wasserwerfer in Lublin

Kloster des Hl. Onufry
Kloster des Hl. Onufry in Jabłeczna. Foto: Frank Hilbert

Es ist eine typische Neubauwohnung aus sozialistischen Zeiten. Ein Wohnzimmer voller Bücher, ein Mini-Schlafzimmer, ein Mini-Kinderzimmer, Küche und ein fensterloses Bad. Wir sind zu Gast bei einer älteren Dame in Włodawa, das 80 km von Lublin direkt an der weißrussischen Grenze liegt. Der türkische Kaffee auf dem Tisch durchflutet das Wohnzimmer mit einem angenehmen Duft. Noch schwimmt in meiner Tasse der Kaffeesatz an der Oberfläche. Vorsichtig rühre ich ihn mit einem Teelöffel unter. Den ganzen Tag waren wir auf Einladung unser Gastgeberin mit dem Auto unterwegs und haben die Gegend nördlich von Włodawa erkundet.

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Urlaub Tag 11 / 31. Juli 2008: Mit Tempo 50 nach Sandomierz

Rathaus Sandomierz
Das Rathaus in Sandomierz. Foto: Frank Hilbert

Vor kurzem erzählte mir ein Freund, der EU-Projekte betreut, dass die Lubliner Region zwar strukturschwach und damit wie geschaffen für die Vergabe von EU-Fördergelder sei. Aber dieser Teil Polens gehöre trotzdem zu den Regionen mit der geringsten Förderquote. Förderanträge würden nicht oder nicht richtig gestellt. Das komplizierte Verfahren erfordere eben Profis mit viel Erfahrung beim Durchqueren des Antragsdschungels. Dabei hätten die Straßen in und um Lublin herum den einen oder anderen Euro aus Brüssel für ihre Sanierung dringend nötig. Das zeigte erst heute wieder eine Fahrt mit dem Auto von Lublin nach Sandomierz.

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