„Polenaktion“ 1938 in Kiel – Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages

Bahnhofsgebäude in Zbąszyń
Das Bahnhofsgebäude in Zbąszyń. An der Außenwand hängt eine überdimensionale Gedenktafel, die über die Ereignisse 1938 informiert.

Vor 80 Jahren wiesen die Nationalsozialisten Juden mit polnischen Pass aus dem Deutschen Reich aus. Darunter auch 130 Menschen aus Kiel. Eine Gedenkveranstaltung am 28. Oktober im Kieler Rathaus erinnert an dieses Ereignis.

Vor beinahe 80 Jahren fuhr aus Kiel ein eilig zusammengestellter Sonderzug mit fast 130 Personen, unter ihnen Hochschwangere, Kinder ohne ihre Eltern, Alte und Kranke, an die deutsch-polnische Grenze. Im Zug saß fast die Hälfte der hiesigen Jüdischen Gemeinde. Wie reichsweit etwa 17.000 andere sollten sie als Juden mit polnischem Pass aus Deutschland ausgewiesen werden. Viele Juden aus dem Deutschen Reich strandeten im Grenzbahnhof Zbąszyń und mussten dort monatelang ausharren, weil Polen ihnen die Einreise verweigerte.

Die gewaltsame Massenabschiebung von Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus dem Deutschen Reich ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Meist wird sie nur als Vorgeschichte des Novemberpogroms erinnert, und dies, obwohl sie als Generalprobe für die späteren Deportationen in die Zwangsghettos und Vernichtungslager gelten kann.

In ihrem auf zeitgenössischen Akten, Interviews und autobiographischen Zeugnissen basierenden Vortrag geht die Historikerin Dr. habil. Bettina Goldberg der „Polenaktion“ in Kiel und dem übrigen Schleswig-Holstein sowie dem Schicksal der davon Betroffenen nach. Die Referentin ist durch zahlreiche Veröffentlichungen als Expertin für die Geschichte der jüdischen Minderheit hier im Land ausgewiesen.

Programm:

  • Grußwort Hans-Werner Tovar
    Stadtpräsident Landeshauptstadt Kiel
  • „Ihr geht nach Polen. Pack, was du tragen kannst!“
    Die Zwangsausweisung der polnischen Juden aus Kiel im Oktober 1938
    Vortrag Dr. habil. Bettina Goldberg
  • Die Radikalisierung der Judenverfolgung im Jahr 1938
    Dr. habil. Bettina Goldberg im Gespräch mit Gerrit Schirmer (Stadtarchiv Kiel)

Ort und Zeit:

Sonntag, 28. Oktober 2018, 18 Uhr
Rathaus, Fleethörn 9
Ratssaal, Eingang Waisenhofstraße geöffnet

Der Eintritt ist frei.

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