Coronakrise: Polen schließt Friedhöfe an Allerheiligen

Die polnische Regierung hat eine Schließung aller Friedhöfe vom 31. Oktober bis zum 2. November im ganzen Land angeordnet. Damit will sie den traditionellen Ansturm der Friedhöfe zu Allerheiligen und damit eine noch rasantere Zunahme der Cornonainfektionen verhindern. Denn die Lage in Polen ist dramatisch: Mit mehr als 20.000 Neuinfizierten innerhalb von 24 Stunden wurde heute ein neuer Rekord gemeldet. Das sind prozentual mehr als doppelt so viele wie in Deutschland.

Kerzenmeer auf einem Friedhof in Lublin
Hunderte Kerzen erleuchteten 2018 den Cmentarz Prawosławny in Lublin. Foto: Barbara Woyno

Allerheiligen ist für die im Kirchenkalender der katholischen Kirche in Polen ein bedeutender Feiertag. An diesem Tag besuchen die Katholiken traditionell die Gräber ihrer verstorbenen Familienangehörigen. Die Gräber werden mit Blumen und Kerzen geschmückt. An Allerheiligen sind die Friedhöfe in Polen völlig überfüllt. Auch berühmter verstorbener Polen wird an diesem Tag gedacht. Vor den Toren der ältesten Friedhöfe, wie z. B. dem Powązki-Friedhof in Warschau oder dem Rakowicki-Friedhog in Krakau, sammeln bekannte Schauspieler Geld für den Erhalt der historischen Grabanlagen.

In Polen hat die polnische Regierung ohnehin schon drastische Maßnahmen ergriffen, um die Ansteckungsketten zu unterbrechen. An allen öffentlichen Orten gilt eine Maskenpflicht, Restaurants, Cafes und Kneipen dürfen nur noch Außerhausverkauf anbieten, Fitnessclubs und Schwimmbäder mussten schließen, und für Schüler ab der vierten Klasse findet nur noch Online-Unterricht statt. Das ist nur eine Auswahl der Maßnahmen, die die Regierung in Warschau ergriffen hat. Schon jetzt stößt das Gesundheitssystem an seine Grenzen. Bilder von wartenden Krankenwagen vor den Krankenhäusern machen in den Nachrichten die Runde. Das Nationalstadion, das für die Fußball-Europameisterschaft 2012 errichtet worden war, wurde inzwischen zu einem Corona-Notlazarett umfunktioniert. (fh)

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