Urlaub Tag 3: Lubliner Union, EU und Bummel durch Buchhandlungen

Meine Frau schlägt einen Bummel durch die Lubliner Innenstadt vor. Übersetzt heißt ihr Vorschlag, dass sie Zeitschriften kaufen und die Buchhandlungen abklappern möchte, von denen es in der Universitätsstadt Lublin unzählige gibt.

Glocke Lubliner Union in Lublin
Eine Glocke auf dem litauischen Platz erinnert an die Lubliner Union, die 1569 zwischen Litauen und Polen geschlossen wurde. Foto: Frank Hilbert

Lust auf einen Bücherbummel habe ich nicht. Erfahrungsgemäß ist Widerstand jedoch zwecklos. Also ergebe ich mich in mein eheliches Schicksal. Sie hängt sich ihr Täschchen über die Schulter, ich nehme sicherheitshalber den Rucksack mit, in dem sich größere Mengen Zeitschriften und Bücher verstauen lassen. Die erste Buchhandlung in der ul. Krakowskie Przedmieście hat noch geschlossen. Galgenfrist.

Wir schlendern weiter über den Litauischen Platz, der vor nicht allzu langer Zeit neu gestaltet wurde. Wasserspiele sind nun über den weiten Platz verstreut und werden, wenn es dunkel ist, in den buntesten Farben eindrucksvoll illuminiert. Kinder planschen im flachen Wasser. Auf einem Hügel, bedeckt mit kurzgeschnittenem Gras, ragt ein schlanker Obelisk aus Stahl 13 m hoch in den Himmel. Anthrazitfarbend gestrichen. In seinem Sockel ein vergoldetes Relief mit der Darstellung zweier gekrönter Frauen, die sich die Hände reichen und Polen und Litauen verkörpern. Der Obelisk gedenkt der Lubliner Union, die vor 450 Jahren litauische und polnische Adlige auf der Lubliner Burg schlossen. An das Jubiläum erinnert auch eine Glocke, eingehängt in ein Holzgestell neben dem Obelisken. Ihre europafreundliche Inschrift „Lubliner Union 1569, Europäische Union 2004“. Die Botschaft ist eindeutig: Die Lubliner Union hat Polen eine politische und wirtschaftliche Blütezeit beschert. Der Beitritt zur Europäischen Union (EU) auch. Noch ist Polen also nicht verloren. 70 Prozent der Bevölkerung ist der EU gegenüber positiv eingestellt. Nur die nationalkonservative PiS-Regierung wettert immer wieder gegen das europäische Bündnis. Ganz dagegen ist sie nicht. Zu groß ist die wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes vom Rest Europas. Und zu groß ist die Angst der Partei, angesichts der im Herbst anstehenden Parlamentswahlen mit hartem Antieuropakurs potentielle Wähler, die mittlerweile die Vorteile der 15 Jahre andauernden EU-Mitgliedschaft Polens zu schätzen gelernt haben, abzuschrecken. Aber es besteht der Verdacht, dass sie die EU auf eine reine Wirtschaftsunion degradieren will.

Mit der Lubliner Union beschäftigt sich noch eine interaktive Ausstellung im Europejskie Muzeum Sejma Unii Lubelskiej „Sejmgraf 1569+“. Ein Besuch steht noch auf unserem Programm. Nur nicht für heute.

Wir streben eine große Buchhandlung in einer Shopping Mall an, in der ich meine Frau abliefere und mich aus dem Staub mache, um eine Flasche Mineralwasser zu kaufen. Draußen ist es nämlich brütend heiß und schwül. Das Wasser finde ich nicht in der Mall, sondern in einem kleinen Eisladen davor. In den Augen des Verkäufers erkenne ich einen genervten Blick. Als ich die Mineralwasserflasche auf Polnisch verlange, entspannen sich seine Gesichtszüge. Die Shopping Mall könnte überall auf der Welt stehen, so gesichtslos wie sie ist. Die Klamotten und Luxus-Uhren, die man hier kaufen kann, gibt es auch an jedem anderen Ort der Welt. Ich langweile mich und hole meine Frau nach 30 Minuten in der Buchhandlung wieder ab. Nur zwei Zeitschriften und nur ein Buch verschwinden in meinem Rucksack. Ich kann es nicht fassen. Das Muli ist nicht ausgelastet.

Am Nachmittag Café-Besuch in der Innenstadt und grollendes Sommergewitter über der Stadt. (fh)

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