Leonard Tietz oder Wo die Wiege der GALERIA Kaufhof GmbH liegt

Kaufhaus in Stralsund
In den 1920er Jahren errichtete die Leonard-Tietz-AG dieses Kaufhaus in Stralsund. Foto: Frank Hilbert

Leonhard Tietz eröffnete am 14. August 1879 in Stralsund ein kleines Kurzwarengeschäft. Es war das erste von einer ganzen Reihe von Geschäften, aus denen später die Kaufhof AG hervorging. Geboren wurde der Kaufmann in Birnbaum, dem heutigen Międzychód, bei Posen (Poznań).

Bei einem Besuch in der zum Weltkulturerbe gehörenden Hansestadt Stralsund entdeckte ich in der Ossenreyerstraße an der Fassade eines Backsteinbaus eine Gedenktafel mit folgendem Inhalt:

„Am 14. August 1879 übernahm der aus Posen stammende Leonard Tietz das Kurzwarengeschäft von Albert Holst in der Ossenreyerstraße 31. 1902 ließ der umtriebige Kaufmann auf dem Grundstück Ossenreyerstraße 19 ein großes Warenhaus errichten, das am 11. Oktober gleichen Jahres seine Pforten öffnete. Die heutige Fassade stammt aus dem Jahre 1927. Aus der Leonard Tietz AG ging der Kaufhof-Konzern hervor.“

Gedenktafel Leonard Tietz in Stralsund
Eine Gedenktafel erinnert in der Ossenreyerstraße in Stralsund an den aus der Nähe von Posen stammenden Kaufmann Leonard Tietz. Foto: Frank Hilbert

In Stralsund bot Tietz zunächst Knöpfe, Stoffe und Wollwaren zu Festpreisen an. Seinen Kunden räumte er ein Rückgaberecht ein. Eine völlig neue Idee, mit der er sehr erfolgreich war. So erfolgreich, dass er zehn Jahre später ein zweites Geschäft in Elberfeld bei Wuppertal eröffnete, in dem bald 40 Angestellte arbeiteten. 1905 wandelte Tietz sein Unternehmen in die Leonard-Tietz-Aktiengesellschaft um, die 1929 bereits 43 Filialen mit 15.000 Angestellten unterhielt.

Hafen von Stralsund
Der Hafen von Stralsund mit Getreidespeichern und der gotischen Nikolaikirche im Hintergrund. Foto: Frank Hilbert

Die Stralsunder Gedenktafel verschweigt leider das weitere Schicksal des Unternehmens. Tietz war Jude. Im Zuge der „Arisierung“ jüdischer Unternehmen durch die Nationalsozialisten musste Alfred Leonard Tietz, der Sohn des Firmengründers, 1933 seinen Posten im Vorstand räumen und seine Anteile am Unternehmen unter Wert verkaufen. Neue Eigentümer des Unternehmens waren die Dresdner Bank, die Commerzbank und die Dresdner Bank. Der Name des jüdischen Firmengründers musste aus dem Firmennamen getilgt werden. Die AG firmierte zunächst unter dem Namen Westdeutsche Kaufhof AG, ab 1936 nur noch unter Kaufhof AG. Die Familie Tietz emigrierte ins Ausland. Nach dem Krieg konnte sie sich mit der Bundesrepublik Deutschland auf eine Entschädigung in Höhe von 5 Millionen DM einigen. In der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gehörte das Kaufhaus zur volkseigenen Handelsorganisation (HO), die es unter dem Namen „Magnet“ betrieb. Aus der Kaufhof AG wurde die GALERIA Kaufhof. (Frank Hilbert)

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