Erste einstimmige Entscheidung des Unterhauses in London zum Brexit – Polen zufrieden

Gestern konnte sich das britische Unterhaus einstimmig auf ein Sofortmaßnahmenpaket einigen, dass die Folgen des ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU am kommenden Freitag, dem 12. April 2019, abfedern soll. Das Unterhaus beschloss unter anderem, 20.000.000 britische Pfund für die Neuauflage des Buches „The british home front“ von 1940 bereitzustellen, in dem der Bevölkerung erklärt wurde, wie sie sich unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft, die während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) herrschte, verhalten solle, um zu überleben. Die Ratschläge könnten den Briten nun helfen, mit den erwarteten negativen Folgen bei der Versorgung infolge des EU-Austritts zurechtzukommen. Es war die erste einstimmige Entscheidung des Unterhauses zu einem Brexit-Thema.

Cover des Buches The british home front pocket-book 1940-1942
Cover des Buches THE BRITISH HOME FRONT, das der britischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges Tipps zum Überleben unter den Bedingungen des Krieges geben sollte.

Geht es nach dem Willen der britischen Regierung, erhält jeder britische Haushalt bis Freitag ein Buch kostenfrei. Nicht auf der Verteilerliste stehen Arbeitsmigranten aus dem EU-Ausland und die Bewohner der katholischen Stadtteile im nordirischen Belfast. Sämtliche Druckereien in und um London herum haben in der vergangenen Nacht Punkt 12 Uhr mit dem Druck begonnen. Bis jetzt (10. April 2019, 15.30 Uhr) konnten bereits 1,5 Millionen Exemplare die Druckereien verlassen. Alle Postboten des Landes sind im Einsatz, um die Bücher zu verteilen. Unterstützt werden sie von Soldaten der britischen Armee.
Der britische Premierminister bedauerte, dass nicht genügend Buchexemplare für alle zur Verfügung stünden. Arbeitsmigranten und katholische Nordiren, die das Land jedoch bis Freitag verließen, könnten ihre Reise- und Umzugskosten beim Finanzamt geltend machen, versicherte er.

Kochen an der Heimatfront

„The british home front“ erschien 1940, als Großbritannien und Nazi-Deutschland Krieg gegeneinander führten. Deutsche U-Boote brachten den Nachschub aus den USA und Canada fast zum Erliegen, indem sie unzählige Handelsschiffe versenkten. Lebensmittel waren rationiert und Rohstoffe knapp.
Die Briten erwarten nach dem Austritt aus der EU Behinderungen beim Güterverkehr aus dem Ausland durch die Wiedereinführung von Grenzkontrollen und infolgedessen eine Verknappung von Lebensmitteln, Holz, Kohle und Benzin in einem ähnlich dramatischen Ausmaß wie damals im Krieg. Sie gehen davon aus, dass auch die Versorgung mit Strom nicht mehr flächendeckend gewährleistet werden kann und deshalb das Trinkwasser knapp wird. Das Handbüchlein „The british home front“ gibt wertvolle Tipps, wie sich jeder britische Bürger auf die Krisensituation einstellen und unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft überleben kann. Auf den Seiten 27 bis 32 haben die Verfasser Rezepte zusammengestellt, die die Hausfrauen in die Lage versetzen sollten, mit wenigen und einfachen Zutaten leckere Speisen für ihre an der Heimatfront hart arbeitenden Ehemänner und ihre Kinder zuzubereiten. Das Buch erklärt auch, wie Wasser zu Trinkwasser aufbereitet werden kann.

Anleitung für Bau von Bunkern im Garten

Auch in einer anderen Hinsicht könnte das Buch hilfreich sein, das Überleben zu sichern. Vor 75 Jahren konnte die Gefahr, die von Nazi-Deutschland ausging, durch eine Invasion britischer und amerikanischer Truppen auf dem europäischen Festland abgewendet werden. Nun bedroht Russland Großbritannien. 2016 hat Moskau mithilfe von sogenannten Trollen in sozialen Netzwerken die britischen Wähler dazu gebracht, mehrheitlich für einen Austritt aus der EU zu stimmen. Die britische Regierung vermutet dahiner einen weitergehenden Plan. Russland wolle Großbritannien zuerst in eine politische und wirtschaftliche Krise stürzen und anschließend das geschwächte Land militärisch angreifen. Dafür gebe es Indizien, hieß es. Seit Monaten fliegen taktische russische Bomber vom Typ Tupolew Tu-160 in Richtung Großbritannien, drehen jedoch wenige Meilen vor Erreichen des britischen Luftraums ab. Immer wieder kam es zu Beinahe-Kollisionen mit Eurofightern der Royal Air Force, die versuchten, die russischen Maschinen abzudrängen. Wie ernst die Lage ist, zeigt sich auch daran, dass die Vereinigten Staaten bereits im Januar vier strategische Bomber vom Typ B-52H Stratofortress auf die RAF-Basis in Fairford (England) verlegt haben. Sie sollen das Zusammenspiel mit anderen alliierten Streitkräften trainieren. So jedenfalls lautet die offizielle Version. Übungsgebiete sind die Nord- und Ostsee. Am 23. März fiel in Schleswig-Holstein zwischen 18.00 und 20.00 Uhr sogar das GPS immer wieder aus bzw. übermittelte ungenaue Daten. Während militärischer Konflikte manipuliert das amerikansiche Militär die GPS-Daten seiner Satelliten in einer Weise, die eine genaue Positionsbestimmung nicht mehr möglich macht.
Auch für den Fall von Bombardements von britischen Städten gibt das Handbuch „The home front“ wertvolle Tipps und Anleitungen, zum Beispiel für den Bau von Bunkern im Garten und das Abkleben von Fensterscheiben, die durch den Druck von Explosionen zerbersten und Menschen schwer verletzen könnten. Nur auf die Verteilung von Gasmasken, für deren Verwendung das Buch ebenfalls Handlungsanweisungen gibt, will die britische Regierung verzichten. Moskau habe sich schon während des Kalten Krieges verpflichtet, auf den Einsatz von Giftgas zu verzichten, hieß es aus Regierungskreisen.

EU-Parlamentarier in Brüssel und das polnische Außenministerium in Warschau zeigten sich zufrieden über das Abstimmungsergebnis. Endlich habe Großbritannien bewiesen, das sein Parlament noch handlungsfähig sei. In Polen freue man sich auf die Rückkehr seiner Bürger, von denen viele mehrere Jahre in Großbritannien gearbeitet hätten. Man werde ihnen einen festlichen Empfang bereiten. (fh)

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