„Angst“ im Visier der Staatsanwaltschaft

Wieder einmal sorgt der in den USA lebende Soziologieprofessor und Publizist Jan Tomasz Gross in seinem Geburtsland Polen für einen Eklat: Sein neues Buch „Fear: Anti-Semitism in Poland After Auschwitz” (dt. Titel „Die Angst. Antisemitismus in Polen nach dem Krieg“) schockiert mit der Schilderung von antijüdischen Ausschreitungen in Polen in den Jahren 1945-46. Eine der zentralen Thesen des Autors ist die vermeintlich breite Zustimmung in der polnischen Gesellschaft für antisemitische Pogrome zu jener Zeit. Den Hauptgrund dafür sieht Gross in der Aneignung des Eigentums der Holocaust-Opfer durch ihre polnischen Mitbürger und deren Angst vor der Rückkehr der rechtmäßigen Besitzer. „„Angst“ im Visier der Staatsanwaltschaft“ weiterlesen

Schwanzlastig-maullästernd zu leben gelernt: „Beim Häuten der Zwiebel“ von Günter Grass

Titelbild "Beim Häuten der Zwiebel"
Titelbild "Beim Häuten der Zwiebel"

Schicht um Schicht – wie die Schalen einer Zwiebel – trägt Grass die Schleier der Erinnerung ab, um zu immer tieferen Lagen seines Gedächtnisses vorzudringen. Wenn die Zwiebel als Gedächtnisstütze versagt, muss der Bernstein weiterhelfen. Tränen die Augen beim retrospektiven Häuten der Zwiebel noch, so verursacht die Betrachtung der im Bernstein verschlossenen Vergangenheit spürbares Unbehagen: Die Erinnerung tut so manches Mal weh. „Schwanzlastig-maullästernd zu leben gelernt: „Beim Häuten der Zwiebel“ von Günter Grass“ weiterlesen

Thomas Urban: Der Verlust – Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert

Cover des Buches Angesichts der Diskussion zwischen Polen und Deutschen um den Bau eines „Zentrums gegen Vertreibung“ in Berlin kam vor zwei Jahren das Buch von Thomas Urban „Der Verlust – Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert“ gerade zur richtigen Zeit in die Buchläden. „Thomas Urban: Der Verlust – Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert“ weiterlesen

Polens Weg von der Wende bis zum EU-Beitritt

Einband des Buches

Mit “Polens Weg von der Wende bis zum EU-Beitritt” haben die beiden Autoren Piotr Buras und Henning Tewes ein Buch auf den Markt gebracht, das sich der komplexen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung im Polen der Nachwendezeit widmet. Es gehört zu den wenigen Werken in der deutschen Bücherlandschaft, die die politische Entwicklung in Polen in dieser Zeit beschreibt und untersucht. „Polens Weg von der Wende bis zum EU-Beitritt“ weiterlesen

Steffen Möller und sein Buch „Polska da się lubić“ (Polen kann man mögen)

Cover "Polen kann man mögen" von Steffen Möller.
Cover „Polen kann man mögen“ von Steffen Möller.

Steffen Möller, ein deutscher Kabarettist und Schauspieler, der seit über zehn Jahren in Polen lebt und dort sehr populär ist (bekannt unter anderem aus verschiedenen Fernsehprogrammen), hat vor kurzem ein Buch mit dem Titel „Polska da się lubić“ (Polen kann man mögen) veröffentlicht. (Ausführlich kommentiert wurde das Buch von Adam Krzemiński in dem Artikel „Niemiec da się lubić“ in der Polityka Nr. 44, S. 66) Es ist eine Art Gedankensammlung über den Zusammenstoß und das gegenseitige Durchdringen der deutschen und polnischen Kulturen. „Steffen Möller und sein Buch „Polska da się lubić“ (Polen kann man mögen)“ weiterlesen

„Lieben sollt ihr mich, ihr Kanaillen, lieben!“

Gedenktafel für Hans Hermann von Katte
Ein Gedenkstein erinnert daran, dass am 6. November 1730 Hans Hermann von Katte vor den Augen seines Freundes und Kronprinzen Friedrich in der Festung Küstrin enthauptet worden ist. Foto: Frank Hilbert

Heute in Christian Graf von Krockow „Friedrich der Große“ gelesen:

„Daher kümmerte sich der König (Friedrich Wilhelm I.) persönlich um alles und jedes, von den Laternenanzündern bis zum Hebammenwesen. Niemand dürfte müßig sein (…). Wo der fürsorgliche Landesvater auf Müßiggänger traf, schlug er mit seinem Stock auf sie ein. (…) Die Leute versteckten sich, wenn sie ihn erblickten. Als er einmal – mühsam, in seiner gichtgeplagten Korpulenz – einen jüdischen Händler einholte, stellte er ihn zur Rede: Warum er davonlaufe?  ´Weil ich mich fercht`, sagte der Mann der Wahrheit gemäß.  ´Lieben sollt ihr mich, ihr Kanaillen, lieben!`, schrie der König, mit einem Hagel von Hieben.“ ;-)

Kronprinz Friedrich, der spätere preußische König Friedrich II. , hielt es die Gängeleien nicht mehr aus und plante die Flucht vor seinem despotischen Vater. Die Fluchtpläne schlugen fehl und Wilhelm sperrte seinen Sohn in der Festung Küstrin ein. Friedrichs Fluchthelfer und Freund Hermann von Katte ließ Wilhelm vor den Augen seines Sohnes köpfen. (fh)