Adam auf der Höhe der Zeit

Heute möchte ich Adam P. vorstellen. Es handelt sich um einen Herrn, der viel unterwegs ist und mir durch seine Rezensionen auf Google auffiel. Diese Rezensionen sind deshalb bemerkenswert, weil sie nicht nur einen erheblichen geografischen Raum abdecken, sondern weil Adam uns damit auch an seinem reisenden Alltag teilhaben lässt.

Schlossplatz in Stuttgart. Der Protagonist dieser Geschichte reist oft in die Gegend von Stuttgart. Foto: Frank Hilbert

So rezensierte er vor einem Jahr den „Kaufland“ in einem Ort auf der polnischen Seite der Grenze zu Belarus (Weißrussland), eine Ecke, in der er sich öfter aufzuhalten scheint, da sich dort mehrere Rezensionen finden. Am anderen Ende des geografischen Spektrums hat er vor zwei Monaten eine Lidl-Filiale in der äußersten Südwestecke Deutschlands rezensiert. Bei seinen Rezensionen beschränkt er sich meist auf ein „Spoko“, was wohl soviel wie „cool“ bedeutet. Der Lidl hatte jedoch seinen Unmut erregt, denn er bekam nicht nur bloß einen Stern, sondern auch den Kommentar „Nic w nim nie ma z gazetek lidla“, was wohl bedeutet, dass die Filiale nichts von dem im Angebot hatte, was Lidl in seinem Prospektmaterial anpreist.

Zwischen diesen beiden Eckpunkten finden sich ausweislich Google jede Menge anderer Orte, die Adam besucht und zu denen er einen zumindest kurzen Kommentar abgegeben hat. Dabei scheut er auch vor Indiskretionen nicht zurück. So besuchte er in Stuttgart das Edeletablissement „Eve Paris“, schwieg sich jedoch über die Einzelheiten des Erlebnisses dort aus und vergab lediglich fünf Sterne (der Gentleman genießt und schweigt). Überhaupt hält er sich oft in Stuttgart und Umgebung auf.

Was mich an Adam fasziniert, ist dieser auf Google Maps (https://www.google.com/maps/contrib/109490166340679155844/reviews/@50.5519789,8.9539663,5z?hl=de-DE) fast minutiös nachverfolgbare Weg durch Mitteleuropa sowie die Vielfalt der Orte, die er besucht. Es sind nicht nur Supermärkte und Bordelle, sondern Museen, landschaftlich schöne Orte, Geschäfte, Schulen usw. usf. Er lässt alle Besucher des World Wide Web an seinen Wegen zwischen Südbaden und Nordostpolen teilhaben.

Was mir noch auffällt ist, dass Adam offenbar nichts zu verbergen hat. Weder scheint er Bedenken zu haben, dass sein Arbeitgeber mäkeln könnte, dass er nicht den direktesten Weg zum Einsatzort genommen hat, noch dass seine Freundin/Ehefrau Bedenken gegen einen Besuch in Etablissements wie dem „Eve Paris“ erheben könnte (vielleicht ist er ja auch Single oder führt eine offene Beziehung).

Jedenfall scheint mir Adam in jeder Hinsicht auf der Höhe der Zeit zu sein. (Alexander Molter)

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