Abgeschossen über Warschau 1944

Mir war bekannt, dass die Briten während des Warschauer Aufstandes 1944 (1. August bis 3. Oktober 1944) von Italien aus Bomber nach Warschau (Warszawa) schickten, die über den von den Aufständischen der Heimatarmee kontrollierten Gebieten Waffen, Munition und Medikamente abwarfen. Aber nicht, dass auch südafrikanische Besatzungen in den Flugzeugen saßen. Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, indem er  mir einen Link zu einem Interview mit einem südafrikanischen Navigator schickte, der mit seinem B-24 Liberator Bomber im August 1944 über Warschau abgeschossen wurde.  Der Name des Piloten: Bryan Desmond Jones.

Während Bryan Jones langsam und deutlich von seinen Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges erzählt, hält er seine Augen die meiste Zeit geschlossen. Mit den Bewegungen seiner Hände scheint er seine Worte unterstreichen zu wollen. Für das Interview hat er sich ganz fein gemacht. Er trägt einen dunklen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte. Um seinen Hals hängt an einem breiten blauen Band der Verdienstorden der Republik Polen (Order Zasługi Rzeczypospolitej Polskiej), mit dem er 2006 vom polnischen Präsidenten Lech Kaczyński ausgezeichnet wurde. Es ist die höchste Auszeichnung, die Ausländer in Polen erhalten können.

Diese Auszeichnung wurde ihm zuteil, weil er während des Warschauer Aufstandes im Jahr 1944 mit einem B-24-Liberator-Bomber nach Warschau geflogen war und von den Deutschen abgeschossen wurde. Er und die anderen Crewmitglieder überlebten die Notlandung am Rande von Warschau und gingen in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Erster Einsatz über Kreta

Bryan Jones trat im Jahr 1943 in die südafrikanische Luftwaffe (South African Air Force, SAAF) ein und absolvierte einen Lehrgang zum Navigator.  Ein Jahr später versetzte ihn die Air Force zur neu aufgestellten 31. Staffel schwerer Bomber auf den Lydda Airport (Ben Gurion) in Palestina. Jones nahm an einem der ersten Einsätze der Staffel teil, der sich gegen die von den Deutschen besetzten Insel Kreta richtete. Später wurde er in das italienische Celone versetzt.

Im August 1944 stand die Rote Armee vor Warschau und besetzte am 14. September den Stadtteil Praga am östlichen Weichselufer. Obwohl sich der Aufstand der polnischen Heimatarmee gegen den gemeinsamen Feind Deutschland richtete, griff die Rote Armee – mit Ausnahme der 1. Polnischen Armee – nicht in die Kampfhandlungen ein. Der sowjetische Diktator Josef Stalin verweigerte sogar den westlichen Alliierten die Benutzung von Flugplätzen auf dem bereits von den Sowjets besetzten Gebiet. Deshalb mussten die Bomber der westlichen Alliierten ihre Hilfsflüge von Italien aus starten.

„Ein Massaker“

Für die Piloten waren die Flüge nach Warschau Höllenritte. Jones berichtet von der Reaktion eines Kameraden, als er diesem nach einem Breefing erzählte, sein nächster Einsatz führe ihn nach Warschau. „Oh. Warschau. Viel Glück. Du wirst es brauchen […] Es war ein Massaker“, war die Reaktion des Kameraden, der bereits nach Warschau geflogen war.

Der lange und gefährliche Weg führte die Bomber über mehrere Länder und die Hohe Tatra, durch die die Grenze zwischen Polen und der Slowakei verläuft. Jones Bomber bog nördlich der Tatra nach Osten ab, um die Städte Krakau (Kraków) und Tarnów zu umfliegen, wo deutsche Jagdflieger stationiert waren. Schon kurz nachdem sie in den polnischen Luftraum eingedrungen waren, sahen sie einen „red ball“ am Horizont. Das sei, erinnert sich Jones, ihr Ziel gewesen: das brennende Warschau.

Das Interview besteht aus drei Teilen:

  • 1. Teil: Training, Danube and Ploesti
  • 2. Teil: Shot down over Warsaw
  • 3. Teil: POW in Germany

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Jones wieder zurück nach Südafrika und heiratete. Im Alter von 70 Jahren wurde er Pastor. Damit erfüllte er ein Versprechen, das er gab, als er in Polen abgeschossen wurde.

Part 1: Training, Danube and Ploesti

Part 3: POW in Germany

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