„Meine Vitaminchen“ abholen

Vitamintabletten
Mehrere Röhrchen mit Vitamintabletten. Foto: Frank Hilbert

Etliche junge Männer in Polen sehen aus wie „harte Kerle“: kurz geschnittene Haare, groß, in Fitnessstudios gestählte Muskeln, mit Tatoos verzierte Körper. Und gesundheitsbewusst, wie ich kürzlich in einem kleinen Lebensmittelgeschäft im polnischen Stolpmünde (Ustka) erfahren konnte, sind sie auch noch. Zwischen dem Kunden, dem „harten Kerl“, und dem Verkäufer entspann sich folgender Dialog:

Kunde: „Hallöchen. Ich wollte nur meine Vitaminchen abholen. Nimmst du eigentlich auch welche ein?“

Verkäufer: „Nö, ich achte auf meine Ernährung und sehe zu, dass ich genügend Obst und Genüse esse.“

400 € Monatslohn – Konfrontation mit der polnischen Lebenswirklichkeit

Arbeitsamt Frankfurt / O.
Fassade des Arbeitsamtes in Frankfurt / O.

Auf dem Heimweg mit dem Auto nach Deutschland  habe ich bis zur polnischen Grenzstadt Słubice einen jungen Polen mitgenommen, der zum Arbeitsamt in Frankfurt / O. wollte. Er wolle sich eine Arbeit in Deutschland oder Großbritannien suchen, erzählte er mir. Arbeit gebe es in der Region um Küstrin (Kostrzyn nad Odrą), wo er wohnt, genug. Allerdings würde er als kaufmännischer Angestellter in einem Büro nur 400 € im Monat verdienen. Viel zu wenig, um in Polen finanziell über die Runden zu kommen. 1.000 € seien das Minimum. Er habe zwar keine technische Ausbildung. Aber: „Ich nehme jeden Job und kann hart arbeiten.“

Der Mindestlohn in Polen liegt bei 2,55 € pro Stunde. (fh)

Lohnkosten in Polen