Archiv für Oktober 2008

Polnischer Regisseur kämpft um Urheberrechte an seinem Film gegen die Ukraine

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Jerzy Hoffmann, bekannter polnischer Regisseur, glaubt, im falschen Film zu sein: Der ukrainische Staat erkennt seine Autorenrechte an der Verfilmung des Romans “Mit Feuer und Schwert” (Teil einer Trilogie des Nobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz) nicht an. Der Film wird ohne Zustimmung des Regisseurs und ohne die Zahlung der ihm zustehenden Tantiemen im Fernsehen gezeigt und munter auf DVD vertrieben. Auch eine gerichtliche Klage auf Urheberrechtsverletzung brachte Hoffmann wenig Erfolg: Er unterlag in der Ukraine vor allen Instanzen mit der Begründung, er haben an dem Film keine Autorenrechte.

(Quelle: Online-Ausgabe der Gazeta Wyborcza vom 30. Oktober 2008)

Europäischer Gerichtshof weist Grundrechts- beschwerde der Preußischen Treuhand ab

Donnerstag, 09. Oktober 2008

23 Deutsche, vertreten durch die Preußische Treuhand GmbH, die wegen ihrer Vertreibung von ihrem Grundbesitz während des Zweiten Weltkriegs vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gegen Polen geklagt hatten, scheiterten. Das Gericht erklärte die Entschädigungsklagen für unzulässig. Seine Entscheidung begründete das Gericht damit, dass der heutige polnische Staat seinerzeit keine rechtliche Kontrolle über die damals zu Deutschland gehörigen Gebiete gehabt habe und daher auch nicht für die Vertreibung verantwortliche gemacht werden könne.

Marienkäfer auf Abwegen

Mittwoch, 01. Oktober 2008

Angenehm leer sind die breiten Nordseestrände der dänischen Jammerbucht im September. Auch die in Dünen eingebettete Ferienhaussiedlung bereitet sich langsam auf den Winterschlaf vor. Nur ein sanftes Wellenrauschen durchbricht die erholsame Stille. Ich lasse die Meinen gemütlich schlummern und mache mich leise auf zum morgendlichen Strandspaziergang. Der Nachbarshund wedelt schon vom Weiten fröhlich mit dem Schwanz, als er mich erblickt. Ein halbes Kalb, aber zum Glück von freundlichem Naturell. Die Seinen schlafen auch noch, also begleitet er mich auch heute hinunter zum Wasser. Ich bewundere die Geschicklichkeit, mit der sein unförmiger, schwerer Körper die lange, abschüssige Holztreppe bewältigt, die sich an die Steilküste schmiegt. Der Balanceakt erinnert ein wenig an den Tanz eines Elefanten auf einem Seil.

Jammerbucht

Versandeter Leuchtturm an der Jammerbucht. Foto: Barbara Woyno

Unten angekommen saust er ungehindert seiner Körperfülle ohrenflatternd auf einen gelben Punkt zu. Der gelbe Punkt schießt in die Luft und landet elegant segelnd auf dem Wasser. „Schlimmer Hund“ – fiept es in englischer Sprache. Der Hund bremst mit allen Vieren, neigt seinen Kopf leicht zur Seite und mustert neugierig den erschrockenen Mann. „Sie brauchen keine Angst zu haben, er will nur spielen“ – ich verpasse dem Hund einen leichten Nasenstüber und versuche, die gelbe Plastiktüte aus dem Wasser zu fischen. Rot leuchtet mir die Aufschrift “Biedronka” entgegen. “Der Marienkäfer” – eine große polnische Discounterkette. Unwillkürlich muss ich schmunzeln. Der Mann zieht einen Flunsch. „Bitte sehr“, sage ich auf Polnisch und reiche dem Mann das triefende Strandgut. Er läuft rot an. „Danke“, antwortet er leise in unser beider Muttersprache, dreht sich um und geht. (bw)