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Freitag, dem 09.05.2008, um 15:18 Uhr.
EU-Fahnen vor der Tuchhalle in Krakau Am 9. Oktober 2002 war Miller seinem Ziel ein erhebliches Stück näher gekommen. Die EU-Kommission schlug zehn Staaten - darunter Polen - für einen Beitritt vor. Jedoch mahnte Brüssel weitere Reformen an. Vor allem müsse Polen die Korruption unterbinden, die Umweltrichtlinien der EU erfüllen und für mehr Hygiene in der Milchwirtschaft und in Schlachthöfen sorgen. EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen auf einer Pressekonferenz am 9. Oktober gegenüber einer polnischen Journalistin: Er würde der polnischen Delegation empfehlen, nur ein Glas Sekt und ein Glas Wodka zur Feier des Tages zu trinken und dann sofort wieder an die Arbeit zu gehen.
Der Weg bis zum 9. Oktober war aber wegen der sich kompliziert gestaltenden Beitrittsverhandlungen beschwerlich. Lediglich 22 der 29 Verhandlungskapitel hatte Polen bis März 2002 abgeschlossen. Dabei ging es um handfeste Interessen - nicht nur der Polen. Deutschland und Österreich wollten einen unkontrollierten Zustrom von Arbeitskräften aus Osteuropa verhindern und forderten deshalb eine siebenjährige Schonfrist ihrer Arbeitsmärkte.
Polen auf der anderen Seite verlangte eine Übergangsfrist für den Landerwerb durch Ausländer. Noch seien die Bodenpreise im östlichen Nachbarland Deutschlands niedrig. So lange man das nicht verändere, könne man den Verkauf von Boden an Ausländer aus Spekulationsgründen nicht zulassen, sagte der ehemalige polnische Außenminister Wladys³aw Bartoszewski in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" vom 26. August 2001. Einigen konnten sich Warschau und die EU erst im März 2002 nach zähen Verhandlungen. Das Ergebnis: Nach 12 Jahren dürfen ausländische Firmen in den polnischen Westgebieten (ehemaligen deutschen Gebieten) Ackerland bzw. Forst käuflich erwerben. Ansonsten gilt eine siebenjährige Sprerrfrist. Abhängig von der Wojewodschaft muss ein Landwirt das Ackerland, das er kaufen will, vorher drei bis sieben Jahre lang gepachtet haben.
Es gab noch andere Hindernisse auf dem Weg in die Union. Zum Beispiel die schlechte Konjunkturlage. Polen war wegen der niedrigen Inlandsnachfrage auf Exporte angewiesen. 75 Prozent der Exporte gingen in die Europäische Union. Wichtigster Handelspartner hier war Deutschland. Wegen der Rezession in der EU - insbesondere in Deutschland - sank die Nachfrage nach polnischen Produkten. Polen konnte das angepeilte Wirtschaftswachstum nicht erreichen. Es sank von vier Prozent im Jahr 2000 auf 1,5 Prozent 2001. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit von 14 Prozent im September 2000 auf über 18,1 Prozent im Februar 2002.
Dazu kam eine Finanzkrise, die im August 2001 öffentlich wurde. Polen verzeichnete 2001 ein Haushaltsdefizit von 32,6 Mrd. Z³oty - etwa 4,5 Prozent des Bruttosozialproduktes. Die Regierung verordnete der polnischen Bevölkerung deshalb drastische Sparmaßnahmen. So sollten beispielsweise die ohnehin niedrigen Löhne im öffentlichen Dienst 2002 nicht angehoben werden.
Unter diesen Vorzeichen musste Miller die Bevölkerung vom EU-Beitritt überzeugen. Viel Zeit hatte er nicht mehr. 2003 stand in Polen ein Referendum über den Beitritt zur Europäischen Union an. Die Akzeptanz schwand. Umfragen vom Sommer 2001 zufolge befürworteten nur noch 53 Prozent der Bevölkerung einen EU-Beitritt. 1997 waren es noch 72 Prozent. Nun ging Warschau in die Offensive. Am 8. Mai 2002 eröffnete die polnische Regierung eine landesweite Aufklärungskampagne über die Europäische Union. Seit diesem Tag lag Infomaterial zum EU-Beitritt in öffentlichen Gebäuden und Institutionen (z. B. Bibliotheken) aus.
Diese und andere Aktionen, mit denen die Regierung für einen EU-Beitritt warb, hatten Erfolg. Am 7. und 8. Juni 2003 stimmten 77,45 Prozent der Polen für den EU-Beitritt. Nur 22,45 Prozent der Wähler stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,8 Prozent.
Am 1. Mai 2004 trat Polen der Europäischen Union bei.
Übergangsregelungen nach dem EU-Beitritt:
(Frank Hilbert)