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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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EU-Begeisterung

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Nicht nur in Deutschland (Zustimmung 53 Prozent) waren die Vorbehalte gegen eine Osterweiterung der Europäischen Union groß. Das traf auch auf Polen mit seiner rückständigen Landwirtschaft zu, in der ein Viertel der Bevölkerung arbeitete. Die polnischen Landwirte hatten Angst, zu den Verlierern der EU-Osterweiterung zu gehören. Auch Teile der Stadtbevölkerung war gegen den EU-Beitritt. Sie fürchteten einen Ausverkauf des Landes.

Schild mit der Aufschrift "Nein zur EU" in Krakau
Nein zur Europäischen Union" steht auf dem Schild vor der Tuchhalle in Krakau (Kraków). Darunter eine Karikatur: Zwei EU-Beamte melken Polen. Foto: Frank Hilbert

Dazu kamen eine steigende Arbeitslosigkeit und eine Finanzkrise, die im August 2001 öffentlich wurde. Polen verzeichnete 2001 ein Haushaltsdefizit von 32,6 Mrd. Złoty, etwa 4,5 Prozent des Bruttosozialproduktes. Die Regierung verordnete der polnischen Bevölkerung deshalb drastische Sparmaßnahmen. So sollten beispielsweise die ohnehin niedrigen Löhne im öffentlichen Dienst 2002 nicht angehoben werden.
Unter diesen Vorzeichen musste der damalige Ministerpräsident, Leszek Miller, die Bevölkerung vom EU-Beitritt überzeugen. Viel Zeit hatte er nicht mehr. 2003 stand in Polen ein Referendum über den Beitritt zur Europäischen Union an. Die Akzeptanz schwand. Umfragen vom Sommer 2001 zufolge befürworteten nur noch 53 Prozent der Bevölkerung einen EU-Beitritt. 1997 waren es noch 72 Prozent. Nun ging Warschau in die Offensive. Am 8. Mai 2002 eröffnete die polnische Regierung eine landesweite Aufklärungskampagne über die Europäische Union. Seit diesem Tag lag Infomaterial zum EU-Beitritt in öffentlichen Gebäuden und Institutionen (z. B. Bibliotheken) aus.

Diese und andere Aktionen, mit denen die Regierung für einen EU-Beitritt warb, hatten Erfolg. Am 7. und 8. Juni 2003 stimmten 77,45 Prozent der Polen für den EU-Beitritt. Nur 22,45 Prozent der Wähler stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,8 Prozent.

Am 1. Mai 2004 trat Polen der Europäischen Union bei. (fh)

Zustimmung für die EU-Osterweiterung
Land Zustimmung in Prozent
Slowakei 65 Prozent
Slowenien 63 Prozent
Ungarn 61 Prozent
Lettland 53 Prozent
Polen 50 Prozent
Litauen 49 Prozent
Tschechien 48 Prozent
Estland 39 Prozent
Zahlen für das Jahr 2002
Einstellung polnischer Bevölkerung zum EU-Beitritt (Angaben in Prozent)
Monat und Jahr Dafür Dagegen
Juni 1998 82 15
September 1998 84 12
Dezember 1998 78 14
Mai 1999 72 19
Oktober 1999 72 17
April 2000 72 17
Oktober 2000 65 23
März 2001 55 30
Mai 2001 54 29
Juli 2001 53 25
Februar 2002 54 25
April 2002 66 25
Mai 2002 75 19
Oktober 2002 63 21
November 2002 73 18
Dezember 2002 67 22
Februar 2003 72 20
April 2003 68 22
Referendum am 7. und 8. Juni 2003 77,45 22,45
Quelle: CBOS (April 2003), www.wirtschaft-polen.de
Eisntellung der Wählergruppen nach Parteien zu Polens EU-Beitritt (in Prozent)
Partei für den EU-Beitritt
Bürgerplattform 92
SLD-UP (sozialdemokratisches Linksbündnis) 79
PiS (Recht und Gerechtigkeit) 70
PSL (Polnische Bauernpartei) 58
LPR (Liga polnischer Familien) 43
Samoobrona (Selbstverteidigung) 42
Quelle: Rzeczpospolita (17. Februar 2003), www.wirtschaft-polen.de
Einstellung der polnischen Bevölkerung in den Wojewodschaften zum EU-Beitritt (Angaben in Prozent)
Wojewodschaft Dafür Dagegen Weiß nicht
Kujawsko-pomorskie 76 14 10
Zachodniopomorskie 72 11 17
Polska 72 20 8
Wielkopolskie 69 23 8
Mazowieckie 68 22 10
Warmińsko-mazurskie 67 18 15
Pomorskie 67 21 12
Podkarpackie 67 29 4
śląskie 65 21 14
Opolskie 63 26 11
Łódzkie 61 28 11
Dolnośląskie 61 30 9
Małopolskie 60 22 18
Podlaskie 60 33 7
Lubuskie 56 32 12
Lubelskie 48 39 13
Swiętokrzyskie 45 24 31
Quelle: Rzeczpospolita (17. Februar 2003), www.wirtschaft-polen.de