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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 19.39 Uhr.


Als Zamość "Himmlerstadt" hieß


Gedenkstein, der an die Deportation der Kinder von Zamosc erinnert
Der Gedenkstein trägt folgende Inschrift: "Den Kindern aus der Region um Zamość, die zwischen 1942 und 1943 durch die Hitlerdeutschen ermordet oder verschleppt wurden. Zum 20. Jahrestag der Aussiedlung und Pazifikation. Die Einwohner der Region um Zamość. Zamość November 1962." Foto: Frank Hilbert Nach einem Besuch im Distrikt Lublin im Juli 1941 kam SS-Führer Heinrich Himmler auf die Idee, ein Großsiedlungsgebiet in den von den Deutschen annektierten Gebieten bei Zamość, dem Cholmer und Lubliner Land, einzurichten. Zunächst wurden etwa 2.000 Deutsche aus Bessarabien angesiedelt, das durch den Hitler-Stalin-Pakt in den Einflussbereich der damaligen Sowjetunion gefallen war. Im Zuge der nationalsozialistischen Siedlungspolitik kamen insgesamt 8.000 Deutsche aus Bessarabien, Rußland, Serbien, dem Baltikum und der Bukowina in die Region um Zamość. Unter ihnen waren die aus Bessarabien stammenden Eltern des heutigen Bundespräsidenten, Horst Köhler. Er wurde im Februar1943 in Skierbieszow geboren, das nur rund 18 km von Zamość entfernt liegt. Vor der Umsiedlungsaktion hatte der SS- und Polizeiführer Friedrich-Wilhelm Krüger die polnische Bevölkerung aus 116 Dörfern vertreiben lassen, um Platz für die Bessarabiendeutschen zu schaffen.


Am 28. November 1942 begannen die Nazis mit Massendeportationen von Polen aus dem Gebiet um Zamość. Nur wenige Monate vorher hatten sie die Grundlage für die Deportationen von Polen und Ansiedlung von Deutschen geschaffen. Der von SS-Oberführer Konrad Meyer am 15. Juli 1942 vorgelegte "Generalplan Ost", der für alle von den Deutschen besetzten Gebiete in Osteuropa ausgearbeitet worden war, sah die Deportation der einheimischen Bevölkerung, die Ansiedlung von Deutschen und die wirtschaftliche Ausbeutung vor. Insgesamt sollten 31.000.000 Russen, Polen, Tschechen und Ukrainer nach Siberien verbannt und die Grenzen des "Deutschen Reiches" nach Osten verschoben werden.
Wie die Pläne der Nationalsozialisten für Polen aussahen, geht auch aus den Ausführungen des Höheren SS- und Polizeiführer Ost (HSSPF) Wilhelm Hoppe aus dem Jahr 1941 hervor: "Dem Sieg der deutschen Waffen im Osten muss also der Sieg des deutschen Volkstums über das Polentum folgen, wenn der wiedergewonnene Ostraum nunmehr gemäß dem Willen des Führers für immer ein wesentlicher Bestandteil des Großdeutschen Reiches bleiben soll. Es kommt daher entscheidend darauf an, das wiedergewonnene deutsche Land mit deutschen Bauern, Arbeitern, Beamten, Kaufleuten und Handwerkern zu druchdringen, damit sich ein lebendiges und dennoch am Boden festverwuzeltes Bollwerk deutscher Menschen als Schutzwall gegen fremde Eindringlinge" herausbilden könnte.

Tausende Kinder ins Reich entführt

Die Kreishauptstadt Zamość wird zum ersten deutschen Siedlungsbbereiche im Generalgouvernement erklärt", hieß es in einer Anordnung Himmlers.  Für die polnische Bevölkerung sahen die Pläne der deutschen Besatzer wie folgt aus: Die nach den deutschen Kriterien "rassich wertvollen" Einheimischen sollten zur Wiedereindeutschung ins Reich gebracht, arbeitsfähige Polen zur Zwangsarbeit eingezogen und alle anderen, die in den Augen der Besatzer als "rassich schlecht" galten, in Vernichtungslager gebracht werden. Bis zum Abbruch der Aktion im August 1943 deportierten die Nazis  ca. 100.000 Polen aus Zamość und den umliegenden Gebieten. Ins Reich entführt wurden tausende polnische Kinder.

Bauern leisteten Widerstand

Die Reaktion der polnischen Bevölkerung traf die Deuschen unerwartet hart. Die polnischen Bauern flüchteten in die umliegenden Wälder und schlossen sich teilweise den Partisanen an. Sie überfielen von Deutschen besiedelte Dörfer und  verübten Anschläge auf Bahnlinien. Der Widerstand der Polen, der trotz der militärischen Übermacht und Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Besatzer nicht zu brechen war, hatte einen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion und damit eine Verschlechterung der Versorgungslage zur Folge. Der Plan zur Schaffung einer deutschen Kolonie im Gebiet um Zamość scheiterte. (fh/bw)

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