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Ausgegeben am Mittwoch, dem 19.06.2013, um 15.46 Uhr.


Farbenfrohes Zalipie


Mit Blumenmotiven bemalte Hauswand in Zalipie
Foto: Frank Hilbert Die kurzen krummen Beinchen können den kleinen Fettkloß kaum tragen. Tapsig wackelt er über den weitläufigen Hof auf den Zaun zu. Das Stummelschwänzchen begrüßt in freudiger Erregung den Besucher. Wildes Gebell oder Geknurre? Fehlanzeige. Stattdessen wirft sich der Welpe sofort auf den Rücken, sobald sich eine menschliche Hand nach ihm ausstreckt, und lässt sich genüsslich den gut gepolsterten Bauch kraulen.


„Tja, ich habe mich bereits damit abgefunden, dass er wohl nie ein gefährlicher Wachhund werden wird“, sagt die Bäuerin, die an der Schwelle ihres Hauses erscheint, halb schuldbewusst und halb schmunzelnd. Sie öffnet das Gartentor. „Kommen Sie doch herein, Sie können den Hund natürlich weiter streicheln, aber Sie möchten bestimmt noch eine andere Sehenswürdigkeit unseres Dorfes bewundern. Schauen Sie sich ruhig um, und machen Sie so viele Bilder, wie Sie mögen.“ Das Tor gibt den Blick auf die ungewöhnliche Pracht des Hofes frei. Die mit Kalk geweißten Wände der alten, buckligen Kate, die Scheune und selbst die Türen des tief im Boden versunkenen Erdkellers sind über und über mit bunten Bauernmalereien geschmückt. Wohin man schaut, springen einem farbenfrohe Blumenmuster ins Auge. Selbst den Brunnen ziert ein feines florales Ornament.

Muster frei aus dem Kopf

„Wissen Sie, Häuser mit Blumenmotiven zu schmücken, ist bei uns in Zalipie seit über Hundert Jahren Tradition. Laufen Sie doch einmal durchs Dorf, dann werden Sie noch mehr Häuser mit Blumenmalereien entdecken. Besonders jetzt, eine Woche vor dem alljährlichen Malwettbewerb, hat sich das Dorf besonders herausgeputzt. Es sind bei uns nur die Frauen, die malen, und alle Muster entstehen nicht nach Vorlagen, sondern frei aus dem Kopf“, sagt sie und schleppt aus dem Haus zwei schwere Weidenkörbe mit Allerlei heraus, das sie für den Wettbewerb vorbereitet hat: kleine Hühner und große Straußeneiner, Holzlöffel und Schneidebretter, Schachteln und Schächtelchen – alle in liebevoller Handarbeit mit Blumenmustern bemalt. „Für viele ist es nur kitschige Folklore“, schnauft sie, „aber stellen Sie sich unsere Häuser ohne die Bemalungen vor. Dann wäre es doch nur ein gewöhnliches Dorf unter Hunderten.“ (bw)

Tipp: Vor dem Haus der Malerinnen („Dom Malarek“) im Dorfzentrum ist als Orientierungshilfe eine Schautafel ausgestellt, auf der eine Route durch die bemalten Häuser in Zalipie und in den umliegenden Dörfern aufgezeichnet ist. Unbedingt anschauen sollte man sich auch die ebenfalls innen und außen bunt verzierte Kirche sowie das heute als Museum fungierende Haus der Bäuerin und Künstlerin Felicja Curylowa (http://www.muzeum.tarnow.pl/oddzialy.php?id=6) .

Ab Juli 2009 bietet die Dorfgemeinde Workshops an, deren Teilnehmer die Kunst der Bauernmalerei oder die Herstellung von traditionellem Bauernschmuck (z. B. Girlanden oder Deckenkronen aus Krepppapierblumen) erlernen können. (Barbara Woyno)

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