Die Altgläubigen in Wojnowo
Das Kloster in Wojnowo Foto: Frank Hilbert
Die Wände der kleinen orthodoxen Kirche sind weiß. So ziehen die farbenfrohen Ikonen vor dem Altarraum sofort die Blicke der Besucher auf sich. Ein Mönch mit Vollbart und einem schwarzen Gewand bekleidet, das bis zu seinen Knöcheln reicht unterhält sich mit einem älteren Ehepaar. "Auf jedem Kriegsschiff im Zarenreich gab es einen Altarraum", erzählt er. "Nach der Oktoberrevolution 1917 bauten die Sowjets die Altarräume aus den Schiffen aus." Die Sowjets hätten aber vom Wert der Ikonen gewusst und sie deshalb nicht zerstört, sondern verkauft. Auf diese Weise seien auch einige dieser Ikonen in die Kirche von Wojnowo gelangt.
Das kleine Dorf Wojnowo in Masuren ist durch die Altgläubigen bekannt geworden, einer Sekte der russisch-orthodoxen Kirche. Die Altgläubigen lehnten Reformen ab, die der Moskauer Patriarch Nikon in der Mitte des 17. Jahrhunderts eingeführt hatte. Nikon hatte sich entschieden, einige griechische Bräuche zu übernehmen. Dazu zählten zum Beispiel die Bekreuzigung mit drei Fingern und das Tragen von griechischen Kirchengewändern. Gegner der Reformen wurden verfolgt. Die Altgläubigen flüchteten deshalb aus Russland und ließen sich schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Masuren nieder.
An der Südseite von Wojnowo, direkt am See Duś, errichteten die Altgläubigen ein Kloster. Auf der anderen Seite des Dorfes steht eine orthodoxe Kirche mit einem Zwiebelturm, in der Besucher die Ikonen aus den russischen Kriegsschiffen der Zarenzeit bewundern können. (Frank Hilbert)
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