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Glatzer Land - Wanderung von Wölfesgrund auf den Spitzberg (Igliczna)

Am ersten Tag in Wölfesgrund (Międzygórze) sollte man eine Wandertour unternehmen, die nicht so anstrengend ist. Zu empfehlen ist ein gemütlicher Spaziergang zur Wallfahrtskirche der Schneeberg Muttergottes auf dem Spitzberg (Iglicna). Sie dauert hin und zurück rund vier Stunden, wenn man die Natur genießt und in der Baude neben der Kirche einen Kaffee trinkt.

Wirtschaft und Kirche auf dem Spitzberg bei Wölfesgrund
Wirtschaft und Kirche auf dem Spitzberg bei Wölfesgrund. Fotos: Hilbert

Wer es eilig hat, kann die Strecke aber auch in zwei Stunden zurücklegen. Die Kirche erreicht man auf einem Pilgerpfad mit vierzehn Kreuzwegstationen - jede Station wird durch ein Kreuz aus Sandstein markiert. Der Höhenunterschied, der auf der drei Kilometer langen Wanderung zu überwinden ist, beträgt 260 m. Der Weg (gelbe Markierung) beginnt in Międzygórze am oberen Ende der Ulica Wojska Polskiego. Auf dem Weg kommt man an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei. Bereits nach zehn Minuten lichtet sich der Wald und gibt den Blick auf die "Schneealm" frei. Hier steht ein mehrere Meter hohes Kreuz, das an die Inthronisierung der Marienfigur durch Johannes Paul II. am 21. Juli 1983 erinnert. Die Marienfigur wurde in einer feierliche Messe in Wrocław (Breslau) gekrönt.

Nach weiteren zehn Minuten erreicht man ein kleines Museum, das "Zentrum für Geschichte und Tradition des Bergtourismus in den Sudeten". Eröffnet wurde es im Mai 2002. Das Ziel der Museumsbetreiber ist es, Erinnerungsstücke, die die Geschichte des Tourismus in den Sudeten dokumentieren, zu sammeln, zu erforschen und für die Nachwelt zu erhalten.

Der Botaniker Isidor Kriesten trug hier in der Zwischenkriegszeit eine Reihe von Märchengestalten aus Holz zusammen: Zwerge mit verschmitztem Lächeln auf ihren geschnitzten Gesichtern, böse, verknöcherte Hexen aus ungewöhnlich verknorpeltem und verdrehtem Wurzelwerk, windige Berggeister und andere größere und kleinere Herrscher der verzauberten Welt der Magie und Mär. Um die Holzfiguren herum legte er einen Garten aus exotischen Pflanzen an. Nach 1960 zerfiel die Anlage, weil sich niemand um sie kümmerte. Nachdem der Märchenpark 1986 von dem Tourismusverband  PTTK in Międzygórze übernommen worden war, restaurierte man ihn und ergänzte durch Figuren von Jerzego Droźkowskiego.

Nach dem Besuch des Museums muss noch ein kleinerer Höhenunterschied überwunden werden, bevor es auf fast ebener Strecke bis zur Wallfahrtskirche weitergeht. Nach 30 Minuten ist die Baude auf dem Spitzberg erreicht. Sie beherbergt ein sehr schönes Kaffee mit einem phantastischen Panoramablick auf die "Góry Bystrzyckie" und "Rów Górny Nysy" im Süden. Bei schönem Wetter tummeln sich die Touristen auf der Terrasse unter den Sonnenschirmen. In der Baude kann man übrigens auch übernachten.

Märchenfigur aus Holz
Märchenfigur aus Holz.

Wenige Meter oberhalb der Baude erhebt sich die Wallfahrtskirche der Muttergottes. Mit dem Bau der heute grau verputzten Kirche begann man 1781. Ein Jahr später wurde die Kirche geweiht. Inspiriert wurde der Bau der Kirche durch (angebliche) wundersame Genesungen, von denen die Kirche bis 1782 insgesamt 12 anerkannte. So soll zum Beispiel ein Blinder 1777 auf dem Spitzberg sein Augenlicht wieder erlangt haben. Die sehr kleine einschiffige Kirche der Muttergottes besteht aus einem neobarocken Altar mit einer Marienfigur aus dem 18. Jahrhundert. Die Marienfigur ist eine Kopie der in Österreich verehrten Mariazell. Leider hat der Kirchenvorplatz sein ursprüngliches Gesicht verloren, weil vor kurzem die alten Bäume abgeholzt wurden. Außerdem wurde hinter der Kirche das alte Pilgerhaus mit seiner Aussichtsterrasse abgerissen. An seiner Stelle entstand ein eher bescheidenes Kaffee mit einem Kleinen Geschäft.

Für den Rückweg nach Międzygórze empfiehlt sich der rot markierte Wanderweg. Die Wanderung dauert etwa 45 Minuten und führt immer bergab durch dichten Wald. Am Ende wird der Weg steiler und führt über eine Steintreppe. Schon mehrere hundert Meter vor Erreichen von Międzygórze hört man den Wasserfall "Wilczki" (Wölfesfall). Das Wasser stürzt hier in eine Tiefe von 28 Metern. Die imposante Höhe verdankt der Wasserfall angeblich den Deutschen, die ihn auf einige Meter erhöht haben sollen. Im Juli 1997 tobte in Międzygórze ein gewaltiges Gewitter. Durch das Unwetter lösten sich einige größere Felsen und stürzten in die Tiefe. Dadruch büßte der Wasserfall etwa fünf Meter seiner Höhe ein. Seitdem ist er nicht mehr der höchste Wasserfall in den polnischen Sudeten. (fh)