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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 19.30 Uhr.
Am 31. Juli 2004, dem Vortag des 60. Jahrestags des Ausbruchs der nationalen Erhebung, eröffnete das Museum seine Tore für die Besucher. Die Ausstellung kann individuell besichtigt werden. Der Besucher kann sich wahlweise auch einer der ständigen Museumsführungen anschließen. Diese sind ein wahres Erlebnis und haben mit der üblichen verstaubten Museumspädagogik absolut nichts zu tun. Mit echter Begeisterung führt uns ein junger Museumsmitarbeiter durch die einzelnen Stationen der Ausstellung. Diese verteilt sich auf drei Etagen auf insgesamt über 3.000 Quadratmetern Fläche. Die hier dargestellte Geschichte des Warschauer Aufstands wird in den historisch-politischen Kontext des Zweiten Weltkriegs eingebettet: angefangen von dem deutsch-sowjetischen Überfall auf Polen im September 1939, über die Besatzungszeit, die Aktion „Gewitter“ (poln. „Burza“), die Vorbereitung und Durchführung des Warschauer Aufstands, die internationale Politik bis hin zur Gründung der kommunistischen Regierung Polens in Lublin und dem Schicksal der Aufständischen nach Beendigung des Krieges. Lebendig erläutert der Museumsführer auf jeder Etappe die Ausstellungsstücke und ihren Zusammenhang mit dem Aufstand, sei es die geopolitische Weltkarte von 1939, deutsche Bekanntmachungen aus dem besetzten Warschau oder Maschinen der rekonstruierten Untergrunddruckerei. Dabei regt er in einem geschickten Frage-Antwort-Spiel die Besucher - vor allem Kinder und Jugendliche - zum aktiven Mit-Erleben an.
Geschichte zum Anfassen
Langeweile kommt mit Sicherheit nicht auf. In seinem Konzept der Geschichte zum Anfassen nutzt das Museum verschiedene Techniken der audiovisuellen und multimedialen Kommunikation. In Halle B kann die originalgetreue 1:1-Replik einer von der Luftwaffe abgeschossenen Consolidated B-24 Liberator bestaunt und besichtigt werden. Originalteile der Maschine, die in der Nähe der Absturzstelle gefunden worden waren, wurden in das Modell mit eingebaut. Virtuelle Bildschirme laden zum näheren Kennenlernen der Konstruktion und der Geschichte des Flugzeugs und dessen polnischen Besatzung ein. Die Halle beherbergt auch ein Kino, in dem Dokumentarchroniken aus dem Warschauer Aufstand gezeigt werden. In dieser Halle befindet sich auch eine Rekonstruktion des Kanals, durch den die Aufständischen nach der Eroberung der Warschauer Altstadt durch die Deutschen ins Zentrum der Stadt flüchteten. Die Besucher können hier das Unbehagen der Enge und Dunkelheit am eigenen Leib nachfühlen. Fast alle Originalgegenstände, von denen die meisten auf den drei Stockwerken der Halle A ausgestellt worden sind, dürfen und sollen angefasst werden. Mitarbeiter des Museums beantworten bereitwillig sämtliche Fragen. Der Besucher soll die Atmosphäre der Kriegsjahre und den Alltag im besetzten Warschau so gut wie möglich nachempfinden können. Zahlreiche Fotos, private Feldpost, Biografien der Kämpfer und größere Schautafeln ergänzen die Ausstellung.
Eine pfiffige Idee ist der Abreißkalender, der jeden der 63 Tage der Kämpfe in Warschau historisch dokumentiert. Die einzelnen Blätter hängen in chronologischer Reihenfolge an den jeweiligen Ausstellungsstationen aus und können von den Museumsbesuchern als ergänzendes Infomaterial mitgenommen werden.
Den Schwerpunkt der Forschungs- und Bildungsarbeit des Museum bildet die „Oral History“ – die gesprochene Geschichte. Es handelt sich hierbei um Tonaufnahmen mit Erlebnisberichten von Veteranen des Warschauer Aufstands. In nachgebauten Telefonkabinen aus den 1940er Jahren können die Besucher die Aufnahmen direkt abhören. Unermüdlich sammelt das Museum weitere Aussagen der immer weniger werdenden Zeitzeugen.
Zum Museum gehören ein Aussichtturm mit einer leicht ausgefransten Shilouette, die an die Ruinen des zerstörten Warschaus erinnern soll sowie eine im Hof des Museums aufgestellte Gedenkmauer. An dieser 156 Meter langen Granitmauer sind die Namen (mit Rang und Pseudonym) von über neun Tausend Aufständischen, die im August und September 1944 in den Kämpfen gefallen sind, eingraviert. Die Namensliste wird laufend ergänzt. (Barbara Woyno)