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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 19.49 Uhr.

Um die Entstehungsgeschichte des Bildes der Muttergottes vom Tor der Morgenröte ranken sich viele Legenden. In früheren Zeiten nahm man an, dass es sich dabei um eine orthodoxe Ikone handele, die aus den östlichen Provinzen Polens nach Wilna gebracht worden sei. Laut einer anderen Version sollte es ein Porträt von Barbara Radziwiłłówna, der Ehefrau des Königs Zygmunt August, darstellen. Neuere Untersuchungen ergaben, dass das Bild vermutlich dem Pinsel eines unbekannten Wilnaer Malers aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts entstammte. Das Bild selbst ist auf einer Eichentafel mit Kreidegrundierung gemalt und ist zwei m hoch und 1,63 m breit. Es stellt die Muttergottes mit nach rechts geneigtem Kopf und vor der Brust verschränkten Armen dar. Von ihrem Kopf gehen Strahlen ab. Im 17./18. Jahrhundert verbarg man ihr blaues Kopftuch und das purpurfarbene Kleid unter einem barocken Kleid aus vergoldetem Silber. Nur das Gesicht und die Hände der Madonna blieben frei. Den Kopf der Muttergottes schmücken zwei Kronen: eine symbolisiert ihre Stellung als Himmelskönigin, die andere ihre symbolhafte Funktion als Königin Polens. Im unteren Teil des Bildes befindet sich ein silberner Halbmond.
Kraft eines päpstlichen Dekrets wurde das Bild der Muttergottes am 2. Juli 1927 in einem feierlichen Akt zur Königin Polens gekrönt. Trotz strömenden Regens nahmen an den Feierlichkeiten der damalige Präsident von Polen, Ignacy Mościcki, Marschall Józef Piłsudski sowie tausende Gläubige teil. Das Bild der Muttergottes vom Tor der Morgenröte ist eines der bedeutendsten Heiligtümer Litauens. Seit jeher gilt das Madonnenbildnis als wundertätig und lockt jährlich zehntausende Pilger aus Polen an. Am innigsten wurde es in der Zeit des geteilten Polens (1772-1919) verehrt. Als Dank für erwiesene Gnade schenken Gläubige der Madonna Votivgaben aus Gold uns Silber. Über acht 8.000 Votivgaben bedecken die Wände der Kapelle. (Barbara Woyno)