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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 18.14 Uhr.


Tschenstochau (Częstochowa)


Schwarze Madonna in Tschenstochau
Foto: Frank Hilbert Nirgendwo wird der Stellenwert der katholischen Kirche in der polnischen Gesellschaft so augenscheinlich wie in Częstochowa (Tschenstochau). Es ist das Paulinerkloster Jasna Góra ("Heller Berg") mit dem Gnadenbild der Schwarzen Madonna, das seit über 600 Jahren Millionen Gläubige aus ganz Polen anzieht. Dicke Verteidigungsmauern und vier hintereinander liegende Tore - jedes für sich ein Hindernis für potentielle Angreifer - verleihen der Klosteranlage auf einer Anhöhe einen Festungscharakter. Mittelpunkt der Anlage ist die Klosterkirche mit dem Bildnis der wundertätigen Ikone der Schwarzen Madonna, einem der bedeutendsten polnischen Nationalheiligtümer.


Der Hauptgrund für die Anbetung dürfte wohl in der geografisch und historisch bedingten verwundbaren Stellung Polens liegen: Immer wieder haben nicht-katholische Feinde wie Deutsche, Russen und Schweden versucht, das Kloster Jasna Góra zu stürmen. Jedesmal gelang es den polnischen Verteidigern, die Belagerung durch die Feinde erfolgreich abzuwehren. Der Erfolg wurde der Wunderkraft der segensreichen Muttergottes von Tschenstochau zugeschrieben. In ihrer Existenz sah und sieht man bis heute den Garanten für die Existenz des polnischen Staates.

Besonders an den hohen katholischen Feiertagen scheint der Ansturm von Pilgern kein Ende zu nehmen. Im Sommer wandern ganze Gemeinden, ob jung oder alt, von hymnenhaften religiösen Gesängen beflügelt, von ihren Heimatorten oft mehrere Hundert Kilometer zu Fuß zur Schwarzen Madonna nach Tschenstochau. Den Autofahrern bleiben nur Nachsehen und Gelassenheit, wenn sie einer zufällig auf der Straße begegneten Pilgerkolonne im Schritttempo hinterher tuckern müssen.

Bei der Ikone der Schwarzen Madonna soll es sich eigentlich um eine Kopie eines Gemäldes handeln, das im Jahr 1430 gestohlen wurde. Das Bild, das im strengen byzantinischen Stil gemalt wurde, stellt die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm dar. Beide haben einen ernsten, fast distanzierten Gesichtsausdruck. Auf der rechten Wange der Muttergottes sind die Spuren zweier parellel zueinander verlaufenden Einschnitte zu sehen. Ein dritter Schnitt verläuft quer dazu. Das "Schwarz" bezieht sich auf die für dunkle Schattierung des Gesichts der Madonna, das im Laufe der Jahre nachgedunkelt ist. Traditionell wird die Muttergottes mit kostbaren, juwelenbestickten Roben bekleidet. (bw)

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