Mole und Leuchtturm an der Einfahrt in den Hafen von Swinemünde Fotos: Frank Hilbert
Usedom und Wollin waren bis zum Zweiten Weltkrieg beliebte Erholungsgebiete der Beliner. Mit dem Schnellzug war die Oder-Mündung in zwei Stunden zu erreichen. Daran erinnern noch heute die Überreste der Karniner Hubbrücke zwischen der Insel Usedom und dem Festland. Zerstört wurde sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Und mit dem Ende des Krieges brach auch die Verbindung des heute polnischen Teils mit Berlin ab. Erst nach der politischen Wende in Polen haben die Berliner ihr altes "Naherholungsgebiet" wiederentdeckt.
Mittdendrin liegt Swinemünde (Świnoujście) - verteilt auf drei Inseln. Das Kurviertel befindet sich auf dem östlichen Zipfel der Insel Usedom, der Frischereihafen, der Bahnhof und die Industriegebiete liegen auf dem westlichsten Teil der Insel Wollin und ein kleiner Teil der Stadt verschläft die Zeit auf der Insel Kasibór zwischen dem Piasten-Kanal (früher Kaiser-Wilhelm-Kanal), Alter Swine und dem Haff.

Viele Erholungssuchende kommen jedes Jahr in die Stadt, die seit 1824 ein Seebad ist. Theodor Fontane beschrieb Swinemünde einmal so: "Swinemünde war, als wir im Sommer 1827 dort einzogen, ein unschönes Nest, aber zugleich auch wieder ein Ort von ganz besonderem Reiz, dabei aller Unbelebtheit der Mehrzahl seiner Straßen zum Trotz von jener eigentümlichen Lebendigkeit, die Handel und Schifffahrt geben."
Vom besonderen Reiz, von dem Fontane sprach, ist im Zentrum der Stadt nicht mehr viel zu spüren. Gegen Ende des II. Weltkrieges wurde die Stadt bombadiert, weil sich hier ein bedeutender Stützpunkt der deutschen Marine befand. Am 12. März 1945 flogen 200 Bomber der 8. USAAF vom Typ B 17 und B 24 einen Angriff auf die zu dieser Zeit mit Flüchtlingen überfüllte Stadt. Rund 14.000 Einwohner sollen ihr Leben verloren haben. Die meisten von ihnen wurden auf dem Golm, einem Erholungsgebiet, beerdigt. 55 Prozent der Stadt lagen nach dem Luftangriff in Schutt und Asche. Ein
Denkmal, das an die bei dem Angriff auf den Panzerkreuzer "Lützow" am 16. April 1945 umgekommenen britischen Piloten erinnert, befindet sich auf der Insel Kasibór.
Das Zentrum Swinemündes ist heute von Neubauten geprägt. Sehenswert ist nur der Hafen mit Fähranleger, das Rathaus aus dem 18. Jahrhundert und - aus dem 19. Jahrhundert - der höchste Leuchtturm Polens. Gegenüber - am westlichen Ufer - stehen die Reste des westlichen Forts, das zwischen 1846 und 1863 entstand. Ein Spaziergang durch den Kurpark lohnt sich auf jeden Fall. Gleich hinter dem Kurpark beherrschen in dem Viertel am Usedomer Ostseestrand prachtvolle Jugendstilvillen das Bild.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt resultiert aus dem Hafen und Fischereihafen. Außerdem bestehen zahlreiche Fährverbindungen mit Schweden (Ystad) und Dänemark (Kopenhagen). Teile des Hafens nutzt die polnische Marine.
Besucher erreichen Swinemünde am schnellsten mit der Bäderbahn oder von Ahlbeck aus über den deutsch-polnischen Gerenzübergang, der für Fußgänger und Pkw geöffnet ist. Das Auto kann aber auch auf einem großen Parkplatz vor dem Grenzübergang abgestellt werden. Von der Grenze bis zur Stadtmitte sind es noch einige Autominuten, deshalb empfiehlt es sich, gleich hinter der Grenze einen Bus oder ein Taxi zu nehmen. Entlang dieser Strecke erlebt man ein munteres Treiben des kleinen Grenzverkehrs: Polnische Staatsbürger bieten an zahlreichen Straßenständen ihre Waren feil. Hier decken sich deutsche Urlauber und Anwohner aus der Grenzregion mit Zigaretten, Gartenzwergen und allerlei mehr oder weniger nützlichem preiswerten Krimskrams ein. (bw/fh)
Landkarte:

Wirtschaft:
Hafen, Marine, Tourismus, Fischerei
Einwohner:
46.700 (2004)
Bildung:
nächste Universitäten Stettin und Greifswald
Flughafen:
Flughafen Stettin
Weiterführende Links
Touristeninformation:
Świnoujście (Swinemünde)
ul. Wybrzeże Władysława IV
84-360
Świnoujście
Tel.: +48 (0) 91 3224999
Fax: +48 (0) 91 3271629
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