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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 18.43 Uhr.


Steinort (Sztynort) in Masuren


Das verfallene Schloss in Steinort in Masuren
Das verfallene Schloss in Steinort. Foto: Frank Hilbert Verwahrlost sieht das ehemalige Domizil der ostpreußischen Junkerfamilie von Lehndorff im masurischen Steinort (dem heute polnischen Sztynort) aus. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. Der Putz bröckelt, vom Balkon an der vorderen Fassade ragen nur noch ein paar Balken in der Luft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schlösschen als Verwaltungsschule eines staatlichen Landwirtschaftsbetriebes und später von einer Segelschule genutzt. Im Jahr 1998 erwarb das private Unternehmen T.I.G.A. Marina GmbH das Schloss und die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude. Die geplante Sanierung des historischen Bauwerks überforderte die Firma jedoch. Die Finanzen reichten gerade für eine grobe Renovierung des rechten Schlossflügels aus. Nur noch die großzügig angelegte, heute ungepflegte Parkanlage mit ihren uralten, Schatten spendenden Eichenalleen zeugt noch von der ursprünglichen Pracht der gräflichen Anlage am Mauersee.


Die ersten Alleen wurden in Steinort bereits im 17. Jahrhundert angelegt. Der Legende nach wurde bei jeder Geburt eines Kindes im Hause Lehndorff traditionsgemäß eine Eiche gepflanzt. Im Laufe der Jahrhunderte kam eine beachtliche Anzahl der ehrwürdigen Baumriesen zustande. Jeder Spross und Erbe der in Steinort ansässigen Familie Lehndorff sah es als seine Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen an, hier einen sichtbaren Abdruck seines Wirkens zu hinterlassen. So lesen wir in den Tagebüchern des Grafen Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff (1727 - 1811): „Mit süßem Behagen genieße ich das Landleben, das ich tausendmal angenehmer find, als ich es mir gedacht hätte. Ich lasse im Garten einige Veränderungen vornehmen, lasse Alleen aushauen und bin so mit Leib und Seele bei diesen Arbeiten, dass ich mit Josua ausrufen möchte: Sonne, bleibe stehen!“ Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff, der Kammerherr von Elisabeth Christine von Preußen, der Gemahlin Friedrich II. war, verdienen wir recht intime und zum Teil sehr amüsante und bissig kommentierte Einblicke in den Alltag am Königshof in Berlin.

Viele lustige Geschichten über den wohl kauzigsten Schlossherren von Steinort, Carol von Lehndorff (- 1936), erzählen die mit dem Hause Lehndorff verwandten Grafen Marion Dönhoff und Alexander zu Dohna-Schlobitten in ihren Erinnerungen. Der vergnügte, eingefleischte Junggeselle Carol Lehndorff verwirtschaftete das Gut, ließ das Schloss verkommen und hielt gern deftige Saufgelage ab.

Der letzte und wohl berühmteste deutsche Besitzer von Steinort, Heinrich von Lehndorff (1909 – 1944), war aktives Mitglied des Widerstands gegen Hitler. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler in der benachbarten Wolfsschanze wurde er am 4. September 1944 in Berlin-Plötzensee gehenkt. Seine Frau und die Kinder wurden in Sippenhaft genommen und von Steinrot vertrieben.

Im Dezember 2009 schenkte die T.I.G.A. das Schloss der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, die nun bemüht ist, die erforderlichen Mittel für die Sanierung des Schlosses zu beschaffen. Die Bundesregierung beteiligte sich bereits mit 60 Tausend Euro an dem Vorhaben. Eine Gruppe deutscher und polnischer Historiker, Architekten und Denkmalpfleger nahm auch Kontakt zu Heinrich Lehndorffs Tochter, Vera von Lehndorff, auf. Dieses in den 1960ern berühmte Model besuchte 2007 den ehemaligen Familiensitz zum ersten Mal seit der Vertreibung der Familie im Jahr 1944 wieder und möchte nun die Sanierung des Schlosses mit unterstützen.

Im Herbst 2011 soll mit der Instandsetzung des Daches begonnen werden. Die Sanierungsarbeiten werden bis in das Jahr 2012 andauern. Erst anschließend beginnen die eigentlichen Restaurierungsarbeiten, die rund 6 Millionen Euro kosten werden. (bw)

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Landkarte:

Landkarte Steinort

Wirtschaft:

Touristmus, Landwirtschaft

Einwohner:

ca. 170

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