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Ausgegeben am
Montag, dem 12.05.2008, um 18:16 Uhr.

Unter den Knochen gibt es eine ganze Reihe anatomischer Kuriositäten. Die Nonne zeigt den Schülern einen Oberschenkelknochen mit einem Loch. Ein glatter Durchschuss. Ein anderer Oberschenkelknochen ist nach einem Bruch falsch zusammengewachsen. „Das Bein, zu dem dieser Knochen gehörte, war ungefähr 15 Zentimeter kürzer als das andere“, erzählt die Nonne.
Die Führung für die Schüler ist beendet. Alle verlassen die kleine Kapelle und das Tor wird verschlossen, bis die nächste Schüler- oder Touristengruppe kommt. Vor der Tür s cheint die Sonne. Gegenüber der Kapelle sitzen Schüler aus Ungarn und zeichnen die Kapelle und den daneben stehenden Glockenturm aus dem Jahr 1603. Ein junger Lehrer geht von Schüler zu Schüler, begutachtet die Zeichnungen und gibt Tipps.
Deutsche Rentner verschwinden gerade in der St.-Bartholomäus-Kirche (1776). An den Wänden hängen nur einige wenige Bilder, sodass der Innenraum der Kirche bei den Besuchern einen offenen und hellen Eindruck hinterlässt. Zwischen den Gräbern auf dem Friedhof hinter der Kirche bewegt sich ein deutsches Ehepaar. „Du musst auf die Sterbedaten schauen“, weißt sie ihren Mann an. Beide sind um die 70 Jahre alt und scheinen „Heimwehtouristen“ zu sein. So nennt man die Deutschen, die nach Polen kommen und nach den Spuren ihrer Jugend oder ihrer Vorfahren suchen, die in Polen bis zum Ende des II. Weltkrieges lebten.
Neben der Kasse, an der Besucher die Eintrittskarten für die Schädelkapelle und Andenken kaufen können, wurde eine unscheinbare Erinnerungstafel mit Fotos von Gerhard Hirschfelder angebracht, der zwischen 1935 und 1939 Kaplan in Grenzeck war und 1942 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde. Wegen seiner erfolgreichen Jugendarbeit (Er war Jugendseelsorger des Generalvikariats Glatz.) und seiner regimekritischen Äußerungen in seinen Predigten denunzierte der NS-Ortsgruppenleiter von Grenzeck den Pfarrer bei den Nazis. Ein Verfahren gegen Hirschfelder wurde im Mai 1938 infolge des Straffreiheitsgesetzes eingestellt. Im Juli 1941 prangerte Hirschfelder in einer Predigt die mutwillige Zerstörung eine Marienbildstocks in Halberschwerdt an. Daraufhin verhaftete ihn die Gestapo und deportierte in das Konzentrationslager Dachau, wo er am 1. August 1942 an Entkräftung starb. Auf seinem Totenschein wurde als Todesursache eine "Rippenfellentzündung" eingetragen. Seine Urne wurde in Grenzeck beigesetzt. (Frank Hilbert)