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Riesengebirge - Rübezahl

Rübezahl ist der Berggreist des Riesengebirges. In den Geschichten über ihn ist er freundlich gegenüber guten Menschen. Er bestraft die Bösen, Habgierigen und diejenigen, die ihn verspotten.

Darstellung des Rübezahl von Martin Helwig aus dem Jahr 1561
Darstellung des Rübezahl nach einer Zeichnung von Martin Helwig aus dem Jahr 1561. Foto: Frank Hilbert

Der Sage nach wurde Rübezahl als Liebhaber verschmäht. Der Berggeist verliebte sich in Emma, "die Tochter des schlesischen Pharao, der in der Gegend des Riesengebirges damals herrschte". Sie hatte sich in das Reich des Rübezahl verirrt und war fortan seine Gefangene. Doch die Prinzessin hatte ihr Herz bereits an einen anderen verloren, an den Prinzen Ratibor. Schließlich ersann sie eine List, die ihr zur Flucht verhelfen sollte. Als Beweis für seine Liebe sollte Rübezahl die Rüben auf seinem Feld zählen, "denn das ist die Probe, woran ich deine Treue prüfen will". Rübezahl zählte und verzählte sich, denn "ein Mädchenideal kann den besten arithmetischen Kopf verwirren". Unterdessen verwandelte Emma eine kräftige Rübe in Ross mit Sattel und floh zu ihrem Geliebten. Die beiden heirateten und der Prinz erbaute eine Stadt, die nach ihm benannt wurde: Ratibor. "Und die Inwohner der umliegenden Gegenden, die den Nachbar Berggeist bei seinem Geistesnamen nicht zu nennen wußten, legten ihm einen Spottnamen auf, riefen ihn Rübenzähler oder kurzab Rübezahl." Die Sage aufgeschrieben hat der Weimarer Hofmeister Johann Karl August Musäus (1735-1787) in seinen "Legenden aus dem Riesengebirge", herausgegeben 1783.

Ob der Name des Berggeistes wirklich von dieser Sage abgeleitet wurde, ist nicht bekannt. In früherer Zeit trug der Berggeist mehrere Namen. Die Polen nennen ihn Duch Gór, Karkonosz, Rzepiór, Rzepolicz, Liczyrzepa, die Tschechen Krakonoš, Krkonoš und Herr Johann (Dominus Johannes). Die älteste Abbildung von Rübezahl findet sich auf einer Landkarte von Martin Helwig aus dem Jahr 1561. Helwig hat Rübezahl als Greifen mit Hirschgeweih und einem Stock in der Hand abgebildet.

Ihren Ursprung hat die Figur des Rübezahl wahrscheinlich in heidnischer Zeit, als für die Menschen die Berge mit ihren undurchdringlichen Wäldern und den widrigen Witterungsbedingungen noch eine Gefahr darstellten und sie sich viele Naturerscheinungen nicht erklären konnten. Der Auftritt des Berggeistes ist oft mit Blitz und Donner verbunden. In "den Legenden vom Rübezahl" von Johann Karl August Musäus ist Rübezahl "launisch, ungestüm, sonderbar, bengelhaft, roh, unbescheiden, stolz, eitel, wankelmütig, heute der wärmste Freund, morgen fremd und kalt". Erst im Laufe der Zeit ist aus dem unberechenbaren Rübezahl ein Berggeist geworden, der den guten Menschen hilft.

Es gibt eine Vielzahl von Büchern mit den Geschichten über Rübezahl. Seit Touristen ins Riesengebirge kommen, ist Rübezahl ein wichtiges Marketinginstrument. Er ist auf unzähligen Ansichtskarten und Abzeichen abgebildet. An einem Haus in Krummhübel (Karpacz), unterhalb der Kirche Wang, schmückt sein Bild eine Hauswand. (fh)