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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 18.16 Uhr.

Im 19. Jahrhundert zwang die Not viele von ihnen zur Emigration ins Ruhrgebiet, wo sie Arbeit im Bergbau aufnahmen. Die masurische Kultur pflegten sie auch in Westfalen weiter. So gründeten sie zum Beispiel eigene Verbände wie die Gebetsvereine (in denen sie sich auch intensiv dem Studium der Bibel widmeten) namens „gromadki“, die teilweise bis zum heutigen Tag bestehen.
Nach dem Ersten Weltkrieg bekämpften die deutschen Behörden massiv die masurische Sprache und Kultur. Die masurischen Traditionen wurden als rückständig und der deutschen Kultur unterlegen angesehen. Die Verachtung und Überheblichkeit, mit denen die Deutschen der masurischen Lebensweise begegneten, drückte der zu jener Zeit in Ostpreußen weit verbreitete radebrechende Spott „Wo sich aufhört die Kultur, da sich anfängt der Masur“ aus. Selbst Marion Gräfin Dönhoff schreibt 1941 in ihrem "Ritt durch Masuren":
"Die Leute sind so ganz ohne Bedürfnisse und Ehrgeiz. Es ist offenbar schwierig, sie zur Arbeit zu bringen. Sie tun grundsätzlich nur so viel, wie nötig ist, um gerade den Lebensunterhalt zusammenzubringen. [...] Dass sie angeblich stehlen wie Raben und ständig Streit miteinander haben, wundert einen nicht, wenn man hört, wie kärgliche Frucht ihnen der Acker trägt. [...] Ausgewachsene Männer, die tagaus, tagein nichts anderes tun als mit einer armseligen Kuh umher zu ziehen und sie irgendwo am Wald oder Wegerand zu hüten."
Auf der Friedenskonferenz von Versailles beschlossen die Alliierten 1920 ein Plebiszit (eine Volksabstimmung) über die Gebietszugehörigkeit Masurens. Bald darauf bildeten sich deutsche Schlägertrupps, die mit Terror diejenigen einschüchterten, die offen ihre Sympathie für Polen bekundeten. Wer seine Kinder in eine polnische Schule schickte, polnische Presse abonnierte oder polnischsprachige Gottesdienste besuchte, dem drohten zahlreiche Sanktionen (Amtsenthebung, Verlust von Arbeit oder staatlicher Subventionen) oder offene Gewalt. Der Druck zeigte Erfolg. Etwa 95 % der Masuren (Man sollte an dieser Stelle hinzufügen, dass auch diejenigen abstimmen durften, die bereits ins Ruhrgebiet oder in andere Teile Deutschlands ausgewandert waren.) für den Verbleib Masurens bei Ostpreußen und nur ca. 5 % sprachen sich für eine Angliederung an Polen.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das südliche Ostpreußen - zusammen mit der Region Masuren - an Polen angegliedert. Die Deutschen wurden aus Ostpreußen vertrieben und polnische Vertriebene aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten fanden hier ihre neue Heimat. Die Masuren wurden als so genanntes "unsicheres Element" unter den Bürgern der Volksrepublik Polen von der kommunistischen Regierung mit Misstrauen behandelt. Sie galten als Deutsche und wurden als solche staatlichen Schikanen unterzogen. Infolgedessen emigrierten in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ca. 160.000 Masuren in die Bundesrepublik. Viele von ihnen wurden vom polnischen Staat ausgewiesen. (bw)