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Ausgegeben am
Freitag, dem 03.09.2010, um 16:33 Uhr.

Ausgeklügeltes Verteidigungssystem
Im Mittelalter galt die Marienburg als uneinnehmbar. Sie bestand aus drei Teilen:
Die einzelnen Festungsteile waren von Ringmauern umgeben, die so angelegt waren, dass sich jeder einzelne Teil selbstständig verteidigen konnte. Die Tore und Durchgänge waren mit Fallgittern, Torzwingen, Wehrgängen, Pechnasen und Schießscharten versehen. Trotzdem ging die Burg 1457 in polnischen Besitz über. Als der Orden seine Söldnertruppen, die die Burg verteidigten, nicht bezahlen konnte, nahmen sie kurzerhand die Ordensburg als Pfand. Der Anführer der böhmischen Söldner, Oldrich Crvenk aus Leditz, verkaufte die Burg an König Kasimierz Jagiełło für 190.000 ungarische Floren. Der letzte noch residierende Hochmeister, Ludwig von Erlichhausen, verließ die Burg am 7. Juni 1457. Am darauffolgenden Tag zog der polnische König ein. Die Stadt Marienburg dagegen ging erst im Jahr 1460 in polnischen Besitz über, nachdem sie von polnischen Truppen belagert worden war.
Sitz hoher polnischer Beamter
In den folgenden drei Jahrhunderten war die Marienburg Sitz hoher polnischer Ämter: z. B. des Marienburger Starosten und des Schatzmeisters. Im Hochmeisterpalast residierten die polnischen Könige, wenn sie sich in Pommern aufhielten. Schwere Verwüstungen richteten die Schweden im 17. Jahrhundert an. 1644 brannte das Dach des Hochschlosses ab. Infolge des Brandes büßte das Schloss seine gotischen Giebel und die Kreuzgänge im Innenhof ein.
Nach der Teilung Polens 1772 ging die Burg in den Besitz Preußens über und wurde sofort zu einer Kaserne umfunktioniert. Allerdings hatte die Burg seine Bedeutung als Festung eingebüßt. Preußen plante sogar ihren Abriss. Aus dem so gewonnenen Baumaterial sollten Lager errichtet werden. Dazu kam es aber nicht. Ein 1799 von Friedrich Gilly veröffentlichter Bildband weckte das öffentliche Interesse für die Marienburg. Schließlich wurde beschlossen, die Marienburg wieder zu restaurieren. Die Restaurierungsarbeiten begannen 1817 und dauerten bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges an.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Jahr 1945 wurde wurde die Marienburg von den Nazis zur Festung erklärt und gegen die heranrückende sowjetische Armee verteidigt. Die Folge: 50 Prozent der Bausubstanz der Marienburg waren zerstört. „Eine Wahnsinnsentscheidung der Deutschen war die Verwandlung der Marienburg zur Festung. Nicht zu dem Zweck haben wir sie mit von Schön und Steinbrecht wiederhergestellt“, schrieb Bernhard Schmid 1946, der bis Kriegsende Westpreußischer Denkmalkonservator und Leiter des Preußischen Bauamtes war.
Mit dem Wiederaufbau begannen polnische Restauratoren 1961. Heute steht die Marienburg auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. (Frank Hilbert)
