Fotos: Barbara Woyno
Lublin hat italienisches Flair. An warmen Sommertagen sitzen die Menschen unter den Sonnenschirmen der Cafes, und im Park der Stadt, beim Pi³sudski-Denkmal, treffen sich die älteren Männer zum Plaudern und Schachspielen.
Ein Teil der historischen Altstadt ist während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. Mit großer Sorgfalt haben die Lubliner sie in zehnjähriger Arbeit originalgetreu wiederaufgebaut. So können die Touristen heute die vielen Architekturdenkmäler bewundern. Zu den schönsten zählen das Rathaus aus dem 14. Jahrhundert, das zuletzt 1748 im klassizistischen Stil umgebaut wurde, und die Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert.
Dreifaltigkeitskirche
Auf einem Hügel über der Stadt thront die Burg. Das älteste Gebäude innerhalb der Burg ist der runde Turm, der im 13. Jahrhundert aus Sandstein erbaut wurde. Wirklich beeindruckend ist jedoch die russisch-byzantinische Polychromie (bunte Malerei) an den Kapellenwänden der im gotischen Stil errichteten Dreifaltigkeitskirche - einmalig in Polen. Die Dreifaltigkeitskirche entstand vermutlich auf Veranlassung von König Kazimierz Jagielloñczyk (Jagie³³o) um 1400. Den Auftrag erhielt eine Gruppe russischer Maler unter der Leitung von Meister Andrej. Die Malereien zeigen sakrale Szenen, haben aber auch weltliche Motive zum Inhalt. So zeigt beispielswiese ein Bild König W³adys³aw Jagie³³o auf einem Pferd. Die russische-byzantinische Polychromie wurde später (zwischen 1823 und 1826) verputzt und erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt. Noch Ende des 19. Jahrhunderts entfernten Restauratoren den Putz. 1917 begannen die Konservierungsarbeiten, die - mit Unterbrechungen - bis 1997 andauerten.
Jüdisches Leben in Lublin
Die Freifläche vor der Burg, der Burgplatz, erhielt seine heutige Gestalt erst in den 50er Jahren. An dieser Stelle befand sich bis 1942 das dicht bebaute jüdische Viertel mit Einrichtungen der jüdischen Gemeinde und einer Synagoge. 1942 ordneten die deutschen Besatzer den Abriss des Viertels an, nachdem sie die jüdischen Bewohner in die Vernichtungslager geschickt hatten. In Lublin lebten vor dem II. Weltkrieg 43.000 Juden, über 30 Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt.
Im Stadtteil Majdanek haben die deutschen Besatzer 1941 ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene errichtet, das ab 1943 als Konzentrationslager diente. 250.000 bis 360.000 Gefangene ermordeten die Deutschen in den Gaskammern. Nach dem Krieg nutzten die Sowjets das Lager weiter und internierten dort Angehörige der polnischen Heimatarmee (AK). Heute befinden sich auf dem Gelände eine
Gedenkstätte und ein Museum.
Leben im alten Lublin
Den Schweden Sven Hedin verschlägt es während des I. Weltkrieges nach Lublin. Seine Eindrücke schildert er in seinem 1915 in Stockholm erschienenen Buch "Kriget mot Ryssland" (Krieg gegen Russland, Übersetzung aus dem Schwedischen von Alexander Molter):
"Am folgenden Morgen verlasse ich mit dem österreichischen Hauptmann Neumann die Erzherzöge und Koz³ówka, um Lublin zu sehen, wo mich Ganghofer abholen soll. Lublin ist wirklich eine im allerhöchsten Grade pittoreske Stadt. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 70.000. Der neue Stadtteil mit vielen feinen Häusern liegt um den Ringplatz herum, wo sich nun das Oberkommando der 11. Armee befindet.
Wenn man vom Markt nach Osten geht, kommt man zu einer besonders schönen, bogenförmigen alten Pforte mit einem stämmigen Turm darüber. Dort hat man das Rathaus mit seiner Säulenfassade zur linken und zur rechten, obgleich etwas weiter vorn, die Kathedrale, aus deren mächtigem Glockenturm die Russen die Glocke geplündert haben.
Ein Stück weiter in derselben Richtung erhebt sich auf einem Hügel der alte Bischofspalast, der sowohl durch seine Länge als auch durch seine solide Architektur lebhaft an einen tibetanischen "Labrang" erinnert. Die Zitadelle mit ihrer von Zinnen gekrönten Mauer thront auch auf einer Anhöhe und dient nunmehr als Gefängnis.
Zwischen der Pforte, der Kathedrale und der Zitadelle befindet sich das Ghetto der Juden, ein Labyrinth enger Gassen in einem koupierten Terrain und Häusern, die gelb, hellrot oder rot angestrichen und mit Eisenbalkons versehen sind, wo Lea und Rebecka und ihre Schwestern sich den Tag damit vertreiben, dass sie dem Leben zusehen. Diese Gassen und Häuser und mit ihrer alttestamentarischen Staffage animieren im höchsten Maße dazu, sie mit dem Stift auf Papier zu bannen. Wohin man sich auch wendet, finden sich interessante Perspektiven und man bliebe gerne und zeichnete, hätte man nur Zeit."
Das Zamoyski-Schloss
Etwa 35 Kilometer von Lublin entfernt - im Dorf Koz³ówka - befindet sich das Zamoyski-Schloss aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das im Barock-Stil errichtete Gebäude wurde in den Jahren zwischen 1898 und 1911 noch einmal umgebaut. Es erhielt Öfen aus Meißner Porzellan und kunstvolle Parkettfußböden. Und die Schlossbesitzer statteten es mit den Annehmlichkeiten der Zivilisation aus: Wasserleitungen, Kanalisation und Bäder. Die Kapelle, für deren Bau die Schlosskapelle in Versailles als Vorbild gedient hatte, erhielt eine Fußbodenheizung. Besonders wertvoll ist das Schloss mit seiner Parkanlage und den Wirtschaftsgebäuden, weil die Inneneinrichtung und die Bildersammlung beinahe vollständig erhalten sind. (Frank Hilbert)
Landkarte:

Wetter:
Wirtschaft:
Lebensmittel- industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, Metallverarbeitung
Einwohner:
Hauptstadt der Wojewodschaft Lublin mit rund 350.000 Einwohnern
Bildung:
staatliche und katholische Universität, zwei botanische Gärten
Flughafen:
Flughafen Warschau
Weiterführende Links
www.um.lublin.pl
Transportschiff "Lublin" der polnischen Marine