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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Lemberg (Lwiw, Lwów) - Hauptstadt des Bezirks Lemberg in der Ukraine

Die schweren Wolken des Vortages haben sich in der Nacht über den Bergen abgeregnet. Die Luft ist mild an diesem Morgen. Zarte Nebelschleier schweben über dem Stausee von Solina, einem kleinen Ort im Südosten von Polen. Es ist fünf Uhr in der Frühe. Solina schläft noch, nur die Vögel zwitschern um die Wette. Ab und an knattert ein Lieferwagen an uns vorbei. Ausgestattet mit Proviant für einen ganzen Tag warten wir an der Bushaltestelle auf den polnischen Reisebus, der uns nach Lemberg in der Ukraine mitnehmen soll.

Bürgerhäuser auf dem Marktplatz von LembergPolen Fotos
Bürgerhäuser auf dem Markt von Lemberg (Lwiw, Lwów) in der Ukraine. Fotos: Frank Hilbert
Fünf nach fünf rollt die stählerne Ameise an. Wir sind die letzten Passagiere, die an diesem Morgen von den verschiedenen Sammelstellen in den kleinen Ortschaften der Waldkarpaten aufgelesen werden. Die anderen Mitreisenden schlummern bereits wieder in ihren Sitzen, ihre Köpfe lehnen schwer an den beschlagenen Fensterscheiben. Der quirlige Reiseleiter begrüßt uns, fragt, ob wir auch ganz bestimmt die Reisepässe eingesteckt hätten und hakt unsere Namen auf seiner Liste ab. Bis zum Grenzübergang in Krościenko ist es nur noch ein Katzensprung. Kurz vor der Grenze erhalten wir von unserem Reiseleiter Instruktionen, damit die Grenzkontrolle möglichst reibungslos verläuft. Jeder von uns bekommt ein Formular in die Hand gedrückt, in dem er neben den eigenen Personalien unter anderem auch den Zweck und das genaue Ziel der Reise angeben muss. Wir werden angehalten, alle Rubriken auszufüllen. "Falls Ihnen nichts einfällt oder die eine oder andere Frage Ihnen missfällt, dann tragen Sie einfach Ihre Schuhgröße ein. Hauptsache, da steht etwas. Die Ukrainer machen nur Probleme, wenn sie auf dem Zettel ein leeres Feld sehen. Und Probleme können bedeuten, dass sie uns mehrere Stunden an der Grenze schmoren lassen - oder gar zurückschicken. Wenn wir Glück haben, winken sie uns gleich durch", erklärt der Reiseleiter.

Interessante Hologramme

Wir haben kein Glück. Ein ukrainischer Grenzbeamter weist uns an, aus dem Bus auszusteigen. Im Gänseschritt müssen wir durch die untergeschossige und fast fensterlose, aber hochmoderne und fliesenglänzende Halle der Grenzstation durchmarschieren. Diese ist wohl deshalb so neu und modern, weil sie von EU-Geldern finanziert worden ist. Schließlich befinden wir uns am besonders gesicherten Außenposten der Europäischen Union. Die schnittigen polnischen Grenzer lächeln bei unserem Anblick freundlich und ein wenig gelangweilt. Die Ukrainer mustern uns dagegen sehr genau. Eine blondierte, gold beringte Matrioschka in grüner Uniform kontrolliert resolut unsere Pässe und zieht sie durch ein Lesegerät. Es geht recht zügig voran, bis Frank seinen Reisepass vorzeigt. Weniger die Tatsache, dass es einen Deutschen an die polnisch-ukrainische Grenze verschlagen hat, macht die Zöllner neugierig, sondern der neue biometrische Pass meines Mannes ist es, der für einen kleinen Auflauf in der Grenzstation sorgt. Gleich drei ukrainische Kollegen gesellen sich zu der blondierten Dame, blättern das Dokument Seite für Seite durch und halten die einzelnen Hologramme gegen das Kunstlicht. Vermutlich ist es das erste Mal, dass sie einen biometrischen Pass in den Händen halten. Letztendlich bekommt aber auch Frank einen Einreisestempel, und nach Erledigung weiterer epidemiologischer und tierärztlicher (!) Formalitäten tuckern wir mit dem Bus auf der holprigen ukrainischen Straße weiter in Richtung Lemberg. 120 Kilometer liegen noch vor uns.

Fruchtbares Land liegt brach

Wir sind in der Westukraine, dem Landesteil, der bis 1939 zu Polen gehörte. Nicht weit von hier muss das Gut meiner Urgroßeltern gewesen sein. "Schwarzerde, überaus fruchtbar. Der Weizen wog sich im Wind bis an den Horizont", höre ich immer noch meine Großmutter in Erinnerungen schwelgen. Heute liegen die weiten Felder brach, die Wohnhäuser und Stallungen sind verfallen. Zu Sowjetzeiten wurde die Landwirtschaft kollektiviert, die ehemaligen polnischen Landbesitzer vertrieben, nach Sibirien deportiert oder umgebracht. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung der Kolchosen fühlt sich anscheinend niemand mehr verantwortlich. Die Ursachen hierfür sind weniger in Unfähigkeit oder Antriebslosigkeit, als vielmehr in der Armut der ukrainischen Bevölkerung zu suchen, die uns an diesem Tag noch häufig augenscheinlich wird. Um Häuser zu renovieren braucht man Baumaterial, um Felder zu bestellen Maschinen, Saatgut und Dünger. Doch woher nehmen und nicht stehlen?

Goldene Zahnkronen

Auf halber Strecke zwischen der Grenze und Lemberg liegt das Städtchen Sambir (polnisch: Sambor). Es ist Markttag. Unser Busfahrer manövriert das große Gefährt geschickt an Kleintransportern und Ständen mit schweren Brotlaiben, mit Gemüse und allerlei Getier, vorbei. Es gibt nichts, womit nicht gehandelt wird. Eine wohlbeleibte Babuschka mit buntem Kopftuch, die ein ebenso rundes Schwein am Seil führt, winkt unserer Reisegesellschaft fröhlich zu und entblößt dabei ihre goldenen Zahnkronen. Hinter Samir wird die Straße ein wenig besser, was bedeutet, dass es einen Asphaltbelag gibt, wenn auch mit Schlaglöchern übersäht. Hier und da schimmern zwischen den Bäumen die goldenen Zwiebelkuppeln der kleinen orthodoxen Dorfkirchen hindurch.

Gegen 9 Uhr erreichen wir Lemberg. Die Fahrt ins Zentrum an den intakten Reihen großherrschaftlicher Jugendstilhäuser, an großzügig angelegten, breiten Alleen und weitläufigen Parkanlagen vorbei bildet einen unerwarteten Kontrast zu der ländlichen Einöde. Der Bus hält kurz vor dem gläsernen Vorbau des sezessionistischen Hauptbahnhofs. Ein junger Mann springt flink hinein, und schon sprudelt es durch die Buslautsprecher einen Wasserfall von Informationen zu Stadt und Geschichte. Der Historiker Jarek, Ukrainer mit ausgezeichneten Polnischkenntnissen und gebürtiger Lemberger, wird uns von nun an auf unserer Erkundungstour begleiten.

Auf dem Łyczakowski-Friedhof

Erste Station und für polnische Touristen obligatorische Sehenswürdigkeit ist der im 18. Jahrhundert angelegte Łyczakowski-Friedhof, ein Denkmal für Kleinarchitektur und Bildhauerei aus über zwei Jahrhunderten. Berühmte polnische Persönlichkeiten aus Kultur und Politik Lembergs haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die ukrainischen Nationalisten ließen zwar nichts unversucht, die Spuren der polnischen Geschichte der Stadt auch hier zu verwischen. Sie zerstörten zahlreiche historische Grabstätten oder gaben sie einfach dem Verfall preis. So manch eine polnische Gedenkstätte, wie zum Beispiel die Parzelle, wo die Gefallenen des Januaraufstands von 1863 bestattet worden sind, konnte nur die Natur vor der Vernichtung retten. Im Laufe der Jahrzehnte wucherten die nicht mehr gepflegten Zugangswege so extrem zu, dass sich die Gräber den Blicken der blinden Zerstörungswut entzogen. Sie gerieten in Vergessenheit und konnten auf diese Weise bis in den heutigen Tag fast unversehrt überdauern.

Friedhof der Adlerjungen

In der 1970-ern komplett vernichtet und im Zuge der ukrainisch-polnischen Annäherung der letzten Jahre wieder aufgebaut wurde dagegen die größte Attraktion der Lemberger Nekropole: der Friedhof der Adlerjungen (polnisch: "Cmentarz Orląt" oder auch "Cmentarz Obrońców Lwowa"). Bei den "Adlerjungen", die hier bestattet worden sind, handelt es sich um polnische Kämpfer, die in der Zeit ukrainisch-polnischer Konflikte in den Jahren 1918-1920 bei der Verteidigung Lembergs gefallen waren. Zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde in Lemberg am 1. November 1918 die Westukrainische Republik gegründet. Nach drei Wochen erbitterterter Kämpfe gegen die Ukrainer konnten die Polen die Herrschaft über die Stadt wiedererlangen.
Es waren überwiegend sehr junge Menschen, kaum älter als 20 Jahre, die bei den Kämpfen ihr Leben ließen. Die älteren Jahrgänge befanden sich noch auf den in ganz Europa verstreuten Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Zunächst hat man die Toten auf dem Gelände der Technischen Hochschule beerdigt, im April 1919 wurden die Gräber auf einen neu angelegten Militärfriedhof direkt neben dem alten Łyczakowski-Friedhof umgebettet. In den darauf folgenden Jahren erweiterte man etappenweise den Friedhof um einige Monumente: eine Kapelle, Katakomben, Kolonnaden und einen Triumphbogen mit zwei Löwenstatuen und der Inschrift (1932) "Mortui sunt, ut liberi vivamus" (Sie sind gestorben, damit wir leben können). Zu Füßen des Triumphbogens wurden fünf unbekannte Soldaten beerdigt. Die sterblichen Überreste dreier von ihnen wurden 1925 in das Grabmal des Unbekannten Soldaten nach Warschau überführt.

Die Rezuny - die Totschläger

Den Ukrainern war die monumentale Gedenkstätte, die sie als Ausdruck überheblicher Arroganz der polnischen "Pany" (Herren) und als Symbol Jahrhunderte währender Unterjochung der ukrainischen Bevölkerung durch die polnische Oberschicht ansahen, ein Dorn im Auge. Vom Augenblick der Annektierung der Stadt durch die Sowjetunion an begannen die ersten mutwilligen Übergriffe auf den Friedhof. Grabsteine wurden mit antipolnischen Parolen beschmiert, Steinplatten zertrümmert, die beiden steinernen Löwen, die vor dem Triumphbogen aufgestellt worden waren, gestohlen. Den Höhepunkt des Vandalismus (oder besser gesagt: des politisch gesteuerten Zerstörungswahns) markierte der 25. August 1971, als sowjetische Panzer anrollten und den Friedhof dem Erdboden gleich machten. Erst nach der politischen Wende 1989 konnten die noch in Lemberg verbliebenen Polen mit den Räumungsarbeiten beginnen. Langwierige Gespräche zwischen der polnischen und der ukrainischen Regierung führten schließlich zu einem Meilenstein der polnisch-ukrainischen Versöhnung. Unter der Teilnahme der Präsidenten Viktor Juschtschenko und Aleksander Kwasniewski wurde der polnische Militärfriedhof 2005 in einer feierlichen Zeremonie wieder eröffnet. Im Zuge eines Kompromisses errichteten die Ukrainer gleich neben dem polnischen Teil des Friedhofs eine Gedenkstätte für ukrainische Gefallene der Jahre 1918 bis 1920. Nach Jahrzehnten schwerster Auseinandersetzungen hat der Friedhof hoffentlich endgültig seine Kraft als Symbol gegenseitiger Ressentiments verloren. Mittlerweile ist ein großer Teil des Friedhofs originalgetreu restauriert worden. Als wir da waren, haben ukrainische Steinmetze die letzten Schönheitsarbeiten ausgeführt. "Ich werde oft von polnischen Besuchern gefragt, ob die Ukrainer nichts dagegen hätten, wenn sie auf der Straße die polnische Sprache hörten. Ich kann darauf nur antworten: Die Ukrainer juckt es überhaupt nicht, welche Sprache die Besucher sprechen. Die Leute hier haben ganz andere Sorgen", seufzt unser Begleiter Jarek. Bei seinen Worten fällt mir erneut meine Großmutter und ihr Zeit ihres Lebens bestehender Hass auf die ukrainischen "Rezuny" (Totschläger) ein. Ich schaue mir den gebildeten, amüsanten Jarek an, höre seiner erstaunlich objektiven Geschichtsdarstellung in geschmeidigen, fehlerfreien polnischen Sätzen zu und kann ihn mir beim besten Willen nicht als "Rezun" vorstellen. Auch im weiteren Tagensverlauf werde ich noch oft die Erfahrung machen, dass die Lemberger sehr wohlwollend auf die Besucher aus Polen und den Klang der polnischen Sprache reagieren.

König Jan Kazimierz flieht nach Lemberg

Vom Friedhof geht es mit dem Bus wieder zurück ins Zentrum. Wir steigen an der Deutschen Schule aus. Ihr wohl berühmtester Schüler war der Schriftsteller und Futurist Stanisław Lem, der die Schule in den 1930-ern besucht hatte. Über einen kleinen Platz mit dem Federow-Denkmal, wo täglich ein Bücherflohmarkt stattfindet, erreichen wir den historischen Markt aus dem 14. Jahrhundert. Bürgerhäuser mit ihren reich verzierten Fassaden umringen das klassizistische Rathaus. Wir gehen ein Stück weiter zum römisch-katholischen Dom und bestaunen im Innenraum das wundertätige Bildnis der Muttergottes. Hier hatte im Jahr 1656, während der sog. "Schwedenflut", der vor den schwedischen Truppen geflohene polnische König Jan Kazimierz in seiner Verzweiflung feierlich gelobt, für eine Verbesserung der Lage der Bürger und Bauern zu sorgen, falls es ihm gelänge, Polen von den schwedischen und russischen Fremdmächten zu befreien. Die Befreiung gelang, aber die frommen Vorsätze des Königs scheiterten am beharrlichen Widerstand des polnischen Adels.

Altarraum der Armenischen Kirche in Lemberg
Altarraum der Armenischen Kirche in Lemberg.

Kulturelle Vielfalt

Über Jahrhunderte war Lemberg ein Schnittpunkt verschiedener Ethnien und Kulturen. Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen lebten hier neben- und miteinander. Es gab zahlreiche Synagogen, protestantische, orthodoxe und katholische Gotteshäuser. Eine Besonderheit Lembergs war es, dass es hier gleich drei katholische Bischofssitze gab: einen römisch-katholischen, einen griechisch-katholischen und einen armenisch-katholischen. Ein besonderes Augenmerk verdient die armenische Gemeinde Lembergs. Die heute noch in Lemberg lebenden Armenier sind Nachfahren einer Gruppe, die im 11. Jahrhundert aus Ihrer Heimat vor türkischer und mongolischer Verfolgung geflohen waren. Die Armenier waren bereits seit dem 3. Jahrhundert Christen, machten sich aber im 5. Jahrhundert von der römischen Kirche unabhängig. Bis 1939 gab es auf dem Territorium der Republik Polen 18 armenische Gemeinden mit fast 4000 Gläubigen. Lemberg wurde zu ihrem wichtigsten religiösen und kulturellen Zentrum in der polnischen Diaspora, hier lebten sie auch in ihrem eigenen Viertel. Schon im Mittelalter erhielten die Armenier als eigene ethnische Volksgruppe von den polnischen Königen zahlreiche Privilegien. Sie betrieben einen regen Handel, wodurch sie schnell den Spitznamen "Juden des Osten" bekamen.

Ein magischer Ort

Im 13. Jahrhundert baute die armenische Gemeinde Lembergs die Kirche St. Anna, die im 14. Jahrhundert in den Rang eines Doms erhoben wurde. Zu Sowjetzeiten geschlossen und als Ikonenlager genutzt, erstrahlt sie heute wieder in ihrem alten Glanz und wird von der Gemeinde erneut als Gotteshaus genutzt und den Touristen zur Besichtigung freigegeben.
Die armenische Kathedrale ist ein magischer Ort, der die Besucher sofort in seinen Bann zieht. Gleich hinter dem unscheinbaren Eingang, der zwischen Wohnhäusern eingezwängt ist und keine Kirche dahinter vermuten lässt, befällt uns der Zauber bereits im großzügigen Vorschiff. Die schmalen Fenster lassen nur wenig Licht hinein. Die Düsternis hat aber nichts Bedrohliches. Im Gegenteil: Die alten, hohen Gemäuer strahlen eine kühle, wohlige, seit Jahrhunderten durch nichts erschütterbare Ruhe aus, die uns nach der großstädtischen Hektik angenehm einlullen. Meine Lider werden schwer, ich kann Jareks Ausführungen kaum noch folgen. Dabei verbirgt das Hauptschiff, das sich vorn zu einem durch eine Rundkuppel hell erleuchteten Altarraum verengt, eine weitere Attraktion: Die Wände schmücken pastellfarbene, ungewöhnlich modern erscheinenden Polychromien. Die modernistischen Fresken sind in den Jahren 1925-1929 entstanden. Sie sind das Werk des Lemberger Malers Jan Henryk Rosen. Die Heiligen, die hier in verschiedenen Szenen abgebildet wurden, tragen die Gesichtszüge bekannter Lemberger Bürger der Zwischenkriegszeit.
In dem winzigen, verglasten Kirchenladen, wo man Kerzen, liturgischen Krimskrams und Souvenirs erstehen kann, kaufe ich einen kleinen Bildband über die Kirche und wundere mich, dass die Dame, die mich dort bedient, so gut Polnisch spricht. "Unsere Armenier sind - bis auf ihren Glauben - seit Jahrhunderten stark polonisiert. Daran konnten auch die vergangenen Jahrzehnte nichts ändern", schmunzelt unser ukrainischer Reisebegleiter.

Prospekt Swobody

Wie verlassen das Armenische Viertel und erreichen die repräsentative Freiheitsallee: Prospekt Swobody ("Wały Hetmańskie"). Im Mittelalter verliefen hier die mächtigen Wehrmauern, die im Zuge der Stadtentwicklung der Straße weichen mussten. Am Anfang des Bolevards sehen wir das Denkmal des großen polnischen Dichters Adam Mickiewicz. Dahinter ist die Shilouette des bekannten, 1901 von einem Wiener Architekten entworfenen Hotels "George" zu erkennen. Zahlreiche Berühmtheiten, wie der Kaiser Franz Josef I., der polnische Staatsmann Józef Piłsudski, der Komponist Franz von Liszt und der polnische Tenor Jan Kiepura nächtigten hier. Hinter dem Rondell geht das viel befahrene Boulevard in eine weitläufige Fußgängerzone über. Die Bänke, die sie von beiden Seiten umsäumen, sind allesamt von älteren, Schach spielenden Männern besetzt. Es ist wohl ein Überbleibsel aus der sowjetischen Zeit, als das Schachspiel eine beliebte Freizeitbeschäftigung war.

Auf der rechten Seite steht das Denkmal des ukrainischen Nationaldichters Taras Schwetschenko, der ein Zeitgenosse Mickiewiczs war. Bis 1945 stand an dieser Stelle das Denkmal des polnischen Schriftstellers Bolesław Prus. Die vertriebenen polnischen Einwohner Lembergs nahmen das Denkmal in ihre neue Heimat Breslau mit.

Der Lemberger Parnass

Am Ende der Prachtmeile dominiert das Lemberger Opern- und Ballettheater, das zu den prachtvollsten in Europa zählt. Das Gebäude mit den drei von weitem sichtbaren Bronzefiguren über dem Hauptportal wurde in den Jahren 1897-1900 nach einem Entwurf von Zygmunt Gorgolewski, dem damaligen Rektor der technischen Hochschule der Stadt, erbaut. Der historistische Bau orientierte sich nach der Wiener Hofoper. Schon das prachtvolle Vestibül mit seiner weitläufigen Treppe und dem reichen Interieur verschlägt einem die Sprache. Wir sind überwältigt vom opulenten Anblick der Wände, die mit mehrfarbigen Marmor verkleidet und mit Ornamenten, Fresken, Statuen und Reliefs verziert sind. Im Spiegelsaal des Pausenfoyers entferne ich mich etwas von der Gruppe, um die in goldenen Stuck gefassten Deckenmalereien von M. Harasymowicz und die allegorischen Figuren von P. Wójtowicz in Ruhe zu betrachten. Der Zuschauerraum, den wir als nächstes sehen, ist ebenfalls reich geschmückt und verbirgt eine weitere Sehenswürdigkeit: den Bühnenvorhang von H. Siemiradzki, auf dem als Allegorie für den Sinn des menschlichen Lebens der Parnass, der Sitz der Musen, dargestellt ist. Dahinter verbirgt sich der eiserne, dem Feuerschutz dienende Vorhang mit dem Panorama der Stadt Lemberg zur Zeit der Erbauung des Theaters von dem Künstler S. Jasiński. (fh)

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