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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.07.2014, um 22.37 Uhr.


Die Lemken und Bojken


Innenraum einer Lemken-Kirche
Aus Holz geschnitzte Jesusfigur in einer Lemken-Kirche Fotos: Hilbert Die Lemken und Bojken

Die Niederen Beskiden und das Gebiet um Krynica herum wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg von den Lemken bewohnt, einem wallachisch-ruthenischen Hirtenvolk, das bereits im Mittelalter aus den Karpaten eingewandert war. Neben den Lemken existierten noch die Bojken, die sich im Bieszczady -Bebirge angesiedelt hatten. Sowohl die Lemken wie auch die Bojken waren griechisch-katholischen Glaubens (einige wenige waren orthodox), sie sprachen eine ukrainische Mundart. Die Unterschiede zwischen den beiden Volksstämmen waren geringfügig, sie äußerten sich hauptsächlich in der Art sich zu kleiden, Häuser zu bauen oder die Höfe zu bewirtschaften.


Leider verschonte der Zweite Weltkrieg auch diese beiden Volksgruppen nicht. 1944 wurde zwischen der UdSSR und der Polnischen Provisorischen Regierung ein Abkommen über einen Bevölkerungsaustausch geschlossen, in Folge dessen tausende Lemken und Bojken - meistens gegen ihren Willen - in die sowjetische Ukraine umgesiedelt wurden. Noch nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges führte die ukrainische Widerstandarmee UPA im Bieszczady-Gebirge Partisanenkämpfe gegen die Polen. Um den Ukrainern die Unterstützung seitens der Bergbewohner zu entziehen, entschloss sich die polnische Regierung zur Durchführung der nicht unumstrittenen "Aktion Weichsel" (akcja Wisla): Fast alle in den Beskiden und im Bieszczady-Gebirge noch lebenden Lemken und Bojken wurden nach Pommern, Masuren und Niederschlesien zwangsumgesiedelt. Ganze Dörfer und Landstriche in den Bergen verödeten, eine ganze Kultur wurde vernichtet.

Zu den schönsten Kirchen in der Gegend von Krynica gehören die in Wojkowa und in Szczawnik (Foto). Die Touristeninformation in Krynica bietet mehrstündige Busfahrten zu den griechisch-orthodoxen Kirchen in der Umgebung an. Leider ist die Führung nur auf polnisch. Auch wenn Sie polnisch nicht verstehen, sollten Sie eine der Fahrten mitmachen. Denn nur mit der Reisegruppe haben Sie die Möglichkeit, die Kirchen von innen zu bewundern. Viele der Kirchen sind ansonsten ausschließlich während der Gottesdienste geöffnet.

The Deer Hunter

In Westeuropa sind die Lemken relativ unbekannt. Kaum jemand weiß zum Beispiel, dass Andy Warhol ein aus dem slowakischen Ort Medzilaborce stammender Lemke ist. Wer einen Einblick in die Kultur der ethnischen Minderheit erhalten möchte, sollte sich den amerikanischen Film „The Deer Hunter“ (1978, ausgezeichnet mit fünf Oscars) ansehen. In ihm wurden Lemken von Christopher Walken, Robert de Niro und Meryl Streep gespielt. Eine der schönsten Szenen ist die Lemken-Hochzeit in Pittsburgh. Michel und Nick feiern die Hochzeit ihres Freundes Steven, bevor sie in den Vietnamkrieg ziehen. Aufsehen erregte der Film wegen seiner Russisch-Roulette-Szene, in der die Vietkong als Sadisten dargestellt werden. Bei den Berliner Filmfestspielen sorgte diese Szene, die als eine Metapher des Krieges interpretiert wurde, für einen Eklat. Die Vertreter der sozialistischen Staaten zogen ihre Beiträge zurück und verließen das Festival.

Der Maler Nikifor

Lemken-Maler NikiforDer berühmteste polnische Lemke war Nikifor (1895–1968), ein autodidaktischer Maler und Vertreter der naiven Malerei. Nikifor lebte in Krynica und war der Sohn einer taubstummen alleinstehenden Frau, die ihren Unterhalt in den Pensionen des Ortes verdiente. Nikofor war aufgrund seiner Sprachstörungen ein Außenseiter, der vom Betteln lebte. Wenn Passanten ihm Geld gaben, bedankte er sich mit kleinen Bildern. Künstler aus Warschau, die in den 1930er Jahren in Krynica ihren Urlaub verbrachten, erkannten das Talent von Nikifor und machten ihn bekannt.

Nikifor hat Zeit seines Lebens nie Lesen und Schreiben gelernt. Deshalb sind seine Bilder mit einer krakeligen Schrift signiert. Die Rückseiten vieler seiner Bilder sind aber auch mit einem Stempel "Pamiatka z Krynica" (Souvinir aus Krynica) oder "Nikifor Malarz" (Maler Nikifor) versehen. Seine Bilder sind in Krynica im Nikifor-Museum ausgestellt. Ausgestellt sind außerdem zahlreiche Gegenstände aus seinem Leben und Fotos, die Nikofor zeigen, z. B. auf Reisen nach Bulgarien. Nikifor verlassen wirkend  in einem Flugzeug. Die meisten seiner Bilder sind Aquarelle. Später kamen Gouachen und Zeichnungen mit Wachsmalstiften hinzu. Gemalt hat er Ansichten von Krynica und der näheren Umgebung. Kleine Symbole definieren oft bestimmte Gebäude. So hat er Ämter mit dem polnischen Adler gekrönt und über einem Tanzlokal tanz ein Pärchen.

Das Freilichtmuseum in Nowy Sącz

Einen Eindruck von der Kultur der Lemken erhält man im Freilichtmuseum in Nowy Sącz. Das Museum hat zahlreiche Lemken-Kirchen und -Häuser aufgekauft, abgetragen, auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut und mit dem original Inventar ausgestattet. (Barbara Woyno/Frank Hilbert)


Sehenswürdigkeit:

Freilichtmuseum (Sądecki Park Etnograficzny)
ul. Lwowska 226
33-300  Nowy Sącz
Tel.: +48 (0) 018 4443570
E-Mail: skansen@muzeum.sacz.pl
Internet: www.muzeum.sacz.pl

Stadtplan

Neu Sandez (Nowy Sącz), ul. Lwowska 226, 33-300 Neu Sandez (Nowy Sącz), ul. Lwowska 226, 33-300 Nowy Sącz (Google Maps)



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