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Ausgegeben am
Freitag, dem 09.05.2008, um 23:05 Uhr.

Tadeusz Boy-¿eleñski (1874-1941)
Geschichte auf Schritt und Tritt
Regungslos wie aus Stein gemeißelt steht sie da. Wer die "Biala Dama", die "weiße Dame", auf Krakaus altstädtischem Marktplatz "Rynek Glowny" beobachtet, der kann durch das Gurren Hunderter von Tauben, die unermüdlichen Rufe der Blumenhändler, das ineinanderfließende Tönen der Straßenmusikanten an jeder Ecke hindurch für einen kurzen Moment die Ruhe hören, die die weiß gewandete Mime ausstrahlt. Seit sie die Theaterbühne mit dem Platz vor der Marienkirche vertauschte und damit eine Krakauer Legende schuf, zieht sie an sonnigen Tagen die Augen von Touristen wie Einheimischen auf sich. So sehr, dass aus der Marienkirche zeitweise Beschwerden laut wurden.
Genießen lässt sich die Zeremonie in einem der zahlreichen Straßencafes in den Bürgerhäusern am Platz, mit Blick auf die Tuchhallen, eine der Hauptattraktionen der Stadt, den Rathausturm sowie das Denkmal für den Dichter Adam Mickiewicz. In der Vorweihnachtszeit können hier auch die bunten Krippen bewundert werden, die Krakauer Bürger für den jährlichen Krippenwettbewerb basteln.
Vom Markt aus, einem der größten mittelalterlichen Plätze Europas, führen elf Straßen in die Altstadt mit ihren Bürgerhäusern aus sämtlichen Epochen sowie zahlreichen Museen und Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen nicht zuletzt das älteste erhaltene Universitätsgebäude "Collegium Maius", die Franziskanerkirche mit Jugendstil-Wandmalereien und -fenstern, Krakaus erste barocke Kirche St. Peter und Paul sowie die mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Einen Besuch wert sind auch die stilvollen und traditionsbewussten Cafes, Bars und Restaurants, die nicht selten in Kellergewölben mit exquisiter Gastronomie aufwarten. Kennen muss man selbst in dieser stets von Musik durchzogenen Stadt jene Etablissements, wo die Krakauer unter Polens Musikgrößen wie der Jazzer Janusz Muniak auch auf dem heimischen Plattenteller ihren Platz haben.
Südlich der Altstadt erhebt sich der Wawel-Hügel mit dem früheren Königsschloss, das besichtigt werden kann und verschiedene Ausstellungen birgt (Erklärungen teils leider nur polnisch), sowie der Kathedrale. Von der Bergkuppe aus reicht der Blick übers Land und die moderneren Stadtteile Krakaus. Im östlich der Altstadt gelegenen ehemaligen Judenviertel Kazimierz ist die alte Synagoge hervorragend restauriert und als Museum gestaltet. Noch als Gotteshaus genutzt wird die Synagoge Remuh. Der sie umgebende, im Zweiten Weltkrieg leider teils zerstörte Friedhof ist einer der ältesten in Europa. Cafes und Restaurants in Kazimierz bieten jüdische Speisen und sind unter anderem Treffpunkt der rund 200000 Krakauer Studenten. Stadtführer wandeln auf den Spuren des Spielberg-Films "Schindlers Liste", der teilweise in Kazimierz gedreht wurde.
Nowa Huta, Krakaus größter Stadtteil, darf als Paradebeispiel sozialistischer Stadt- und Wohnraumplanung gelten. Erreichbar in der Umgebung Krakaus sind außerdem das Salzbergwerk Wieliczka, das Kloster Tyniec, die KZs Auschwitz und Birkenau sowie der Nationalpark Ojcow. (Christine Eichelmann)
