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Ausgegeben am
Montag, dem 08.09.2008, um 15:45 Uhr.

In der großen Nachfrage nach Spitzen im ausgehenden 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als es in den bürgerlichen guten Stuben zum guten Ton gehörte, die massiven Tische und Sofas mit feinen Spitzendeckchen zu zieren, entdeckten die Einwohner von Koniaków ein willkommenes Zubrot zu ihren ansonsten eher bescheidenen Einkünften aus der kargen Landwirtschaft. Schnell besann man sich wieder auf die lange Zeit stiefmütterlich behandelte oder nur für den privaten Gebraucht gepflegte Tradition. In beinahe allen Haushalten wurde um die Wette gehäkelt, wobei jede Hausfrau bemüht war, eigene, unverwechselbare Spitzenmuster zu entwickeln. „Und das nur in der ohnehin knappen Freizeit, neben der eigentlichen schweren Arbeit in Haus und Hof“, betont Zuzanna Gwarkowa. Bis heute hat daran nichts geändert.
Fast jedes Haus in Koniaków besitzt eine gesonderte kleine Stube, in der den Touristen kunstvolle Häkelarbeiten zum Kauf angeboten werden. Modifiziert wurde nur ein wenig das Angebot. Als mit der Moderne die Nachfrage nach traditionellen Spitzendeckchen abflaute, da ersannen die Spitzenmacherinnen gemeinsam etwas „Zeitloses“, das garantiert immer Absatz finden würde: Reizwäsche! Trotz stiller Entrüstung ihrer Männer und grollenden Donnerhagels des Dorfpfarrers häkelten sie sich mit ihrer pfiffigen Geschäftsidee unbeirrt in den Erfolg. So kann man heute neben den traditionellen Arbeiten auch wunderschöne BHs und Spitzenhöschen, die mehr ent- als verhüllen, in allen Farben und für alle Gelegenheiten erwerben. Man sollte nur volljährig sein. (bw)