Staatlich anerkannte und ermächtigte Übersetzerin
der polnischen Sprache (§ OLG Schleswig-Holstein)
Eckernförder Str. 73
24116 Kiel
Tel.: +49 (0) 431 - 1 22 77 65
Handy: +49 (0) 160 - 8 31 07 82
E-Mail: bw@polish-online.com
Internet: www.polish-online.com
Internetadresse der ausgedruckten Seite:
http://www.polish-online.com/polen/staedte/kloster-grabarka.php
Ausgegeben am
Dienstag, dem 13.05.2008, um 09:17 Uhr.

Die Augen gewöhnen sich nur mit Mühe an das Dunkel im Inneren der Kirche, deren blaue Wände mit kunstvollen Malereien geschmückt sind. Das schummrige Licht von Kerzen lässt die goldene Front der Ikonostase leuchten. Eine junge Nonne in dunklem Gewand mustert kritisch eine Besucherin und verlangt von ihr, dass sie die bloßen Schultern bedeckt. Sie ist eine von 20 Nonnen, die im Kloster leben. Das Kloster von Grabarka ist weitläufig, steht auf einem mit Kiefern bewachsenen Hügel, dem Heiligen Berg, und ist von einer weißen Mauer umgeben. Die Nonnen leben in einfachen Holzhäusern. Nur selten trifft man eine von ihnen. Seit 1947 leben sie im Kloster Grabarka. Vor dem II. Weltkrieg gab es zahlreiche orthodoxe Klöster in Polen. Ein Teil von ihnen liegt heute auf dem Gebiet Weißrusslands und der Ukraine. Die Klöster auf dem Gebiet des Nachkriegspolens wurden nach Kriegsende geschlossen. Lediglich hier in Grabarka erlaubte der Staat die Gründung eines orthodoxen Klosters.
Die Ruhe des idyllisch gelegenen Ortes wird jedes Jahr am 19. August (6. August) gestört, dem Fest der Verklärung Christi (Przemienienia Panskiego, Spasa). Dann kommen tausende Pilger aus Polen, der Ukraine und Weißrussland hierher, um ihr Glaubensbekenntnis zu erneuern. Sie bringen kleine und große Kreuze mit, in die ihre Wünsche geritzt sind. Bevor sie den heiligen Berg von Grabarka besteigen, waschen sie mit einem weißen Tuch ihre Körperteile. Das Wasser der Quelle soll vor Krankheiten schützen. Im 18. Jahrhundert - weiß die Legende zu berichten - soll das Wasser die Quelle die Menschen vor der Cholera bewahrt haben. Die weißen Tücher, die das Kranke aufgenommen haben, lassen sie an der Quelle liegen oder hängen sie in die Bäume. Später verbrennen die Nonnen sie. Nach der rituellen Reinigung besteigen die Pilger - zum Teil auf Knien - den Heiligen Berg. Den ganze Nacht vom 18. auf den 19. August beten sie und singen heilige Lieder. (Barbara Woyno/Frank Hilbert)