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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 17.00 Uhr.
Marktplatz von Kartuzy mit der früheren Martin-Luther-Kirche. Foto: Frank HilbertCharakteristisch für die Kaschubische Schweiz ist die Endmoränenlanschaft. Ausgedehnte Wälder und unzählige Seen machen den Reiz dieser Gegend aus. Im Zentrum der Kaschubischen Schweiz liegt Kartuzy, die ungeschriebene Hauptstadt der Kaschuben. Gegründet wurde der Ort im 14. Jahrhundert von den Kartäusern, die sich hier unter der Leitung von Johann Deterhus niedergelassen hatten und ein Kloster gründeten, das sie Marias Paradies nannten. Sie bauten zwischen 1403 und 1403 die Marienkirche, die in viel späterer Zeit ein barockes Dach erhielt. Die Innenausstattung ist vom Feinsten: flandrische Ledertapeten aus dem 17. Jahrhundert, eine Chorballustrade im barocken Stil aus dem Jahr 1640, ein Hochaltar aus der Renaissancezeit mit einer Darstellung von Maria Himmelfahrt (1639), der aus schwarzem Marmor und weißem Alabaster besteht. Die Kartäuser pflegten gute Beziehungen zur Hansestadt Danzig und zum Deutschen Orden. Das zahlte sich aus und das Kloster, das nur 45 km von Danzig entfernt liegt, entwickelte sich prächtig.
In der Stadt lebten Polen und Deutsche. Der deutsche Teil der Bevölkerung ließ 1883 auf dem Marktplatz eine evangelische Kirche im neugotischen Stil errichten. Anlässlich des 400. Geburtstages von Martin Luther tauften sie die Klosterkirche in Martin-Luther-Kirche um. Dass das Verhältnis der beiden Nationalitäten nicht spannungsfrei war, zeigte sich unter anderem am stürmischen Empfang, den die Polen 1920 dem polnischen General Józef Haller (1883-1960) bereiteten. Haller sollte die Übergabe des polnischen Korridors und einiger Teile Westpreußens gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages überwachen.
Zu den Besonderheiten der Kaschuben gehört ihre Volkskunst. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten die Kaschubischen ein unvergleichliches Muster, das sie auf ihrem Gebrauchsgeschirr, Textilien aller Art und ihren Trachten verarbeiteten. Einen Einblick in die Lebensweise und die Volkskunst bekommt der Besucher im Kaschubischen Museum am Stadtrand von Kartuzy. (Frank Hilbert)
